Das Kleingarten-Dilemma. Eine Umwidmung soll das Problem rund um die illegal errichteten Häuser in der Kleingartensiedlung lösen. Der Weg bis dahin dürfte allerdings mehr als schwierig werden.

Von Mathias Schranz. Erstellt am 08. September 2014 (08:30)
Ewald Stadler und Wolfgang Haberler versuchten die Kleingärtner von der Umwidmung zu überzeugen.
NOEN
Längst schwebt über den Gartenzwergen in der Südbahngasse das Damoklesschwert – jederzeit könnten Bagger anrücken und vier Häusern an den Kragen gehen. Denn die Besitzer schossen beim Bau weit übers Ziel hinaus, errichteten statt einem Gartenhäuschen ein Wohnhaus. Freilich, zum Bagger-Aufmarsch hat es der Magistrat noch nicht kommen lassen, obwohl seit 2009 ein rechtskräftiger Abbruch- bzw. Umbaubescheid besteht. Jedoch haben die vier schwarzen Schafe unter den 17 Liegenschaftseigentümern auch die „Braven“ ins Unglück gestürzt.

Es müsste eine 2,5 Meter hohe Lärmschutzwand her

Das komplexe Kleingarten-Dilemma kurz erklärt: Alle Gartenbesitzer sind Miteigentümer des gesamten Grundstücks und haften somit auch für Verfehlungen der anderen. Bei einem Abriss der Häuser könnte der Magistrat so auch die Kosten von den „Braven“ eintreiben. Verständlicherweise ist die Idylle in der Südbahngasse deswegen getrübt, man ist auf die schwarzen Schafe nicht gut zu sprechen. Das zeigte sich auch bei einer Versammlung am Freitagabend in der Pizzeria Messina, die von Gemeinderat Wolfgang Haberler einberufen wurde. Mit dabei auch ehemals politische Prominenz: Ewald Stadler, der mit einer Anwaltskanzlei einen Hausbesitzer vertritt.

Er versuchte, den Kleingartenbesitzern die verfahrene Situation klar zu machen, sein und der Plan von Haberler: Eine Umwidmung der Kleingartensiedlung von Grünland in Bauland/Wohngebiet soll die Wohnhäuser in die Legalität rücken. Dazu soll das Miteigentümer-Konstrukt aufgelöst werden und jeder seinen eigenen Grund bekommen. Gesagt, aber bei Weitem nicht schnell getan. Denn einer Umwidmung steht vor allem der Lärm der Südbahn im Weg. Laut Gutachten müsste eine 2,5 Meter hohe Lärmschutzwand her – und das wäre mit beachtlichen Kosten verbunden, für die viele der „braven“ Kleingartenbesitzer nicht aufkommen wollen. Dazu würden Vermessungs- und Aufschließungskosten kommen.

„Wir werden in den sauren Apfel beißen müssen“

Zwar würde sich mit einer Umwidmung der Wert der Grundstücke vervielfachen, aber: „Ich hab‘ 290 Quadratmeter, was soll man da drauf bauen? Was habe ich von der Umwidmung?“, meinte etwa ein Kleingärtner. Die für die Pläne notwendige Einigkeit sieht anders aus, wobei Ewald Stadler warnte: „Ein jahrelanger Rechtsstreit geht über Abriss- oder Umwidmungskosten hinaus.“ Der weitere Fahrplan: Jetzt soll evaluiert werden, ob eine Mehrheit für die Umwidmungspläne begeistert werden kann. Wobei es eine Kleingärtnerin im Zuge der Versammlung auf den Punkt brachte: „Egal, in welche Richtung es geht, wir werden in den sauren Apfel beißen müssen.“