Hundehaltegesetz: Kritik am kollektiven Vorurteil. Hunde und Halter sollen nicht „über einen Kamm geschert werden“. Anzahl der Verstöße im Bezirk bleibt konstant.

Von Kristina Veraszto. Erstellt am 12. November 2019 (04:17)
Unternehmerin Sabine Zeilinger mit ihrer Parson Jack-Russel-Hündin „Hummel“.
Kristina Veraszto

Für ein Aufjaulen sorgt das neue vom Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Beißkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung. Die NÖN hörte sich in der Region um, wie dort die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen.

Dass es auch in Zukunft Unterschiede geben muss und nicht alle Hunde zum Beispiel in Einkaufszentren oder Gaststätten verpflichtend einen Beißkorb tragen sollen, darüber sind sich Daniela Schermann und Sabine Zeilinger einig. Die beiden Wiener Neustädter Unternehmerinnen besitzen beide kleinere Hunde, die gut erzogen sind. „Ich bin nicht dafür, dass man alle Hundebesitzer über einen Kamm schert“, sagt Schermann im NÖN-Gespräch. Zeilinger würde es begrüßen, wenn die Politik beim neuen Gesetz auf die Rasse, Größe und das Gewicht der Vierbeiner Rücksicht nehmen würde.

"Mit diesem Gesetz werden die Symptome behandelt, aber nicht die Ursache"

„Das kollektive Vorverurteilen finde ich falsch. Es sollte zumindest Gewichtsklassen geben. Man sollte auch darauf achten, welche Rasse es ist und welche Beißkraft der Hund hat“, so Zeilinger. Initiator des Gesetzes ist FPÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl. Seine Ansätze für das neue Hundehaltegesetz findet Wiener Neustadts ÖVP-Gemeinderat Michael Klosterer, der ebenfalls Hundehalter ist, für populistisch: „Mit diesem Gesetz werden die Symptome behandelt, aber nicht die Ursache.“ Laut Klosterer seien oft nicht die Vierbeiner das Problem, sondern das Verhalten des Besitzers. „Hier alle Hunde zu stigmatisieren, finde ich nicht richtig“, erklärt Klosterer.

Kritik hagelt es auch vonseiten des Hundesportverbandes ÖGV Wiener Neustadt. Für Obfrau Susanne Schulze müsste es kein neues Gesetz geben. Viel wichtiger sei es, dass das bestehende Gesetz konsequent durchgesetzt werde. „Ich kenne Fälle, wo auffällige Hunde in Hundezonen ohne Beißkorb frei herumlaufen und da kümmert sich niemand darum“, so Schulze. Die Obfrau habe auch laufend auf dem Ausbildungsplatz Hundehalter, die „unbelehrbar“ seien.

Mehr Aufklärung für alle Hundehalter

Auch für die Tierärztin Tanja Sander wird das neue Gesetz auf lange Sicht das Problem nicht lösen. Grundsätzlich wäre es besser, Hundehalter aufzuklären und die Vierbeiner besser zu trainieren. Mit den neuen Auflagen würden einfach alle Hundebesitzer zur Verantwortung gezogen werden – und zwar auch die, die bisher keine Verstöße hatten. „Ich denke, dass dieses Gesetz nur eine kurzfristige Lösung ist“, so Sander. Hundeattacken würden vor allem im familiären Umfeld passieren.

Deshalb sei es wichtig, dass Hundebesitzer nicht nur in der Öffentlichkeit verantwortungsvoll mit den Tieren umgehen. Neu im Gesetz ist auch, dass Gemeinden einen „sensiblen Ort“, wo Hunde Beißkorb tragen und angeleint sein müssen, bestimmen können. In Wiener Neustadt seien solche Orte nicht geplant, heißt es auf NÖN-Anfrage: Das gesamte Stadtgebiet ist gemäß NÖ Hundehaltegesetz ohnehin mit Leinen- oder Beißkorbpflicht. Weitere Maßnahmen sind deshalb nicht notwendig.“

Jährlich gebe es zwischen 15 und 20 Verstöße gegen das Hundehaltegesetz, erklärt Bezirkshauptmann Markus Sauer auf NÖN-Anfrage. Die meisten Fälle seien Hundebisse, gefolgt von fehlenden Beißkörben oder Leinen. „In der Regel sind es Strafen in der Höhe von 100 bis 200 Euro. Bei schweren Hundeattacken sind die Beträge natürlich höher“, so Sauer.

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