Enormer Run auf Grippeimpfung. Apotheker und Mediziner bemerken ein erhöhtes Interesse an der Grippeimpfung. Ob für alle rechtzeitig genügend Impfstoff vorhanden sein wird, ist aber offen.

Von Philipp Hacker-Walton. Erstellt am 23. September 2020 (05:55)
Das Interesse an der Grippeimpfung ist vor diesem Winter besonders hoch.
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Im Vergleich zu den Vorjahren wollen sich heuer offenbar viel mehr Menschen gegen die Grippe impfen lassen oder überlegen zumindest, dies zu tun: „Ich merke, dass das Interesse viel größer ist, in meiner Ordination gibt es fünf Mal so viele Vorreservierungen für die Grippeimpfung als in den letzten Jahren“, sagt die Wiener Neustädter Allgemeinmedizinerin Martina Dinhobl im Gespräch mit der NÖN.

Ärztevertreterin Martina Dinhobl.
Alessandro Guerriero

Die Bezirksärztevertreterin spricht eine breite Empfehlung für die Grippeimfpung aus: „Es sollten sich möglichst viele impfen lassen. Auf jeden Fall all jene, die im medizinischen Bereich tätig sind, mit vielen Menschen zu tun haben oder auch bei chronischen Krankheiten.“ Angesichts der Corona-Pandemie sei es „ein Vorteil, wenn man zumindest einen viralen Infekt, die Grippe, nicht bekommt. Wenn man sich schützen kann, sollte man das tun“, sagt Dinhobl.

Auch Christoph Wanke-Jellinek, Gemeindearzt in Bromberg und Lichtenegg, meint, gerade vor diesem Winter sollte mit der Impfung eher großzügig umgegangen werden: „Üblicherweise sollten sich alle ab einem gewissen Alter, wenn das Immunsystem nicht mehr so stark ist, impfen lassen. Heuer ist ein Sonderfall, ich würde sagen: Außer Babys eigentlich alle.“

Dies habe auch ganz praktische Gründe für die Behandlung im Krankheitsfall: „Wenn jemand mit schwerer Lungenerkrankung zu mir kommt, tue ich mir leichter, wenn er gegen die Grippe geimpft ist – dann wird eher ein Bakterium oder Covid-19 im Vordergrund stehen.“ Als Arzt würde er sich daher wünschen, dass die meisten geimpft sind – „dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie Grippe haben, geringer, und die Therapie einfacher. Mir ist es auch lieber, die Leute lassen sich mit einem bekannten Grippe-Impfstoff impfen, als mit einem unbekannten Covid-Impfstoff.“

Verzögerungen bei der Impfstoff-Lieferung

Eben jenen Grippe-Impfstoff zu erhalten, ist aktuell aber gar nicht so leicht. Wie Bezirksärztevertreterin Dinhobl, registriert auch Willi Kornfeld eine deutlich gestiegene Nachfrage in seiner „Alten Kronen Apotheke“ am Neustädter Hauptplatz: „Völlig unüblich und noch nicht dagewesen sind die Vorbestellungen, die drei bis fünf Mal so hoch sind wie in den vergangenen Jahren.“

Margot Blüml, Angelus-Apotheke.
Stangl

Ob für alle, die sich impfen lassen wollen, sofort Impfstoff verfügbar sein wird, lasse sich erst abschätzen, wenn die Lieferungen kommen, sagt Kornfeld. In der Angelus-Apotheke sind alle bislang bestellten Impfstoffe schon reserviert, sagt Margot Blüml: „Die Nachfrage ist sehr groß, wir warten auf die erste Lieferung.“

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