SC vor den Toren Europas

Erstellt am 10. Juni 2022 | 05:52
Lesezeit: 3 Min
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Mirnel Sadovic wurde im ÖFB-Cup-Finale 2010 von Sturm-Goalie Christian Gratzei nach wenigen Sekunden von den Beinen geholt. Die Pfeife von Schiedsrichter Gerhard Grobelnik blieb stumm. Der SC verlor das Endspiel mit 0:1.
Foto: APA/R. Schlager
2010 spielte der SC Wiener Neustadt die historisch beste Saison der Geschichte: Im Cup-Finale von Klagenfurt lebte sogar der Traum vom Europacup.
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Es war die beste Saison der Vereinsgeschichte: Platz fünf in der Bundesliga, Cup-Finale. Unter dem heutigen ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel durfte der SC Wiener Neustadt sogar vom Europacup träumen. Erstmals seit 1965.

Dieser Traum kam unverhofft. 2008 kickte der SC noch in der fünften Leistungsklasse. Dann kam Frank Stronach. Wiener Neustadt erhielt die Chance, in der 2. Liga einzusteigen, nutzte sie, wurde Meister und stieg in die Bundesliga auf. Der Liga-Neuling etablierte sich hinter Salzburg, Austria, Rapid und Sturm als stärkste Kraft. Doch das Ende des Aufstiegs war bitter: Im Cup-Finale von Klagenfurt zerplatzte der europäische Traum wie eine Seifenblase, als Klemen Lavric in der 81. Minute Sturm Graz zum Cup-Triumph köpfelte.

Dass Wiener Neustadt im Endspiel am 16. Mai überhaupt dabei war, bedurfte zweier Wunder. In der 2. Runde lag der SC gegen Pasching bis Minute 88 mit 0:2 zurück, gewann dann im Elfmeterschießen. Im Viertelfinale gegen den LASK gelang der Ausgleich erst in Minute 93. In der Verlängerung folgte der Aufstieg und im Halbfinale gegen Austria Kärnten ein 4:0.

SC wird nach wenigen Sekunden Elfer verwehrt

Gegen Sturm galt Wiener Neustadt allerdings als krasser Außenseiter. Dennoch reiste der SC mit 15 Fanbussen an. Ein Zehntel jener Anhängerschaft, die mit den Grazern nach Klagenfurt pilgerte. Das Endspiel begann für die Blau-Weißen vielversprechend. Wenige Sekunden waren gespielt, als der gebürtige Sollenauer Michael Stanislaw Stürmer Mirnel Sadovic in die Tiefe schickte, ihn Sturm-Tormann Christian Gratzei von den Beinen holte. Schiedsrichter Gerhard Grobelnik ließ die Partie weiterlaufen. Eine Entscheidung, die auch Schöttel zur Weißglut brachte: „Er hat gemeint, man kann ihn geben, muss man aber nicht. Das war in dieser Saison bei solchen Situationen immer so. Gegen uns wurden diese Elfmeter gegeben.“

Mit Fortdauer der Partie übernahm Sturm das Kommando, gewann das Finale am Ende verdient. Für Wiener Neustadt war es der Anfang vom Ende der Stronach-Ära. Der Finanzier verlor das Interesse. Wiener Neustadt war fortan Abstiegskandidat, verabschiedete sich 2015 sportlich aus der Bundesliga. Vier Jahre später folgten, nach katastrophalen Entscheidungen der damaligen Vereinsführung, der Zulassungs-Verlust und der Abstieg aus der 2. Liga.

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