Personalmangel in Wiener Neustadt: Beach Club reduziert Öffnungszeiten

Erstellt am 25. Mai 2022 | 06:00
Lesezeit: 3 Min
Erfolglose Suche nach Fachkräften, Geschäftsführer Roman Petek vom „Himmelblau“ schlägt nun Alarm.
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Die Hochsaison im Beach Club „Himmelblau“ am Achtersee wird von einem schweren Fachkräftemangel gebremst. Die Küchenzeiten müssen deswegen auf 11 bis 21 Uhr reduziert werden – Frühstück und Brunch fallen somit bis auf weiteres aus. „Wir finden einfach keine Fachkäfte, es geht sich hinten und vorne nicht mehr aus, vor allem in der Küche“, klagt Geschäftsführer Roman Petek. Man habe überall nach Personal gesucht, auch viel Geld für Inserate ausgegeben – ohne Erfolg.

„Die Politik ist hier gefragt, etwas zu ändern.“

„Im Service haben wir keine Probleme, weil wir da viele Jugendliche von Tourismusschulen für ein Praktikum haben, wir zahlen auch gut. In der Küche, aber auch beispielsweise bei der Reinigung fehlen uns derzeit neun Fachkräfte“, so Petek. Man habe einen Qualitätsanspruch und den wolle man halten, „das können wir nur durch verkürzte Küchenzeiten.“ Er glaubt, dass vor allem hohe AMS-Gelder plus die Möglichkeit, sich noch etwas als Geringverdiener dazuzuverdienen, viele von einem Vollzeitjob abschreckt. „Sicher könnten wir die Gehälter stark nach oben schrauben, aber dann kostet der Hugo statt 6 halt 14 Euro – das kann ja auch nicht der Sinn sein“, meint Roman Petek. Generell sei die Bezahlung im Himmelblau sowie in der gesamten Uhl Gastro Gmbh über dem Kollektivvertrag, "zudem bieten wir bereits eine Vier-Tage-Woche an sowie diverse Events für Teambuilding". Er fordert: „Die Politik ist hier gefragt, etwas zu ändern.“ Voll bestätigen kann das Problem auch Witetschka-Geschäftsführer Oliver Andersch: "Es ist nahezu unmöglich, Personal für die Küche zu finden." Auch er zahle weit über dem Kollektivvertrag, "es will aber einfach keiner in der Küche arbeiten. Es fehlt nicht nur an Fachkräften, sondern auch an Hilfskräften. Wir probieren viel aus, finden aber einfach kein Personal", sagt Oliver Andersch. 

„Im Bezirk Wiener Neustadt haben wir derzeit ca. 4.000 offene Stellen“

Den massiven Personalmangel in der Arbeitswelt kann auch Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiterin Andrea List-Margreiter bestätiggen. „Im Bezirk Wiener Neustadt haben wir derzeit ca. 4.000 offene Stellen“, weiß sie, vor allem im Gastro.Bereich.“ „Es gibt etliche Wirte, die bereits zwei, drei Ruhetage einlegen müssen“, so List-Magreiter. Allerdings gäbe es einen Fachkräfte- bzw. Personalmangel in allen Branchen, auch große Firmen seien betroffen.

Als Hauptgründe nennt sie dafür den demografischen Wandel der Bevölkerung, vielen jungen Menschen sei auch die Work-Life-Balance wichtig, „sie wollen lieber nur 30 statt 40 Stunden arbeiten – und das nicht am Wochenende“, weiß die Wirtschaftskammer-Bezirksstellenleiterin. Als erster Erfolg im Kampf gegen den Mitarbeitermangel sei die geplante Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte zu sehen, die nun rasch umgesetzt werden muss. Weiters sind „die Lehrlinge als Fachkräfte von morgen ein wichtiger Baustein“.

Maßnahmen, wie eine Ausweitung der Mangelberufsliste oder Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf, seien ebenfalls notwendig. Dazu kommen lokale Initiativen wie etwas das Bucklige Welt Projekt „Wo wir gemeinsam leben und arbeiten“. Hier wird unter anderem auf die Kinderbetreuung im Ort geschaut, um es berufstätigen Eltern leichter zu machen.

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