Sturmtief "Yulia" wütete im Bezirk Wiener Neustadt. Das Sturmtief "Yulia" traf den Bezirk Wiener Neustadt in den frühen Sonntagabendstunden. Auch Wiener Neustadt selbst blieb nicht verschont: Mehr als 20 Einsätze mussten bis in die Nacht hinein durch die ehrenamtlichen Florianis abgearbeitet werden.

Von Redaktion noen.at. Update am 24. Februar 2020 (10:10)

Der Tag hatte für die FF Wiener Neustadt bereits um um 6.10 Uhr zunächst mit dem Einsatz bei einer in einer Wohnung gestürzten Person begonnen: Die Florianis stiegen über den Balkon ein und öffneten den Rettungskräften die Tür. Danach konnten sich letztere sofort um die Person kümmern. Danach begann Sturmtief "Yulia" zu wüten - im Sekundentakt trafen die Meldungen dazu in der Bezirksalarmzentrale ein!

Gesamte Dachverblechung wurde zu Drive In geweht

In der Fritz Radel-Gasse mussten die Einsatzkräfte lose Blechteile entfernen, bei einer Baustelle in der Nähe des Wiener Neustädter Hauptplatzes sicherte man eine lose Aluleiter auf einem Dach. In der Josef Birenz-Gasse mussten die Feuerwehrleute einen Baum entfernen - dieser ragte über die Straße. Bei der Feuerstelle der Jagdhütte in der Straße der Gendarmerie musste man Glutnester ablöschen, weil der Wind ein dort bereits erloschenes Lagerfeuer immer wieder anfachte.

Auch in der Flotowgasse und der Föhrenseestraße waren Sicherungsarbeiten notwendig. In der Ebenfurthergasse mussten die Florianis ein Trampolin sichern, das auf ein Nachbargrundstück geweht worden war. Zwischen all den intensiven Sturmeinsätzen musste die Feuerwehr auch noch einen Menschen aus einem Aufzug befreien.

Dann ging es aber wieder heftig mit "Yulia" weiter: Die EVN forderte die FF ebenfalls an - am Zehnergürtel wurden Blechteile über die Straße geweht. Von einem Geschäftslokal in der Fischauergasse war die gesamte Verblechung des Dachs vom Wind abgetragen und auf den Parkplatz sowie den Drive-In eines Burgerlokals geweht worden. Zum Glück wurde so wie bei den vorigen Einsatzorten auch hier niemand verletzt.

Plakatwände immer wieder als Gefahrenquellen

Auch nach Mitternacht ging es für die Feuerwehr intensiv mit Sturmeinsätzen weiter. "Die Kameraden unserer Feuerwehr haben wieder gezeigt, wie schlagkräftig wir sind. Es ist für eine Stadt dieser Größe wichtig, dass die zugs- und gruppenweise Alarmierung funktioniert und wir so sehr lange Mannschaften zurückhalten konnten. Als dann neuerliche Böen auffrischten, mussten wir aber mit Gesamtalarm weitere Kräfte von zu Hause ins Feuerwehrhaus holen", betonte FF-Kommandant Josef Bugnar.

In der Neudörflerstraße und der Günserstraße drohten eine Plakatwand bzw. ein Aufsteller umzufallen; sie wurden von der Feuerwehr gesichert respektive umgelegt. Später in der Nacht wehte es in der Marktgasse eine Plakatwand davon, die auf einem Pkw zu liegen kam.

In die Hubertusgasse rückten die Florianis aus, weil man von dort lose Teile eines Daches gemeldet hatte - hier wehte der Wind derart stark, dass die Einsatzkräfte gemeinsam mit dem Magistrat den Bereich großräumig absperren musste. "Hier war es aufgrund des starken Windes zu gefährlich, jemanden zur Sicherung des Daches nach oben zu schicken", erklärt Branddirektor Josef Bugnar.

Die Autobahnauffahrt zur B17 Fahrtrichtung Graz musste wegen eines umgestürzten Baums für wenige Minuten gesperrt werden. "Wir sind bereits für solche Massenanfälle von Einsätzen perfekt eingespielt. Ein Teil der Freiwilligen hilft beim Einteilen, arbeitet Informationen im Hintergrund für die Einsatzleitung auf und hilft auch bei der Versorgung der Mannschaften", berichtete Bugnar.

Auf die B54 rückten drei Fahrzeuge der FF Wiener Neustadt aus; die Florianis entfernten etliche Bäume von der Fahrbahn. Außerdem rückten die Freiwilligen zu einer geborstenen Schaufensterscheibe aus, um diese zu sichern. Abschließend forderte auch noch ein Verkehrsunfall auf dem Neuklosterplatz zusätzliche Kräfte.

Insgesamt standen 50 Mann bis weit nach Mitternacht im Einsatz; auch in Sollenau wütete "Yulia" (siehe Bilder oben).

Abschlussbilanz: 39 Einsätze alleine in der Stadt Wr. Neustadt

Das Sturmtief Yulia brachte letztendlich nach einer Aussendung der Freiwilligen Feuerwehr Wiener Neustadt vom Montagvormittag "weit mehr Einsätze", als "Sabine", vor welcher besonders exzessiv gewarnt worden war. "Für uns ist es sehr schwer, Wetterwarnungen weiterzugeben. Warnen wir zu oft, wurde uns schon Panikmache vorgeworfen", erklärt Branddirektor Josef Bugnar.

35 sturmbedingte Einsätze (gesamt 39 Einsätze) musste die Freiwillige Feuerwehr Wiener Neustadt bewältigen. "Besonderer Dank gebührt selbstverständlich den ehrenamtlichen Mitgliedern, ohne die wir unserer Stadt nicht so effizient und kostensparend helfen könnten. Aber nicht zu unterschätzen ist die Wichtigkeit des Rückhaltes der Familie und der Arbeitgeber. Ohne deren Unterstützung wäre das enorme Pensum nicht schaffbar. Die Freistellung mancher Ehrenamtlicher durch deren Arbeitgeber hilft uns, die Einsätze entsprechend abarbeiten zu können", so Bugnar.

Die Bevölkerung bedankte sich für den Einsatz der Feuerwehr in der Facebook-Gruppe "Wiener Neustadt", was auch nicht spurlos an den Feuerwehrmitgliedern vorbei geht. "Es ist schön, dass so viele Menschen aus Wiener Neustadt unsere Arbeit zu schätzen wissen. Wir haben uns über jede einzelne positive Meldung gefreut", erklärt Bugnar.
Etwa 50 Feuerwehrmitglieder standen - inklusive der notwendigen Herstellung der Einsatzbereitschaft - sturmbedingt bis kurz vor 9 Uhr im Einsatz. Damit beschäftigte das Sturmtief Yulia die Feuerwehr Wiener Neustadt fast 19 Stunden.