Krise sorgt für mehr Radler. Händler merken höhere Nachfrage. Ob es mehr Umsätze gibt, wird sich zeigen.

Von Kristina Veraszto. Erstellt am 24. Juni 2020 (05:45)
Peter Minarik (M.), Sohn Alexander (l.) und Michael Blaha bringen derzeit mehr Räder als sonst auf Vordermann. 
Kristina Veraszto

Peter Minarik schraubt rund um die Uhr an den Rädern seiner Kunden: Seit Mitte April mit den Baumärkten und kleineren Geschäften auch die Kfz- und Fahrradwerkstätten wieder öffnen durften, hat der Eggendorfer mehr Fahrräder und Zubehör verkauft als sonst um diese Zeit. Zwar sind die Verkaufszahlen nach der Öffnung der Großmärkte wieder zurückgegangen, mehr Reparaturaufträge trudelten trotzdem ein.

„Wir haben um diese Zeit immer viel zu tun, aber jetzt haben wir sehr viel zu tun“, sagt Minarik. In den Zeiten der Corona-Ausgangsbeschränkungen hätten einige Kunden das Fahrradfahren für sich entdeckt. „Vielen war das Spazierengehen einfach schon zu fad“, scherzt der Mechaniker. Aber auch jetzt, gut einen Monat nach dem Ende des Corona-Lockdowns, reiße die Arbeit nicht ab: „Wir spüren es noch immer. Das hätten wir uns nicht gedacht“, erzählt Minarik.

„Es braucht auch schnell umsetzbare und flexible Lösungen.“ Hannes Höller über die Einrichtung von „Pop up-Radwegen“.

Man dürfe aber nicht vergessen, dass es auch einen Monat Stillstand gab. Von März bis Ostern gab es kein Geschäft. Deshalb sei – was die Umsatzsteigerungen betreffe – ein vorsichtiger Optimismus angebracht, so Minarik.

Eine höhere Nachfrage gibt es auch bei Andreas Heindel, der sein Geschäft samt Werkstätte am Eyerspergring in Wiener Neustadt betreibt. „Ein gewisser Boom ist da“, sagt Heindel im NÖN-Gespräch. Aber auch er wartet, wie Minarik, aufgrund des Lockdowns ab. „Es ist auch eine Verschiebung und ein Nachholbedarf da“, sagt der Mechaniker. Wie groß der Radboom rund um Corona wirklich war, könne man erst später sagen. „Ich glaube, das wird sich erst zum Jahresende zeigen“, so Heindel.

Hubert Zak konnte während den Ausgangsbeschränkungen aus gesundheitlichen Gründen nicht mit dem Fahrrad fahren. Mittlerweile ist der pensionierte Richter aber wieder mit seinem Drahtesel unterwegs – und darüber ist er auch froh: „Ich sage es ehrlich, ich bin zu faul, um zu Fuß zu gehen.“ Das Fahrradfahren habe viele Vorteile, etwa beim Transportieren von Dingen und man ist auch schneller unterwegs. Zak nutzt das Rad aber nicht nur in der Freizeit. Auch seinen Arbeitsweg zum Landesgericht, bestritt der Richter immer auf zwei Rädern. „Ich bin schon durch den Stadtpark gefahren, da durfte man das noch gar nicht“, erinnert sich der 71-Jährige zurück.

Chance für temporäre Radwege nicht genutzt

Ein begeisterter Radfahrer seit Jugendtagen ist auch Fahrschulbesitzer Kurt Ruff. „Es ist ein super Sport und ein Ausgleich, wenn man viel sitzt, wie ein Fahrschullehrer.“ Die Region biete sehr gute Strecken, um sich auszutoben. In der Stadt gebe es aber im Hinblick auf die Sicherheit der Radfahrer Verbesserungspotenzial, wie Ruff im NÖN-Gespräch erklärt: Zum Beispiel der Radfahrstreifen, der bei der Unterführung der Kollonitschgasse beginnt, münde in der stark befahrenen Zehnergasse direkt in den Verkehr. „Dort fahren viele Schüler und gerade für Kinder kann es dort gefährlich werden“, so Ruff.

Für Hannes Höller von der Radlobby Wiener Neustadt ist die Kollonitschgasse ein „Nadelöhr“. Am Ring und auch von der Zehnergasse zum Bahnhof gebe es zwar Radwege, in der engen Verbindungsstraße aber nicht. Hier hätte man zu Coronazeiten und im Zuge des Radbooms testweise einen temporären Radweg installieren können, ist Höller überzeugt. Die sogenannten „Pop up-Radwege“, wie sie beispielsweise auch in Wien umgesetzt wurden, seien von der Bevölkerung gut angenommen worden. „Es muss nicht immer alles bis ins kleinste Detail durchgeplant werden. Es braucht auch schnell umsetzbare und flexible Lösungen“, so Höller.

Als zweites Beispiel nennt er den Teil der Wiener Straße von der Kreuzung Auge Gottes bis zur Stadionstraße. Auch dort hätte die Stadtregierung angesichts der Fahrbahnbreite einen „Pop up-Radweg“ einrichten können.

Aber auch ein Radverkehrskonzept mit Hauptrouten und Prioritäten gebe es weiterhin nicht. Dieses würde bei der Gesamtplanung der Radinfrastruktur helfen. „Es fehlt einfach das Große und Ganze“, sagt Radlobbyist Höller.

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