Tourismus-Bilanz: Plus für Ausflüge im Freien. Minus bei Nächtigungen, Wiener Neustädter Betriebe trotz Corona aber optimistisch.

Von Philipp Hacker-Walton. Erstellt am 16. September 2020 (05:45)
Ziegenfüttern im Naturpark Hohe Wand, wo es heuer ein Plus bei den Besuchern gab: Ausflugsziele im Freien waren in diesem Sommer aufgrund der Corona-Pandemie besonders beliebt.
Hacker-Walton

Das Hotel Zentral am Wiener Neustädter Hauptplatz hat schon einige außergewöhnliche Zeiten mitgemacht, „so ruhig wie in der Lockdown-Zeit war es aber in 110 Jahren nicht“, sagt Geschäftsführerin Eva-Maria Holzbauer-Schwartz im Gespräch mit der NÖN. Im Sommer habe man versucht, heimische Touristen anzusprechen, insbesondere Radfahrer.

Eva-Maria Holzbauer-Schwartz, Geschäftsführerin des Hotel Zentral.
NÖN

„Da ziehen wir eine positive Bilanz, wir haben gesehen, dass viel mehr Menschen mit dem Rad unterwegs sind und in Wiener Neustadt Station machen. Das hat funktioniert, es kann aber nicht das ersetzen, was alles geplant war“, sagt Holzbauer-Schwartz. „Obwohl das gelungen ist, werden wir nie eine Ferien-Hotelerie sein, wir sind eine Stadt-Hotellerie.“ Ihr Fazit: „Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen, auch wenn wir nicht auf dem Niveau des Vorjahres sind.“

Wie die Chefin des Hotel Zentral, verweist auch Stefan Nowatschka, Hoteldirektor des Linsberg Asia Resorts in Bad Erlach, auf die aktuell schwierige Planungssituation für die Betriebe: „Seit Juni sind wir fast ausschließlich mit äußerst kurzfristigen Buchungen konfrontiert, was personaltechnisch betrachtet eine große Herausforderung für all unsere Abteilungen darstellt“, sagt Nowatschka. Es sei im Thermen-Resort in den vergangenen Wochen keine Seltenheit gewesen, dass die Gesamtauslastung über Nacht um bis zu 40 Prozent gewachsen sei.

Stefan Nowatschka, Hoteldirektor Linsberg Asia.
Linsberg Asia

Die Nachfrage nach Erholung in der Nähe sei ungebrochen, „unsere Hauptzielgruppen sind speziell der niederösterreichische und der Wiener Markt“, so Nowatschka. Einige Tagungen und größere Events, die in den kommenden Monaten stattgefunden hätten, fallen zwar aus, dennoch blickt Nowatschka optimistisch in die Zukunft: „Die Buchungslage und auch die Anfragesituation für den Herbst ist sehr gut.“ Sowohl in der Therme als auch im Hotel Zentral habe man zahlreiche positive Rückmeldungen zur Umsetzung der Corona-Maßnahmen im Haus erhalten, sagen die Chefs.

Profitiert haben in diesem außergewöhnlichen Sommer einige Ausflugsziele mit Angeboten im Freien (siehe auch Interview rechts). „Unser neues Turmcafé, das wir im Frühjahr eröffnet haben, war sehr gut besucht. Auch der Tagestourismus hat sich sehr gut entwickelt“, schildert Stefan Zehetner, Kulturmanager im Keltendorf Schwarzenbach. Trotz der Absage des Keltenfestes Ende Juni und der Keltentage im August „haben wir gar nicht so schlecht abgeschnitten“.

Erlebnis im Freien als großes Plus

Besonders beliebt bei den Gästen seien das Freilichtmuseum und die Wanderungen in der Umgebung, „die Kerzenspenden am Wanderweg haben sich heuer sogar verdoppelt“, so Zehetner: „Drei Mal hatten wir auch einen Tag der offenen Grabung, das wurde sehr gut angenommen.“ Obwohl Führungen aufgrund der Corona-Pandemie gestrichen werden mussten, „haben wir trotz allem eine sehr hohe Frequenz oben auf dem Burgberg. Das Outdoor-Erlebnis wurde offenbar gerade wegen der Corona-Situation sehr gut angenommen.“

Eine positive Bilanz zieht auch Selma Karnitsch vom Naturpark Hohe Wand: „Nach sechs Wochen, in denen wir komplett geschlossen hatten, haben wir seit 1. Mai wieder geöffnet. Wir hatten sogar ein paar Besucher mehr als im Vorjahr.“ Das liege, so Karnitsch, auch am Wetter, das heuer besonders gut mitgespielt habe: „Es war absolutes Ausflugswetter, das hat gut gepasst. Wenn es ganz heiß ist, will keiner wohin fahren, heuer war es eher so, dass man sich für einen Ausflug entschieden hat und nicht für das Freibad.“ Karnitsch blickt optimistisch in die Zukunft: „Ich denke, es wird jeder nach wie vor seine Zeit im Freien verbringen wollen. Wenn das Wetter passt, wird es sich bei uns gut entwickeln.“

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