Raimundspiele: Johannes Krisch folgt Andrea Eckert nach. Kammerschauspieler Johannes Krisch übernimmt die künstlerische Leitung der Raimundspiele, die in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie ausgesetzt werden.

Von Philipp Hacker-Walton. Erstellt am 01. März 2021 (19:37)
Johannes Krisch steht als Ferdinand Raimund auf der Bühne.
Moritz Schell

Nach dem Rücktritt von Prinzipalin Andrea Eckert (die NÖN berichtete) als künstlerische Leitung der Raimundspiele steht nun ihre Nachfolge fest: Kammerschauspieler Johannes Krisch folgt Eckert nach.

Krisch ist Theaterbesuchern in Gutenstein bereits ein Begriff: 2019 feierte er als  Ferdinand Raimund in Felix Mitterers Stück "Brüderlein Fein" einen Erfolg bei den Raimundspielen.

„Als Ferdinand Raimund auf der Bühne des Theaterzelts lernte ich Gutenstein kennen und lieben. Als nun die Stelle der künstlerischen Leitung vakant wurde, habe ich mich nach reiflicher Überlegung dazu entschlossen, die Herausforderung anzunehmen", sagt Krisch: "Ich freue mich sehr auf diese große Aufgabe. Gemeinsam mit dem erprobten Team in Gutenstein werde ich versuchen, meine Ideen und Visionen zu verwirklichen.“

Beeindruckende Karriere

Der gebürtige Wiener stand als Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters u.a. in der österreichischen Erstaufführung von Sergi Belbels Die Zeit der Plancks auf der Bühne, ebenso in Martin Kušejs Inszenierung von König Ottokars Glück und Ende. Auch in Franzobels Wir wollen den Messias jetzt oder die beschleunigte Familie und in Die Macht der Gewohnheit von Thomas Bernhard war er zu sehen.

Er arbeitet mit Regisseuren wie Claus Peymann, Jürgen Flimm, Hans Neuenfels, Ruth Berghaus, Leander Haussmann, Karlheinz Hackl, Paulus Manker und Philip Tiedemann zusammen. Krisch spielt weiters bei den Salzburger Festspielen und am Landestheater Liechtenstein, seit 2019 ist er im Theater in der Josefstadt engagiert – u. a. 2019 als Weinberl in Einen Jux will er sich machen und 2021 als Bockerer.

Ebenso steht er oft für diverse Fernsehproduktionen vor der Kamera. 2008 spielte er die Hauptrolle in Götz Spielmanns Oscar-nominiertem Filmdrama Revanche. Im selben Jahr wurde er für seine Darstellung in Freier Fall für den Nestroy-Theaterpreis als Beste Nebenrolle nominiert. Beim Grazer Filmfestival Diagonale im März 2011 wurde er für seine Darstellungen in Marie Kreutzers Die Vaterlosen, Elisabeth Scharangs Vielleicht in einem anderen Leben und Peter Patzaks Kottan ermittelt: rien ne va plus mit dem Schauspielpreis ausgezeichnet. Beim Österreichischen Filmpreis 2016 wurde er in der Kategorie Beste männliche Hauptrolle für Jack ausgezeichnet. 2017 wurde ihm der Große Schauspielpreis der Diagonale verliehen und der Berufstitel Kammerschauspieler zuerkannt. 2019 folgte die Nominierung für den Film Der Trafikant beim Österreichischen Filmpreis für die beste männliche Nebenrolle. 

Musik und Lesungen in Gutenstein

Neben dem Schauspiel ist eine weitere große Leidenschaft des Charaktermimen die Musik. Im Mai 2003 brachte Johannes Krisch mit Andy Radovan und seiner Band seine erste CD unter dem Titel Mirrors heraus, die Songverarbeitungen des von ihm verehrten Lou Reed enthält.

Ein entsprechend großes Anliegen ist Krisch, auch die Musik in Gutenstein zu etablieren. „Ich möchte versuchen, vermehrt große österreichische Musiker nach Gutenstein zu locken und so den Ort auch musikalisch zu einem namhaften Sommerspielort zu machen“, so Krisch. Weitere Schwerpunkte werden ein Lesezyklus und möglicherweise auch ein Diskussionsabend mit Persönlichkeiten aus Kunst und Politik sein. „Alles in allem sollen die Raimundspiele ein Sommerfest werden, an das man sich jederzeit gerne erinnert“, fasst der Kammerschauspieler zusammen.

Ferdinand Raimund 2022 wieder

Im Fokus der Raimundspiele bleibt freilich der berühmteste Sohn Gutensteins, Ferdinand Raimund. Das außergewöhnliche Leben Raimunds und der Personen, die ihn umgaben, sollen so wie seine Stücke Themen der Raimundspiele sein. 2021 werden die Raimundspiele aufgrund der Corona-Pandemie ausgesetzt. Ein erlesenes Programm im Rahmen des Kultursommers soll dafür entschädigen, dass die nächste Bühnenproduktion erst 2022 stattfinden wird. Dann wird die tragische Person und der grandiose Autor Ferdinand Raimund wieder zur zentralen Figur im lauschigen Gutenstein.