Globuli: Debatte um Verbot. Die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz hat mit der Forderung, den Verkauf homöopathischer Arzneimittel in Apotheken zu verbieten, für Aufregung gesorgt. Diese Mittel seien nicht wirksam, begründet Pilz ihre Aussage. Die NÖN fragte Mediziner und Apotheker im Bezirk, was sie darüber denken.

Von Bettina Kreuter. Erstellt am 11. Dezember 2018 (08:07)
Baldauf
Apothekerin Elda Camus: „Es wird niemand gezwungen, es zu nehmen.“

Jeder, der sich mit Homöopathie beschäftigt, hat seinen ganz eigenen, persönlichen Zugang – egal ob Anwender, Arzt oder Apotheker. Der Wiener Neustädter Arzt Richard Moser kam als Jugendlicher mit 14 Jahren zum ersten Mal mit Homöopathie in Kontakt. Sie half ihm bei einer chronischen Krankheit.

Das beeinflusste auch seine Berufswahl. „Seit meiner Jugend flammt die Diskussion auf, ob man Homöopathie verwenden soll oder nicht. Aber ich sehe ständig, dass es Menschen guttut, und ich kann seit 20 Jahren davon leben. Das kann kein Placebo-Effekt sein“, so Richard Moser. Dem stimmt auch sein Arztkollege Rudolf Bogad aus Katzelsdorf zu: „Ich könnte 100 Geschichten erzählen, wo Homöopathie innerhalb kürzester Zeit eine Verbesserung des Zustandes bewirkt hat.“ Er sieht es als „absoluten Unsinn“, Homöopathie streichen zu wollen. „Laut EU-Recht ist es ein Arzneimittel und darf in Apotheken verkauft werden“, erklärt Bogad.

Die Wiener Neustädter Ärztin Martina Fink zählte während ihres Studiums selbst zu den Skeptikern. „Dann besuchte ich Vorlesungen und wusste, die Homöopathie passt zu mir.“ Zu ihr würden Patienten mit unterschiedlichen Beschwerden komen: „Oft sind sie in völliger Verzweiflung, wenn die Schulmedizin versagt hat.“ Antibiotika setzt sie nur selten ein: „Ich wünsche mir, dass vorher auf Alternativen zurückgegriffen wird“, so Fink.

Homöopathie solle laut Arzt Richard Moser nicht als Alternativ-, sondern als Komplementär-Medizin bezeichnet werden, denn: „Ich schließe die Schulmedizin nicht aus. Bei vielem ist es eine Kombination.“

Mit den ersten Zähnen fängt es meistens an

Manchen wird die Homöopathie bereits in die Wiege gelegt. Es sind ihre Eltern, die sich dem Thema gegenüber zugänglich zeigen, wie Apothekerin Elda Camus von der Heiland Apotheke in Wiener Neustadt weiß: „Bei vielen beginnt es, wenn sie kleine Kinder haben. Da werden vielleicht einmal Zahnungsglobuli gegeben. Dann sehen sie die Wirkung.“

In der Bahnhof Apotheke in Wiener Neustadt werden die Globuli nach den Grundlagen des europäischen Arzneibuches handverschüttelt: Klassisch werden sie bei Husten, Schnupfen oder Kopfweh eingesetzt. Eine Diskussion würde immer wieder kommen: „Leute, die Erfahrung mit Homöopathie haben, sind nach wie vor Fans. Aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass die Wirkung mehr ist als nur Placebo-Effekt“, so Apotheker Gregor Schöberl.

Die Homöopathie sei ein kleines Segment im Portfolio der Apotheken: „Ich verdiene mir keine goldene Nase damit“, betont Elda Camus. Sie empfindet die Forderung der Verbannung absurd: „Es ist niemand gezwungen, es zu nehmen“, so Camus.

Weniger auf Homöopathie, mehr auf Traditionelle Chinesische Medizin setzt Willibald Kornfeld aus der Alten Kronen Apotheke: „Man kann Traditionelle Chinesische Medizin nicht mit Homöopathie vergleichen. In den Mischungen der chinesischen Medizin sind Kräuter und somit handfeste Inhaltsstoffe enthalten, die eine bestimmte Wirkung haben“, erklärt Willibald Kornfeld. Die Nachfrage sei ungebrochen gut. „Wir beraten und haben Fertigmischungen. Bei allem, was komplizierter ist, bitten wir die Leute, zum Arzt zu gehen“, informiert der Innenstadt-Apotheker.

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