Impfen: Schutz für sich selbst und andere. Durchimpfungsraten für sogenannten Herdenschutz werden häufig nicht erreicht. Ärztevertreterin setzt auf mehr Empfehlungen.

Von Kristina Veraszto. Erstellt am 11. Februar 2020 (03:50)
Impfen ist auch bei Erwachsenen ein Thema. Häufig fehlen Auffrischungsimpfungen.
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Geht es um die Ausbreitung von Infektionen, sind Menschen wie eine Schafherde. Ist ein Mensch krank und alle Personen rundherum sind geimpft, können sich die Viren nicht weiterverbreiten. Dadurch sind auch Menschen vor einer Infektion geschützt, die sich nicht impfen lassen können. Der erforderliche Prozentsatz für den sogenannten Herdenschutz ist je nach Krankheit unterschiedlich, bei Masern sind es 95 Prozent. Eine Durchimpfungsrate, die in Österreich noch immer nicht erreicht wird, wie das Gesundheitsministerium auf NÖN-Anfrage mitteilte: „Die Durchimpfungsraten für Masern der letzten Jahre zeigen, dass Kinder in Österreich zu spät und zu wenig konsequent mit allen empfohlenen Dosen geimpft werden.“

Laut einem Kurzbericht des Ministeriums lag 2018 die Durchimpfungsrate der 2- bis 5-Jährigen bei der zweiten Impfung bei nur rund 82 Prozent. Für Bezirksärztevertreterin Martina Dinhobl sollte die Masernimpfung im Mutter-Kind-Pass empfohlen werden. „Viele sind oft träge, wenn es nicht gemacht werden muss. Man kann mit Aufklärungen und Empfehlungen sehr viel bewegen“, ist Dinhobl überzeugt. Dies gelte auch für die Grippe-Impfung. Laut dem Österreichischen Verband der Impfstoffhersteller war die Influenza-Durchimpfungsrate vor 15 Jahren noch im zweistelligen Bereich. Von 2018 auf 2019 ist sie wieder leicht angestiegen und liegt derzeit bei rund acht Prozent. Auch am Wiener Neustädter Gesundheitsamt haben sich 2018 und 2019 mehr Menschen gegen Influenza impfen lassen, als noch 2017 (siehe Info-Box).

Dinhobl hat mit rund 140 Personen in der heurigen Grippe-Saison bereits doppelt so viele Patienten geimpft, als noch im vergangenen Jahr. „Ich musste sogar Impfstoff nachbestellen. Die Impfwilligkeit war in meiner Ordination sehr hoch“, so die Ärztin. Dabei blieben stets befürchtete Nebenwirkungen aus. Generell würde Dinhobl ihren Patienten empfehlen, alle im österreichischen Impfplan vorgesehenen Impfungen in Anspruch zu nehmen. Besonders aufmerksam sollte man auch bei der 4-fach Impfung gegen Diphterie, Tetanus, Pertussis und Polio sein. „Diese sollte man alle zehn Jahre auffrischen“, erklärt Dinhobl.

Angehörige von Menschen, die sich aufgrund einer Erkrankung nicht impfen lassen können, sowie Personen, die viel Zeit in Altersheimen verbringen, sollten sich ebenfalls impfen lassen. Dies sei wichtig für den Herdenschutz. „So können Angehörige Patienten, die sich zuhause befinden, nicht anstecken.“

Empfohlene Impfungen für Gesundheitspersonal

Auch im Landesklinikum Wiener Neustadt wird auf den Patienten- und Mitarbeiterschutz Wert gelegt. Deshalb werden bereits vor Dienstantritt Impf- bzw. Immunitätsnachweise von den Mitarbeitern verlangt. Dabei orientiere man sich an den Impf-Empfehlungen des Gesundheitsministeriums. „So sind etwa für Tätigkeiten in besonders sensiblen Bereichen, wie der Pädiatrie oder in Infektionsabteilungen, ergänzende Impfungen erforderlich“, heißt es aus dem Landesklinikum. Dazu zähle zum Beispiel der Schutz gegen Pneumokokken oder Meningokokken. Apotheker Herbert Blüml berät seine Kunden laufend über Impfungen. Die Entscheidung, ob eine Impfung notwendig ist oder nicht, könne er seinen Kunden aber nicht abnehmen: „Impfungen sind wie Versicherungen. Man lässt sich gegen vieles versichern, und wenn etwas passiert, ist man froh, dass man sie hat.“

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