Neue Heimat: Ruthner-Turm soll zu Phönix Wr. Neustadt. Die Zukunft des Ruthner-Turms im Wiener Neustädter Stadtpark scheint geklärt: Und die Zukunft dieses Industriedenkmals wird in Wiener Neustadt stattfinden.

Von Josef Kleinrath. Update am 02. Februar 2017 (16:14)
Der "Ruthnerturm" mit seinen rund 10 Metern Höhe im Wiener Neustädter Stadtpark ist eines der letzten Exemplare seiner Art
Stadt Wiener Neustadt/Weller

Das gläserne Industriedenkmal stand kurz vor dem Abriss. In den 60er-Jahren auf dem Gelände der alten Stadtgartenverwaltung errichtet, war sein Schicksal im Zuge des geplanten Hotelbaus im Stadtpark lange Zeit ungewiss.

Nun wurde ein neuer Platz für den Turm, der einer der Letzten in ganz Österreich ist, gefunden. Er soll demnächst sorgsam abgebaut und im Alten Schlachthof in der Neunkirchnerstraße 65 beim Verein Phönix Wiener Neustadt, dem Verein für Arbeits- und Beschäftigungsinitiaiven, wieder aufgestellt werden. Phönix Wiener Neustadt ist ein Sozialökonomischer Betrieb und verbindet soziale und ökonomische Prinzipien.

Stadtrat DI Franz Dinhobl, Phönix-Geschäftsführer Robert Brich, Bürgermeister Mag. Klaus Schneeberger, Gemeinderätin Dr. Evamaria Sluka Grabner, Stadtbaudirektor DI Manfred Korzil und Stadtrat a.D. Josef Radislowits präsentieren den neuen Standort auf dem Areal des ehemaligen Schlachthofes
 
Stadt Wiener Neustadt/Weller

Der Begriff Sozialökonomischer Betrieb (SÖB) bezeichnet ein arbeitsmarktpolitisches Instrument, das durch die Bereitstellung von marktnahen, aber doch relativ geschützten, befristeten Arbeitsplätzen die Integration von längerfristig arbeitslosen Personen in den ersten Arbeitsmarkt fördert. Sozialökonomische Betriebe haben den Auftrag, Personen bei der Wiedererlangung jener Fähigkeiten zu unterstützen, die Einstiegsvoraussetzung in den regulären Arbeitsmarkt sind. Phönix betreibt auf dem Standort auch einen Gemeinschaftsgarten.

Über den Zeitplan der Übersiedelung ist noch nichts bekannt.

Damit wird übrigens dem Wunsch der NÖN-Online-Community Rechnung getragen, die mit 70 Prozent für einen Verbleib des historischen Bauwerks in Wiener Neustadt gestimmt haben.

Bürgermeister Klaus Schneeberger: „Für uns war immer klar, dass der Ruthnerturm ob seiner Einzigartigkeit und historischen Bedeutung erhalten werden muss. Offen war bis dato der Standort." Er dankt Gemeinderätin Evamaria Sluka Grabner und Stadtrat Josef Radislowits für die Idee, den Ruthnerturm am Gelände des alten Schlachthofes zu platzieren.

"Damit bleibt das historische Gewächshaus in Wiener Neustadt. Gleichzeitig werden sich die bei Phönix betreuten Langzeitsarbeitslosen um den Turm dementsprechend kümmern. Damit gibt es mit dieser Entscheidung nur Gewinner und Wiener Neustadt behält ein ganz besonders Alleinstellungsmerkmal“, so Schneeberger.

Zur Geschichte des „Ruthnerturms“

Entwickelt in den späten 1950ern vom visionären Maschinenbauingenieur Othmar Ruthner aus Wien, war es für die damalige Zeit ein revolutionäres Baukonzept. Der Chef der „Ruthner Industrieanlagen für Pflanzenbau“ wollte, ausgehend von einer geringen Grundfläche, eine möglichst große Nutzfläche für den Anbau gewinnen. Pflanzen sollten in den Glastürmen mit einem Aufzug, vergleichbar mit einem Paternoster, in einem Kreislauf kontinuierlich von unten nach oben bewegt werden. Dabei würden alle Setzlinge die gleichen Bedingungen erhalten und sich so ideal entwickeln können.