Betrugsprozess in Wiener Neustadt. Der Geschäftsführer eines Reisebüros musste sich am Donnerstag am Landesgericht Wiener Neustadt wegen schweren gewerbsmäßigen Betruges verantworten.

Erstellt am 11. Juli 2013 (14:02)
NOEN, APA
Dem 43-jährigen gebürtigen Türken wurde vorgeworfen, von Kunden Anzahlungen für Flüge und Pauschalreisen kassiert, diese aber nicht gebucht zu haben, sondern mit dem Geld seine Privatschulden bzw. die Familie finanziert zu haben. Fazit: Die Reisen fielen entweder ganz ins Wasser oder die Kunden mussten sich die Rückreisen selber finanzieren. Da es laut Anklage 35 Geschädigte gibt, stand eine Prozessvertagung im Raum.

Angeklagter plädiert auf „nicht schuldig“

Der Angeklagte gestand zwar eine „moralische Schuld“ ein, dass er seine Kunden – überwiegend Landsleute von ihm – um ihre Anzahlungen gebracht hatte, vor dem Schöffensenat bekannte er sich dennoch „nicht schuldig“. Dass er mit dem Geld der Kunden einen Privatkonkurs abwenden wollte (was ihm letztlich nicht gelang), davon wollte er schon gar nichts wissen.

Laut Anklage war auch die Firmenkassa des Reisebüros längst leer, daher konnten Reisen bei Fluglinien und Reiseveranstaltern gar nicht mehr gebucht werden. Die Verteidigung widersprach dem vehement.

Umsatz von über einer Million Euro für Reisebüro

In den von dem Angeklagten geführten Reisebüros in Wiener Neustadt und Wien-Ottakring hätten im Anklagezeitraum zwischen Dezember 2011 und Juli 2012 insgesamt 4.027 zufriedene Kunden ihre Türkeiurlaube verbracht und es sei ein Umsatz von mehr als einer Million Euro verbucht worden. Der 43-Jährige schob die Schuld für die Misere seinen Angestellten zu. Diese hätten die Buchungen zu spät vorgenommen.

Dem nach wie vor ein Reisebüro betreibenden Mann wurde auch vorgeworfen, dass er fünf Jahre lang vom österreichischen Staat Familien- und Kinderbeihilfe (insgesamt 35.000 €) bezogen habe, obwohl Frau und drei Kinder bereits wieder in der Türkei lebten.