"Brüderlein fein": Rumpffestspiele in Gutenstein. Zurück zu den Wurzeln tendieren die Festspiele Gutenstein und sind nach einigen Musical-Jahren wieder bei Ferdinand Raimund gelandet.

Erstellt am 13. Juli 2012 (09:55)
Doch der Versuch, an frühere Zeiten anzuknüpfen, ist gründlich misslungen, wie sich bei der Premiere am Donnerstagabend gezeigt hat. Unter dem Titel "Brüderlein fein" ist ein nebuloser Raimund-Abend auf die Bühne gehievt worden, dessen Rumpffestspiel-Konzept sich in einer blassen Collage aus Couplets und biografischen Szenen erschöpft.

Einiges hat sich verändert in Gutenstein: Das große Festzelt gibt es nicht mehr, das Publikum sitzt wieder im Freien, wenngleich unter Dach, mit der pittoresken Naturkulisse des Bleichgartens als Hintergrund. Gleichgeblieben ist die kuriose Gewohnheit, vor der Vorstellung die niederösterreichische Landeshymne zu singen. Intendant Ernst Neuspiel wollte offenbar Unterschiedliches miteinander verbinden: einerseits die Raimund-Tradition, andererseits die Musical-Intention. Das Ergebnis ist leider nicht die erhoffte zeitgemäße Hommage geworden, sondern eher eine unfreiwillige Offenbarung der programmatischen Ratlosigkeit, die bei den Festspielen sichtlich herrscht.

Mit an sich gekonnten Arrangements hat Gerald Gratzer den Arien und Couplets - schade, dass sich keine detaillierten Angaben im Programmheft finden - ein musikalisches Update verpasst, das dennoch den Eindruck erweckt, hier würden eher Fendrich & Co bedient. Thomas Strobl und Harald Baumgartner teilen sich die Rolle Raimunds und legen dabei mitunter den betulichen Charme von Schulfunksendungen an den Tag, Bettina Soriat und Sabine Neibersch haben mit anfälliger Mikroport-Technik zu kämpfen, teilweise auch mit unsäglichen Texten, stimmlichen Problemen und kärntnerischer Sprachfärbung.

Nur drei Wiederholungen stehen bevor. Am 14. Juli um 15.00 Uhr gastiert zudem das Ensemble Kinderoper Papageno mit "Die Zauberflöte für Kinder". Wer sich nun doch eher nach den Musicals zurücksehnt, hat von 1. September bis 7. Oktober Gelegenheit, im Wiener Künstlerhaus das 2009 in Gutenstein uraufgeführte Gustav-Klimt-Musical wieder zu sehen. Für 2013 kündigen die Festspiele eine Produktion "Ferdinand Raimund - sämtliche Werke leicht gekürzt" an - angesichts der diesjährigen Darbietung eigentlich eine Drohung.