Wildwechsel: Die Gefahr aus der Dunkelheit. Mehrere hundert ereignen sich Jahr für Jahr im Bezirk. Jägerschaft und Polizei appellieren, vorsichtig & langsam zu fahren.

Von Mathias Schranz. Erstellt am 14. Oktober 2020 (05:45)
Unfall auf der B17: Beim Versuch, einem Wildtier auszuweichen, kam eine 28-Jährige von der Bundesstraße ab.
Presseteam d. FF Wr. Neustadt

Donnerstagabend auf der B17: Beim Versuch, einem Wildtier auszuweichen, verliert eine 28-Jährige die Kontrolle über ihren Opel, der von der Fahrbahn abkommt, sich überschlägt und auf einem Radweg unterhalb der Fahrbahn liegen bleibt. Die Lenkerin musste von der Feuerwehr aus dem Unfallauto gerettet werden; sie wurde verletzt ins Krankenhaus gebracht.

Mehrere hundert Wildunfälle gibt es jedes Jahr im Bezirk (siehe Grafik); wie aus den Zahlen des Jagdverbandes hervorgeht, gab es in den vergangenen Jahren kaum auffällige Schwankungen.

Bezirksjägermeister Werner Spinka.
zVg

Besonders betroffen von Wildunfällen sind im Bezirk Rehwild und Feldhase, sagt Bezirksjägermeister Werner Spinka im Gespräch mit der NÖN. Wo sind die „Hotspots“ für Unfälle? „Beim Rehwild die Bucklige Welt und beim Feldhasen der Hegering Leitha, also Zillingdorf, Lichtenwörth, Ebenfurth und Eggendorf“, sagt Spinka.

NOEN

In den vergangenen Jahren wurden bereits gezielt Maßnahmen gesetzt, so Spinka: „An den neuralgischen Punkten werden von der Jägerschaft in Zusammenarbeit mit den Straßenmeistereien am Straßenrand Wildwarnreflektoren montiert. Das dient nicht nur dem Wild, sondern vor allem der Sicherheit im Straßenverkehr. Eine reduzierte Geschwindigkeit in der Dämmerung ist ebenfalls eine wirksame Maßnahme.“

Polizei mahnt Lenker zu besonderer Vorsicht

Bezirkskommandant Oberstleutnant Gerhard Reitzl sagt, man habe seitens der Polizei die Erfahrung gemacht, dass es oft ortskundige Fahrer seien, die in Unfälle verwickelt sind: „Wenn die Dämmerung früher einsetzt, steigt die Zahl der Wildunfälle, weil das Wild offenbar früher die Straße wechselt. Unserer Erfahrung nach betrifft das häufig Kfz-Lenker, die dort tagtäglich fahren und wissen müssen, dass das Wild hier wechselt.“ Gerade auch, weil das Wild in hohem Maße immer an der selben Stelle die Straßen quere.

Bezirkskommandant Gerhard Reitzl.
Baldauf

Reitzl: „Mein Appell an die Kfz-Lenker ist: Wenn man weiß, dass dort Wild wechselt, an diesen Stellen mit entsprechender Vorsicht zu fahren.“

Daniel Kohn von der Wiener Städtischen Versicherung gibt zu bedenken: „Wildschäden sind in der normalen Haftpflichtversicherung nicht enthalten.“ Diese sind erst in der Teilkasko und Vollkasko dabei.

Allerdings gäbe es Möglichkeiten, zusätzlich zur Haftpflichtversicherung eine entsprechende Versicherung gegen Wildschäden abzuschließen. Kohn: „Da halten sich die Kosten in Grenzen. Ich würde es jedem raten, der in einem Gebiet mit viel Wild wohnt und wo die Straßen nicht einsehbar sind, etwa weil sie von Maisfeldern umgeben sind.“

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