Am Bau wird selten hitzefrei ausgerufen. Seit 1. Mai haben Bauarbeiter ab 32,5 Grad hitzefrei. Was bedeutet diese Regelung für die Baustellen in der Region?

Von Bettina Kreuter und Philipp Grabner. Erstellt am 30. Juli 2019 (04:33)

Montagvormittag gegen halb neun Uhr in Bad Fischau-Brunn: Das Thermometer zeigt angenehme 22 Grad an – ideales Baustellenwetter, nicht zu heiß und nicht zu kalt. Dass es aber auch ganz anders geht, hat die Vorwoche unter Beweis gestellt: Temperaturen weit über 30 Grad machten vor allem den Bauarbeitern zu schaffen. „Viel trinken ist da besonders wichtig, weshalb wir den Arbeitern auch Getränke zur Verfügung stellen“, erklärt Guenter Rohmeis, technischer Gruppenleiter bei „Lang und Menhofer“, der NÖN beim Baustellenbesuch beim Gemeindeamt. Ein Mal gab Rohmeis seinen Leuten heuer hitzefrei, wie er berichtet: „Es hat von den Arbeiten gerade gepasst. Aber wenn man ehrlich ist, müsste man ein paar Wochen pausieren.“

Da dies aber illusorisch sei, wird an heißen Tagen früher zu arbeiten begonnen. Doch auch das ist nicht immer einfach, denn: „Wir können aufgrund von Anrainern und Zulieferern, die wir für unsere Arbeit brauchen, frühestens um 6 Uhr beginnen“, so Rohmeis. Und bei Temperaturen wie in der Vorwoche müsse man ja überhaupt gleich mehrere Tage aussetzen – „das geht selten, weil meist alles recht dicht getaktet ist“, weiß er.

"Müssen Zeiten im Sommer nützen, um unsere Leistungen zu erbringen"

Wie Rohmeis handhabt es auch Bezirksinnungsmeister Johannes Dinhobl in seinem Betrieb: „Ist es sehr heiß, bemühen wir uns oft, früher mit den Arbeiten zu beginnen. Wenn es nicht mehr geht, dann beenden wir wegen Hitze-Schlechtwetter. Aber das ist ganz selten. Wir müssen die Zeiten im Sommer nützen, um unsere Leistungen zu erbringen.“ Der 12-Stunden-Tag habe laut Dinhobl geholfen, Arbeiten bei erträglichen Temperaturen einzuholen.

Bei Hitze sinken Konzentration und Leistungsfähigkeit, wie Rudolf Silvan, Landesgeschäftsführer Gewerkschaft Bau-Holz NÖ, weiß. Dessen ist sich auch Baumeister Dinhobl aus Wiener Neustadt bewusst. Er appelliert an Auftraggeber, nicht unter allen Bedingungen auf den Zeitplan zu pochen: „Es gibt viele Leistungen, die bei starker Hitzebelastung nicht ordnungsgemäß auszuführen sind. Sie müssten dann ein zweites Mal gemacht werden.“ Auch Materialien, die zum Beispiel bei der Sanierung historischer Fassaden verwendet werden, lassen sich bei Hitze nicht verarbeiten.

Ausweicharbeiten im Gebäudeinneren

Dort, wo zumindest der Rohbau schon steht, gibt es Möglichkeiten, den hohen Außentemperaturen auszuweichen: „Wir schauen auf unseren Baustellen, wo wir Ausweicharbeiten erledigen können. Das sind dann Tätigkeiten im Inneren“, erklärt Robert Kallinger von der Strabag Wiener Neustadt.

Das bietet sich auch beim Neubau des FH City Campus in der Innenstadt an, wie Peter Erlacher, COO der FH Wiener Neustadt, informiert: „Hitzefrei würde eher bei Arbeiten im Freien in der Rohbauphase zu tragen kommen. Am City Campus wird aber bereits seit mehreren Monaten der Innenausbau gemacht. Hier herrscht ein angenehmes Klima, um Tätigkeiten jeglicher Art durchzuführen.“ Dadurch hätten die heißen Sommertemperaturen keinen Einfluss auf den Baufortschritt.

Innungsmeister Johannes Dinhobl hält nichts davon, alles nur an den Temperaturen festzumachen: „Hier spielen oft auch Situationen wie leichter Wind mit, um die Bedingungen für die Mitarbeiter wieder erträglicher zu machen.“

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