Gesundheitsversorgung: Ärztemangel droht. Ein Viertel der praktischen Ärzte im Bezirk ist über 60 Jahre alt. Ihre Stellen nachzubesetzen, könnte schwierig sein.

Von Victoria Schmidt. Erstellt am 05. September 2017 (03:44)
Symbolbild
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Ab nächster Woche wird Bad Erlachs Gemeindearzt Viktor Chlopcik wieder in seiner Praxis stehen – bis dahin wird er aber selbst noch an der Lendenwirbelsäule behandelt. Sein Krankenstand führte im Sommer zu Gesprächsstoff im Ort, denn der zweite Arzt im Ort war zeitgleich im Urlaub.

Eine Situation, die so nicht vorhersehbar war, die aber zeigt, wie schwierig es ist, wenn eine Arztstelle fehlt. Chlopcik ist einer jener Ärzte, die in den nächsten Jahren in Pension gehen – bereits mit Sonderregelung: Da er schon 2019 gehen könnte, seine Mitarbeiter aber erst 2020, bleibt die Praxis bis 30. September 2020 geöffnet. „Wir gehen dann zu dritt geschlossen nach 37 Jahren in Pension“, so der Arzt, der noch keinen Nachfolger hat. „Es waren vier Interessenten da, alle vier wollten nicht“, so Chlopcik.

Gerhard Zöchinger, Arzt in Winzendorf-Muthmannsdorf, sagt: „Die Politik legt einem alle Steine in den Weg, die möglich sind“, und spricht die Diskussionen um Hausapotheke und den Gemeindearzt an. Als er begonnen hat, sei der Altersschnitt bei 42 gelegen, diese Ärzte gehen nun langsam in Pension.

Tatsächlich ist derzeit ein Viertel der praktischen Ärzte im Bezirk über 60 Jahre alt. Die Ärztekammer weist darauf hin, dass zwischen der Stadt und dem Land unterschieden werden müsse. Die Stadt sei eine wachsende, lebenswerte Stadt mit großem Krankenhaus, wo es weniger Probleme geben werde, Kassenstellen nachzubesetzen: „Je weiter wir uns allerdings von der Großstadt entfernen, wo die Infrastruktur schlechter wird, wird es problematisch werden, genug Ärzte zu finden“.

Dazu kommt: Laut einer aktuellen Studie der Med-Uni Graz wollen nur zwei Prozent der Medizin-Studenten als Hausärzte arbeiten. „Ich kann mir prinzipiell vorstellen, als Landarzt zu arbeiten, allerdings lässt die derzeitige Ausbildung kein so ein breites Spektrum zu“, meint etwa Silvia Zisser, Wiener Neustädter Medizinstudentin in Graz.

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