Wiener Neustadt: Feuerwehr-Alltag in der Krise. Wiener Neustädter Feuerwehr ist auch in Krisenzeiten voll einsatzbereit. Bereitschafts-Dienst funktioniert, viele Vorsichtsmaßnahmen in der Zentrale. Moral ist top.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 24. März 2020 (11:40)

Die Freiwillige Feuerwehr Wiener Neustadt hat einige Maßnahmen gesetzt, um  einsatzbereit zu bleiben.

„Wir haben den Dienstbetrieb in der Feuerwehr so eingeschränkt, dass eine permanente ehrenamtliche Einsatzbereitschaft mit neun Mann unter Tags (8 bis 18 Uhr) und mit vier Mann in der Nacht (unsere bewährte Nachtbereitschaft) aufrechterhalten bleibt. So sitzen jeden Tag diese neun ehrenamtliche Feuerwehrmitglieder in der Zentrale am Babenbergerring, um die Mannschaftsreserven nicht unnötiger Ansteckungsgefahr auszusetzen. Dies gewährleistet auch, dass im Falle eines Einsatzes mit Corona-Zusammenhang, nicht die ganze Mannschaft ausfällt“, heißt es seitens der Florianis. 

„Das bedeutet für uns, dass wir dementsprechende Maßnahmen setzen müssen“, erklärt Josef Bugnar, Kommandant der Feuerwehr. „So haben wir in einer Aussendung darauf hingewiesen, dass der Besuch in der Feuerwehr nur noch für die Bereitschaft gestattet ist, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Wir haben auch vor allem junge Kameraden in der Bereitschaft“, so Bugnar weiter.

Beschäftigungstherapie

Normalerweise ist die Freiwillige Feuerwehr Wiener Neustadts eine sehr beschäftigte Feuerwehr. So verzeichnete die Feuerwehr in der Zeit von 14. März bis zum 22. März des Vorjahres 42 Einsätze, welche ehrenamtlich abgewickelt werden mussten. Heuer sind es im gleichen Zeitraum deutlich weniger: „In der ersten Woche mit dem Hinweis daheim zu bleiben fuhren wir mit unseren Bereitschaften neun Einsätze. Man merkt, dass besonders die Bürger sich an den Appell daheim zu bleiben halten.“  Das bedeutet aber, dass die Bereitschaften nicht dermaßen gefordert sind, als in einer „normalen“ Woche. „Deshalb haben wir – unter Einhaltung aller Mindestabstände – sowohl den Aufenthaltsraum umgebaut wie auch eine Reihe an Möglichkeiten für die Beschäftigung geschaffen“, beschreibt Bugnar die Problematik des möglichen Lagerkollers.

„Wir haben einen Fitnessbereich in der Fahrzeughalle geschaffen, wo sich immer maximal zwei Ehrenamtliche gleichzeitig im entsprechenden Abstand ertüchtigen können. Zudem haben wir unseren Vorrat an Gesellschaftsspielen durch zwei Kameraden aufgestockt. Diese werden – auch hier natürlich mit dem notwendigen Abstand und nach entsprechender Desinfektion – gerne angenommen“, umreißt Bugnar die Freizeitmöglichkeiten der Bereitschaft. Auch das Kochen übernimmt in jeder Bereitschaft ein anderer Kamerad. Aber es gibt auch viel für den erhalt der Einsatzbereitschaft zu tun. So wurde eine Dekontaminationsstraße aufgebaut, ein Außenstudio für unseren WNTV Feuerwehrreport und andere Videobotschaften. Zudem wird viel gelesen und auch einige Ausbildungseinheiten für die Zeit nach Corona werden jetzt schon vorbereitet.

Viele Kameraden bleiben zu Hause

 „Die Bereitschaft ist von unserer Seite bis Montag, 20. April geplant. Derzeit sind alle Plätze ausgefüllt“, zeigt sich Bugnar stolz. „Es ist wichtig, dass nicht immer die selben Bereitschaft machen. Es ist aber auch wichtig, dass nur ein kleiner Teil der Mannschaft Bereitschaft macht. So können jene, die bis jetzt noch nicht Bereitschaft machten im Notfall einspringen. Im Moment sind wir gut aufgestellt.“

Die Feuerwehrjugendstunden bleiben bis auf Weiteres ausgesetzt, aber was ist mit den Reservisten, also alljenen Feuerwehrkameraden, die über 65 sind? „Her haben wir zum Glück einen Kameraden, der sich herzlich um unsere älteren Kameraden kümmert. Michael Michalitz hat sich alle Telefonnummern besorgt und ruft alle älteren Kameraden durch, die zum Teil auch schon alleinstehend sind. Er kümmert sich um die Einkäufe und steht auch als Gesprächspartner am Telefon zur Verfügung. Insgesamt rückt die Kameradschaft noch mehr als gewöhnlich in den Mittelpunkt“, so Bugnar.

Hochsicherheitstrakt Feuerwehrhaus

Das Feuerwehrhaus wurde bereits am Sonntag, 15. März für alle außer der eingeteilten Bereitschaft, geschlossen: „Wir haben alle Eingänge elektronisch verschlossen. Nur über den Eingang in der Herrengasse kann das Feuerwehrhaus betreten werden. Dazu muss man aber anläuten und man wird nur eingelassen, wenn die Notwendigkeit des Besuchs bestätigt ist. Dann muss man sich in einem Buch eintragen und die Hände desinfizieren. Ein Kamerad misst dann die Körpertemperatur. Erst dann darf man sich zum notwendigen Bereich bewegen und darf nur so lange bleiben, wie es unbedingt notwendig ist. Diese Maßnahmen sind unbedingt erforderlich, um die Einsatzbereitschaft nicht zu gefährden“, erklärt Bugnar.

Moral der Mannschaft ist top

Dass es Probleme in der Moral gäbe, wäre noch niemanden aufgefallen: „Im Gegenteil, es melden sich laufend Kameraden, die Bereitschaft machen wollen oder fragen, ob sie irgendwie helfen können. Auch sind die Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit, welche wir intern immer wieder treffen, sehr gut und unterstützen in der Kommunikation der Wichtigkeit dieser Bereitschaft.“

Gemeinsam schaffen wir das – Dieser Slogan prangt im Feuerwehrhaus von einigen Stellen. Auch ein eigenes Ärmelabzeichen wurde schon entworfen und zeigt den Zusammenhalt der Feuerwehrkameraden. Wir sind froh, dass wir eine so toll aufgestellte Feuerwehr in Wiener Neustadt haben.