Wahl: Wie Ex-Bürgermeister auf Ergebnis reagieren. Die NÖN fragte bei Waltraud Gruber und Erwin Karner nach, wie sie das Resultat der Gemeinderatswahl vom Sonntag beurteilen. Die ÖVP fuhr erstmalig mit ihrer Liste "Miteinander Hochwolkersdorf" einen Sieg ein und wird künftig den Bürgermeister stellen.

Von Philipp Grabner und Franz Stangl. Erstellt am 30. September 2020 (05:37)
Erwin Karner und Waltraud Gruber
SPÖ-BO/ Gemeinde

Gemischt fallen die Reaktionen auf das Resultat der Neuwahl vom Sonntag bei zwei früheren Bürgermeistern von Hochwolkersdorf aus. Langzeit-SPÖ-Ortschefin Waltraud Gruber, die nach dem Verlust der „Absoluten“ bei der Wahl im Jänner zurückgetreten war, zeigt sich enttäuscht vom Wahlausgang: Das Ergebnis sei zu akzeptieren, „es tut mir nach so vielen Jahren aber weh, aber das ist jetzt nicht meine Schuld“, meint sie gegenüber der NÖN. Die Geschehnisse rund um die vorherige Wahl hätten in das Resultat vom Sonntag hineingespielt, ist Gruber überzeugt: „75 Jahre haben wir den Bürgermeister gestellt. Aber die Weichen für das jetzige Ergebnis wurden schon im Jänner gestellt.“ Aufgrund der Diskussion um die Wählerverzeichnis-Berichtigungsaktion der ÖVP hätte Gruber einen Vorteil für ihre Nachfolgerin Sylvia Blank (SPÖ) erwartet: „Aber es sind halt doch etliche Fehler passiert.“ 

Gruber sieht Fehler im Wahlkampf

Als wesentlichen Grund für den Verlust des ersten Platzes sieht die Altbürgermeisterin den „für Hochwolkersdorf unpassenden, modernen Wahlkampf mit Plakaten, die nicht gut ankamen“, wie sie sagt: „Wir sind eine Landgemeinde, wo die Menschen ein bisschen anders denken, und auf das hat man zu wenig Rücksicht genommen.“ Viele Bürger hätten sie darauf angesprochen: „Etliche haben gemeint: ,Du hast mit drei Plakaten das Auslangen gefunden. Und das sind so viele.‘“ Wie Gruber im Rückblick ihre Amtszeit als Bürgermeisterin sieht? „Ich habe die Gemeinde immer verwaltet, als ginge es um mich. Ich habe finanziell einen großen Polster hinterlassen. Ich bin darauf stolz, weil ich doch vieles gemacht habe.“

Erwin Karner: Lob für ÖVP-Mann

Für wenige Tage hatte auch Erwin Karner das Bürgermeisteramt in Hochwolkersdorf inne. Bei der Wahl im Jänner war er mit einer eigenen Liste angetreten, ehe er eine Zusammenarbeit mit der SPÖ bekanntgab, die ihn daraufhin zum neuen Ortschef wählte. Die Folge war heftige Kritik, woraufhin Karner schnell wieder das Handtuch warf. Für ihn war der Urnengang „eine Wahl mit einer neuen Ausgangssituation, mit zwei neuen Spitzenkandidaten.“ Er selbst habe mit dem Ergebnis gerechnet: „Aber wenn ich dieses Loch mit meiner Liste nicht aufgerissen hätte, hätte es diese Veränderung in Hochwolkersdorf nicht gegeben. In Wahrheit wollte ich immer Veränderung. Das ist mir halt erst im zweiten Anlauf gelungen“, bilanziert Karner. Lobende Worte findet er für den designierten Bürgermeister Martin Puchegger von der Liste „Miteinander Hochwolkersdorf“: „Er ist gebildet, hat ein gutes Auftreten und ist überhaupt nicht vorbelastet. Für mich der absolut geeignetste Mann der ÖVP.“


SPÖ-Chefin verteidigt Wahlkampf-Linie

SPÖ-Ortsparteivorsitzende Petra Vorderwinkler kann die Kritik der früheren Bürgermeisterin Waltraud Gruber unterdessen nicht nachvollziehen. „Den Wahlkampf hätten wir nicht besser machen können“, meint sie, angesprochen auf die Meinung Grubers. Spitzenkandidatin Sylvia Blank habe einen tollen Job gemacht, „leider ist das nicht belohnt worden“, meint die Nationalratsabgeordnete. Freude herrscht hingegen beim Ortsparteiobmann der ÖVP, Johannes Münz: „Wir werden nun das umsetzen, was wir schon die ganze Zeit gesagt haben. Wir wollen Hochwolkersdorf endlich in die Zukunft führen.“

Was er besonders hervorstreicht: Die 250 Vorzugsstimmen für Martin Puchegger, der in wenigen Wochen neuer Bürgermeister werden dürfte.

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