Hannes Höller: „Radfahren boomt in Städten“. Die Zahl der Radfahrer wächst, auch und gerade in der Stadt. Lücken bei Wegen im Bezirk Wr. Neustadt werden heuer weiter geschlossen.

Von Philipp Hacker-Walton. Erstellt am 07. April 2021 (05:45)
Flurreinigung der Radlobby: Julia Franchetti, Katja Raith, Teresa Watz, Fabian, Manuel und Valentin Narosy (vorne, v.l.), Christoph Watz, Hannes Höller, Karl Zauner, Friederike Zauner, Irene Nemeth, Tina Narosy, Gerold Petritsch und Gudrun Schulze (hinten, v.l.).
Hacker-Walton

Ausgestattet mit Müllsäcken, Holzzangen und natürlich ihren Fahrrädern zog eine „Müllsammel-Delegation“ der Radlobby vergangene Woche vom Bahnhof aus los: Es galt, die Wege bis zum Flugfeld von Abfall zu befreien.

Frühling ist die Zeit für Flurreinigungen – und der Start für die neue Fahrradsaison. In den kommenden Monaten werden in Stadt und Bezirk wieder besonders viele Menschen auf zwei Rädern unterwegs sein – deutlich mehr noch als vor ein paar Jahren.

„Radfahren boomt, vor allem in Städten – auch bei uns in Wiener Neustadt“, sagt Hannes Höller von der Radlobby. Die Wiener Neustädter Gruppe der Fahrrad-Interessensvertretung hält aktuell bei rund 260 Mitgliedern – Tendenz steigend. In ganz Niederösterreich sind es aktuell 1.700 Mitglieder, „jährlich steigt die Zahl um rund zehn bis fünfzehn Prozent“, so Höller. Die Ortsgruppen haben sich in den vergangenen Jahren auf 24 verdoppelt. Das steigende Interesse am Radfahren sehe man nicht nur in der Stadt, sondern auch beim Radeln im Bezirk, so Höller: „Spürbar ist das bei den vielen Freizeitrouten Richtung Bad Fischau-Brunn oder Lichtenwörth. Immer mehr steigen auf E-Bikes um. Wichtig wäre, dass die Stadt gemeinsam mit den Umlandgemeinden neben Freizeitwegen auch schnelle alltagstaugliche Routen für PendlerInnen anbieten würde. Mit dem E-Bike sind die Distanzen kein Problem.“

„Radverkehr hat großes Potenzial in der Stadt“

Im Rathaus hat man den Zulauf zum Drahtesel freilich längst registriert: „Das Thema Radfahren spielt im laufenden Stadtentwicklungsprozess STEPWN 2030+ eine ganz wesentliche Rolle“, sagt Mobilitätsstadtrat Franz Dinhobl (ÖVP): „Wir alle sind uns einig, dass der Radverkehr gerade in einer Stadt wie Wiener Neustadt größtes Potenzial hat, daher sind wir stetig bemüht, die dafür notwendige Infrastruktur zur Verfügung zu stellen.“

Wie schon in den vergangenen Jahren gibt es seitens der Stadt auch heuer wieder eine Radverkehrs-Offensive, „bei der wir Lücken schließen und Gefahrenstellen entschärfen – die Details dazu werden wir in den nächsten Wochen präsentieren“, so Stadtrat Dinhobl.

In den vergangenen Jahren wurden u.a. Einbahnen und Fußgängerzonen für den Radverkehr geöffnet. Bei einer der meist befahrenen Kreuzungen in der Stadt, jener zwischen Grazer Straße und Ungargasse beim Hauptplatz, wurde eine neue Radfahrampel geschaffen. In der Wiener Straße gibt es zudem das Pilotprojekt „Sharrows“: Die Piktogramme aus Fahrrad- und Pfeilspitzensymbole auf Fahrbahnen sollen Autofahrer auf die kombinierte Nutzung der Straße aufmerksam machen.

Ziel der Stadtregierung sei es, den Anteil des Radverkehrs in der Stadt „noch weiter zu erhöhen und so einerseits den Umwelt- und Klimaschutz, andererseits auch die Bewegung und damit die Gesundheit der Neustädter zu fördern“, sagt Dinhobl.

Auswahl bei Rädern ist größer geworden

Seit nunmehr zehn Jahren gibt es in Wiener Neustadt Standorte für das niederösterreichische Radleihsystem „nextbike“, pro Saison gibt es dabei rund 7.000 Ausleihungen. Ausborgen kann man sich auch das Lastenrad „LaRa“, das sich zum Transport von schweren Lasten bis hin zu Christbäumen eignet. (Infos: www.deinlastenrad.at).

Wer sich kein Fahrrad leihen, sondern eines kaufen will, der findet heutzutage eine immer größere Auswahl vor: „Die Vielfalt ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen, die meisten großen Hersteller bringen alle paar Monate neue Modelle auf den Markt“, sagt Andreas Heindel, der das Fahrradgeschäft am Eyerspergring in vierter Generation führt.

Für Reparaturen und Abholen geöffnet

Mitunter könne dies zu etwas längeren Wartezeiten bei der Bestellung führen, sagt Heindel. Er betont aber: „Wir haben genug Räder im Geschäft auf Lager, es ist für jeden etwas dabei.“ Die Nachfrage sei jedenfalls groß, „das Geschäft läuft, wir verkaufen viele Räder“, sagt Heindel im Gespräch mit der NÖN. Der Trend zu den E-Bikes, den es in den vergangenen Jahren schon gegeben hat, halte weiter an, sagt Heindel: „Es geht eindeutig in diese Richtung. Wir sehen aber auch noch eine große Nachfrage nach normalen Rädern.“ Auch wenn der Verkauf derzeit Lockdown-Pause macht: Für Reparatur- und Wartungsarbeiten, die beispielsweise bei einem „Frühjahrsservice“ anfallen, ist das Fachgeschäft auch aktuell geöffnet, ebenso kann man sich Ersatzteile über Bestellung via Telefon oder Email per „Click & Collect“ abholen.

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