Wr. Neustädter stoppt Viren in der Luft. Wolfgang Fürlinger, Geschäftsführer der Wr. Neustädter Firma CuraSolutions, über seine Erfindung, mit der die Luft in geschlossenen Räumen „desinfiziert“ werden kann.

Von Philipp Hacker-Walton. Erstellt am 01. Juli 2020 (05:55)
Viren wie das Coronavirus verbreiten sich in geschlossenen Räumen über winzige Spucketröpfchen, die beim Reden in die Luft geraten.
zVg

Mit einer Idee aus dem ehemaligen Domherren-Haus könnte schon bald weltweit ein großer Schritt im Kampf gegen die Verbreitung von Viren über die Luft getan werden: Das Wiener Neustädter Biotech-Unternehmen CuraSolutions hat eine Methode zur permanenten Reduktion von Keimen und Viren in der Luft entwickelt – und das auch noch auf natürlicher Basis.

Die Vorgeschichte: CuraSolutions ist auf die Verstärkung von Wirkstoffen bei der Desinfektion spezialisiert. Das Ziel: Die Wirkstoffe so zu verstärken, dass weniger davon verwendet werden muss, u.a. um so die Nebenwirkungen gering zu halten.

Mit der patentierten „L.O.G. Technologie“ lässt sich, salopp gesprochen, auch die Luft desinfizieren. Und das funktioniert, verkürzt und unwissenschaftlich formuliert, so: Ein Wirkstoff (z.B. Wasserstoffperoxid, eine stabile Flüssigverbindung von Wasserstoff und Sauerstoff) wird mithilfe von Pflanzenextrakten (z.B. Zwiebelschalen, Oliven) „verpackt“ und mittels Ultraschall in die Luft gebracht, beispielsweise über eine herkömmliche Klimaanlage. In der Luft trifft der „verpackte“ Wirkstoff auf Mikroorganismen (zb ein Virus), die Verpackung löst sich auf „und die Wasserstoffbombe explodiert“, wie es Wolfgang Fürlinger, CEO von CuraSolutions, formuliert. „So gelingt eine permanente Desinfektion, anstatt einer Schock-Desinfektion, bei der einmal etwas versprüht und damit ein Raum gereinigt wird.“

MedUni Wien bestätigte Wirkung in einer Studie

In einer Studie der MedUni Wien wurde die Wirksamkeit der L.O.G.-Technologie bei Schleimen und Biofilmen bestätigt. Das ist für die Anwendung u.a. gegen das Coronavirus interessant: Dieses verbreitet sich in der Luft über Aerosole, quasi „Teppiche“ winzig kleiner Spucketröpfchen, die beim Sprechen in die Luft geraten. „Dank unserer Technologie kann der Wirkstoff durch diesen Teppich hindurch seine Wirkung entfalten“, sagt Fürlinger.

Wolfgang Fürlinger, Geschäftsführer von CuraSolutions.
PHW

Sein Ziel: „Wir wollen, dass unsere Technologie weltweit als Präventionsmaßnahme anerkannt wird.“ Er betont, dass nur sehr geringe Mengen an Wirkstoffen, wie Wasserstoffperoxid zum Einsatz kommen müssten, „diese sind alle biologisch abbaubar und toxikologisch unbedenklich.“ Das Anwendungsgebiet ist groß, wie Fürlinger im Gespräch mit der NÖN skizziert: „Die Technologie kann über normale Klimaanlagen beispielsweise in Büros, Veranstaltungszentren, Konzertsälen oder Flugzeugen zum Einsatz kommen.“ In Südostasien wird bereits mit einem Lizenznehmer daran gearbeitet, die Technologie in Produkten weiterzuentwickeln, die für den Massenmarkt tauglich sind.

„In den kommenden Monaten“ soll es für den Endverbraucher Produkte geben, sagt Fürlinger – auch für den Hausgebrauch, die Anschaffungskosten sollten keinen Hürden darstellen: „Das wird sich im Bereich des Leistbaren bewegen.“