Wr. Neustädter Stammgäste halten die Treue. Schanigärten in der Innenstadt füllen sich wieder – allerdings gibt es auch noch Luft nach oben.

Von Mathias Schranz. Erstellt am 20. Mai 2020 (05:37)

Es ist der erste Samstagvormittag mit Gastro-Öffnung in der Innenstadt. Bei einem Rundgang fühlt man gleich: Es kehrt ein Stück Normalität ins Alltagsleben zurück. Die Schanigärten füllen sich langsam – auch wenn schon einmal mehr los gewesen war.

Auch das Beisl „ProTisch“ in der Brodischgasse ist gut besucht. Stammgast Karl Heberger leistet seinen Beitrag für den Sparverein – überhaupt sind die Stammgäste wichtig. „Die Solidarität war groß, viele waren da“, freut sich Wirt Wolfgang Friedrich. Da war übrigens auch schon die Polizei – da gibt es ja noch die Sache mit dem Abstand halten. „Wir haben alles regeln können, sie sind dann unverrichteter Dinge wieder abgezogen“, sagt Friedrich. Seine Bilanz nach dem ersten Wochenende fällt positiv aus, auch bei den Mittagsmenüs zeige sich Großzügigkeit. „Es hat deutlich mehr Trinkgeld gegeben“, sagt Friedrich. Apropos Trinkgeld: Das gab es auch für die Kellner des Siegl‘s Bierpub: „Die Stammgäste haben für meine Mitarbeiter gesammelt und uns ein Kuvert mit Geld übergeben – da habe ich schon feuchte Augen bekommen“, gesteht Simone Pichler im Gespräch mit der NÖN. Auch bei ihr waren es überwiegend Stammgäste, die in den ersten Tagen den Schanigarten und das Lokal bevölkerten, wie bei ihrem Nachbarn Christian Spritzendorfer vom Jedermann. „Ich hab praktisch jeden persönlich gekannt“, erzählt der Gastronom.

Sowohl Simone Pichler als auch Christian Spritzendorfer berichten der NÖN aber auch von einem Problem: Denn wenn sich die Gäste vor dem Lokal zum Rauchen versammeln, bilde sich bald eine Menschentraube. „Ich kann ihnen halt auch nicht dauernd erklären, dass sie einen Babyelefanten-Abstand halten müssen“, sagt Spritzendorfer. Ähnlich sieht das Simone Pichler: „Da muss man schon auch an die Eigenverantwortung der Menschen appellieren.“

Über einen vollen Schanigarten am Samstag freut sich auch Kaffeehaus-Besitzer Heinz Ferstl. Auch wenn er feststellt: „Die Leute wollen lieber draußen sitzen als drinnen. Sie sind noch vorsichtig und außerdem ist vielen nicht ganz klar, wann sie eine Maske aufsetzen müssen und wann nicht.“ Was er zudem betont: „Auch die umliegenden Geschäfte sind froh, dass wir wieder aufsperren – schließlich bringt die Gastro auch Frequenz in die Innenstadt.“

Die erste Gastro-Bilanz nach dem NÖN-Rundgang: Das Start-Wochenende war vor allem dank der Stammgäste okay, auch wenn es hätte besser ausfallen können.

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