Drogenszene ärgert die Wr. Neustädter Geschäftswelt. Unternehmer berichten der NÖN von immer schlimmeren Zuständen in der Innenstadt. Polizei fehlt oft Handhabe.

Von Mathias Schranz. Erstellt am 29. Juli 2020 (05:55)
Auch am Freitagnachmittag gab es Ärger in der Fußgängerzone Wiener Straße – die Polizei war schnell zur Stelle.
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Die Drogenszene hat Teile der Innenstadt weiter im Griff. Vor allem in der Fußgängerzone Wiener Straße, rund um den Spar-Markt ist täglich ein Treff, aber auch am Hauptplatz oder am Domplatz gibt es immer wieder Probleme. Und die haben sich laut mehreren Geschäftsleuten, mit denen die NÖN sprach, verschlimmert.

„Vor einigen Tagen hat einer dem anderen eine Flasche über den Kopf gezogen – ich habe zuerst geglaubt, unsere Auslagenscheibe ist kaputt. Alles war voller Blut, dann waren viele Polizisten da“, schildert eine Geschäftsfrau. „Fast jeden Tag muss die Polizei kommen, das ist für unser Geschäft natürlich nicht sehr förderlich“, meint eine andere Unternehmerin. Und ein Geschäftsbetreiber schildert: „Letztens habe ich einen Burschen, der sichtlich unter Drogeneinfluss gestanden hat, beim Stehlen erwischt. Am nächsten Tag ist er wieder in meinem Geschäft gestanden – er hat sich einfach nicht mehr daran erinnern können.“

In einem sind sich die Geschäftsleute im Gespräch mit der NÖN einig: Man habe zwar Mitleid mit der Lebenssituation der Betroffenen, „die tun mir wirklich leid“, war oft zu hören. Allerdings sei die Lage seit Jahren unverändert – und das sei in den derzeit ohnehin wirtschaftlich schwierigen Zeiten besonders negativ. Man habe die Probleme auch schon im Rathaus gemeldet – allerdings ohne Erfolg. Die Vorschläge der Unternehmer sind vielfältig: Mehr Polizeikontrollen, eine zusätzliche Schutzzone oder auch mehr Streetworker – irgendwas müsse geschehen, sind sich die Wirtschaftstreibenden einig.

Polizei kann nur bei Straftaten eingreifen

Seitens der Polizei ist das Problem bekannt, meistens handle es sich bei den Menschen um Substitutionspatienten, sprich Menschen, die in einem Drogenersatzprogramm sind. Solange die Szene nur auf den Bänken herumlungere und keine Probleme mache, könne die Polizei außer Personenkontrollen nur wenig tun – und die würden die Szene nur wenig beeindrucken. „Echte“ Drogendealer würden sich dort kaum aufhalten – Handhabe würde es erst bei Strafhandlungen wie Diebstählen oder Körperverletzungen geben.

Ähnlich ist die Antwort aus dem Rathaus. „Zur Drogenszene in Wiener Neustadt darf ich informieren, dass uns die Situation bekannt ist, wir laufend daran arbeiten und auch wir in Kontakt mit zahlreichen Kaufleuten sind. Leider gibt es rechtlich keine Handhabe, solange keine gesetzlich verbotenen Handlungen gesetzt werden. Dennoch versucht die Polizei mit verstärkter Präsenz die Situation zu entschärfen“, sagt Bürgermeister-Sprecher Matthias Zauner.