Hundehaltegesetz: Zweifel an Umsetzbarkeit. FPÖ-Landesrat Waldhäusl will mit Beratungsgespräch und einer Ausbildung alle Hundehalter in die Pflicht nehmen. In der Praxis kaum umsetzbar, meinen Tierfreunde.

Von Kristina Veraszto. Erstellt am 29. Juli 2020 (05:45)
Unternehmer Rudolf Kuderna hat seit acht Jahren seinen Rüden „Jocker“ an seiner Seite.
Veraszto

Das NÖ Hundehaltergesetz soll weiter reformiert werden und FPÖ-Landesrat Gottfried Waldhäusl nimmt dabei niemand Geringeres ins Visier als die Hundehalter selbst.

Für alle, die sich einen Hund anschaffen wollen, soll es in Zukunft vorab ein verpflichtendes Beratungsgespräch geben. Ein guter Ansatz, meinen Hundehalter. „Das finde ich nicht schlecht, weil die Anschaffung eines Hundes doch mit einer gewissen Lebensumstellung verbunden ist“, sagt etwa Unternehmer Rudolf Kuderna.

Auch Renate Wolfger, Leiterin des Wiener Neustädter Tierschutzhauses, würde ein verbindliches Beratungsgespräch begrüßen. Im Tierschutzhaus ist das schon Usus. „Manche kommen drei oder vier Mal, bevor wir den Hund übergeben“, so Wolfger. Bei der Frage nach der Umsetzung ist die Leiterin aber skeptisch: Bei Züchtern und Tierschutzhäusern wäre die Einhaltung des Gesetzes leichter zu überprüfen. „Ob man die Beratungsgespräche bei den tausenden von Internetanbietern durchführen kann, ist die Frage“, sagt Wolfger. Handlungsbedarf gibt es jedenfalls: Bei rund 60 Prozent der Hunde, die beim Tierschutzhaus abgegeben werden, wird gesagt, dass es sich um einen gefundenen Hund handelt, stattdessen sind es die Besitzer selbst, die das Tier nicht mehr halten wollen.

Eine weitere geplante Änderung im Gesetz sieht eine Ausbildung für alle Hundehalter vor. Derzeit müssen nur jene Niederösterreicher einen Sachkunde-Nachweis erbringen, die einen Listenhund oder auffällige Tiere halten. „Das würde endlich die unbegründete Diskriminierung gegenüber den aktuellen Listenhunden reduzieren“, meint Susanne Kerbl, die mit Astrid Böhm und Andrea Makovec die Hundeschule „HUNDherum“ in Weikersdorf betreibt. Aber auch bei diesem Ansatz gebe es in der Praxis einiges zu beachten. „Der Rahmen der Absolvierung des praktischen Teils muss auf jeden Fall auf den jeweiligen Hund angepasst werden. Für die Umsetzbarkeit ist notwendig, dass es ausreichend zertifizierte Prüfer für den Sachkundenachweis gibt, die fundierte Ausbildungen nachweisen können und 100 Prozent gewaltfrei trainieren“, sind sich die Hundetrainerinnen einig.

Ausbildung müsste zur Hunderasse passen

Wolfger warnt davor, Hunde zwingend sozialisieren zu wollen, wenn sich die Ausbildung nicht nur auf einen theoretischen Teil beschränkt: „Ein Hund muss sich nicht mit jedem Hund vertragen.“ Bei einer Änderung des Gesetzes sollte deshalb gewährleistet sein, dass Hundehalter auch Einzeltrainings mit ihren Tieren absolvieren können. Kein Vierbeiner sollte verpflichtend in die Hundeschule und in Gruppenkurse gehen müssen. Gegen eine Ausbildung für alle Hundehalter spricht sich Kuderna aus. „Das wäre eine Hürde, die für viele nicht mehr machbar ist“, sagt er und denkt dabei zum Beispiel an ältere Personen, die einfach die Anwesenheit eines tierischen Weggefährten während ihres Alltags schätzen. Auch Hundehalterin Evamaria Sluka-Grabner sieht die geplante Änderung kritisch: „Es wird in der Handhabung nicht durchführbar sein.“

Angedacht ist auch die Einführung eines „Hundepasses“, wo künftig sämtliche Untersuchungen oder Auffälligkeiten angeführt werden sollen. Hier sind sich Hundehalter und das Tierschutzhaus einig: Für einen solchen Pass, gebe es keine Notwendigkeit, da es den EU-Heimtierausweis gibt, in dem beispielsweise alle Impfungen festgehalten werden. „Man soll nicht alles überregulieren, sonst wird sich niemand mehr einen Hund nehmen wollen“, sagt Sluka-Grabner.

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