Wirtesterben: Der Ofen bleibt kalt. Wirtesterben Nachfolger, Personal und Gäste werden dringend gesucht. Den Gasthäusern fehlt die Zukunftsperspektive. Von ssssss

Von Bettina Kreuter. Erstellt am 04. Juni 2019 (03:18)
Ernst Stargl schenkte am Freitag zum letzten Mal aus.
Maurer

Dieses Wirtshaus-Ende sorgt für Aufsehen: Nach 81 Jahren sperrte das Gasthaus Stargl am Freitag zu. „Ich bin einerseits wehmütig, andererseits auch erfreut über das, was kommt. Das Aussterben der Wirtshäuser ist leider der Lauf der Zeit“, so Wirt Ernst Stargl.

Das weiß auch Bezirkswirte-vertreter Hans Fromwald, der selbst in Bad Fischau das Gasthaus Fromwald betreibt: „Bestehende traditionelle Gasthäuser werden wegen Renovierungen oder fehlender Nachfolger nicht weitergeführt.“ Kein Nachfolger in Sicht ist bei Alois Friedam. Sein Gasthaus im Zehnerviertel Wiener Neustadt ist seit über 100 Jahren in Familienbesitz: „Eine große Konkurrenz sind Möbelhäuser und Supermärkte, da kann ich preislich nicht mithalten“, ist der 57-Jährige überzeugt. Für sein Mittagsmenü verrechnet er 7,50 Euro, aber um alle Kosten zu decken, müssten es 10 Euro sein. Die Stammkunden werden älter und kommen nur mehr mittags. Junge Leute gehen lieber ins Fastfood-Lokal, das weiß auch Ernst Stargl: „Sie sitzen mit ihren Freunden nicht gemütlich im Wirtshaus.“

WK NÖ; Foto: Iakov Filimonov/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Nicht nur die Gäste fehlen, sondern auch das Personal: „Am Wochenende sollst du für die Gäste da sein, aber da will keiner mehr arbeiten“, weiß Hans Fromwald. Ein Umstand, dem Friedam und Stargl zustimmen. Eine heile Wirtshauswelt findet man in Krumbach. „Von der Würstlhütte bis zum Haubenlokal haben wir alles. Es gibt zehn Gasthäuser, wo man überall gut essen kann“, verrät ÖVP-Bürgermeister Josef Freiler. Das Geheimnis scheint simpel – viele regionale Produkte, Top-Personal und kein Neid untereinander. „Wenn mehr Angebot vorhanden ist, dann kommen auch mehr Kunden“, so Freiler.

Das glaubt auch Bürgermeister Michael Kreuzer aus Guten-stein: „Es könnten zwei bis drei Gasthäuser mehr bei uns sein – dann funktioniert auch der Tourismus gut.“ Aktuell sucht man einen neuen Pächter für die Kegelbahn samt Gastronomie. Durch Stammgäste, die ein- bis zweimal pro Woche kegeln gehen, wären Einnahmen von 800 Euro pro Monat gesichert. Es gibt auch positive Gastro-News: In Wiener Neustadt sperrten das Gasthaus „Friedrich 2700“ in der ehemaligen Altstadtpassage sowie das Landgasthaus Weidgans in der Lange Gasse auf.