Stefan Haider: „Gute Lektion in Demut“. Stefan Haider über sein Kabarett-Programm, das Lehrer-Dasein, und was er vermitteln will.

Von Victoria Schmidt. Erstellt am 21. Dezember 2018 (04:11)
Stefan Haider unterrichtet seit neun Jahren an der BAfEP/HLM in Wiener Neustadt Religion.
Stefan Haider unterrichtet seit neun Jahren an der BAfEP/HLM in Wiener Neustadt Religion. Johannes Ehn

Religionslehrer Stefan Haider macht seit 22 Jahren Kabarett. Aktuell spielt er das Programm „Freifach: Herzensbildung“. Die Wiener Neustadt-Premiere im Oktober wurde von Servus TV aufgezeichnet und wird am 28. Dezember (21.40 Uhr) ausgestrahlt. Die NÖN sprach aus diesem Anlass mit dem Kabarettisten.

NÖN: Wie kam es dazu , dass Sie Kabarett machen?

Stefan Haider: Ich habe in Knittelfeld, wo ich her bin, bei einer Band gespielt. Wir haben Programme mit christlichen Liedern gemacht und ich habe moderiert. Irgendwann sind die Moderationen lustig und mehr geworden – aus dem heraus habe ich mein erstes Kabarettprogramm gemacht.

Wie reagieren Ihre Schüler darauf?

Haider: Also wenn sie neu herkommen, wissen sie es meistens gar nicht, weil es nicht das ist, was sie interessiert. Mein Publikum ist ja normal nicht die Altersklasse. Und wenn sie’s dann irgendwann einmal mitbekommen, dann finden sie’s meistens eher cool, dass sie wen kennen, der sowas macht.

Und die Kollegen?

Haider: Bei den Kolleginnen und Kollegen ist es mittlerweile schon ganz normal. Am Anfang haben sie einen Bus gechartert und sind in eine Vorstellung nach Wien gekommen. Sie haben sich das einmal angeschaut und es für in Ordnung empfunden. Ich glaube nicht, dass ich deswegen einen besonderen Status habe, oder so. Hier bin ich in erster Linie Religionslehrer.

Haben Sie dann bei Weihnachtsfeier oder zu Schulschluss besondere Aufgaben ?

Haider: Da mach‘ ich nie was. Das Einzige was ich einmal gemacht habe, war, als die Frau Direktor [Anneliese Buxbaum, Anm.] Hofrätin wurde, da habe ich eine Rede mit lustigen Anklängen gehalten.

Wie sehen es Fachkollegen?

Haider: Meistens sehr positiv. Im Stephansdom [beim Tag der ReligionslehrerInnen im Oktober, Anm.] habe ich ja auch vor so ziemlich allen Religionslehrern der Erzdiözese gespielt. Wobei es schon auch die gibt, die Angst haben, dass man als Religionslehrer nicht mehr ernst genommen wird, wenn man da so herumblödelt, oder dass ich mich darüber lustig mache.

Wieso sind Sie eigentlich Religionslehrer geworden?

Haider: Ich habe Theologie studiert aus großem Interesse. Als ich dann schon so gegen Ende des Studiums war, hab‘ ich mir überlegen müssen, was mach‘ ich damit. Da war’s dann klar, dass ich am besten als Religionslehrer mein Studium im Beruf umsetzen kann. Es hat mir von Anfang an getaugt, also ich wollte oder möchte jetzt noch kein anderes Fach unterrichten.

Wie viel Inspiration nehmen Sie aus dem Unterricht mit?

Haider: Ab und zu kommt was. Es gibt durchaus ein paar Nummern, die kommen direkt aus dem Unterrichtsalltag. Aber es ist nicht so, dass ich jede Woche ein ganzes Kabarett erlebe.

Nehmen Sie auch von Kollegen Erfahrungen ins Programm auf?

Haider: Ja, auf jeden Fall. Was man oft so erzählt bekommt, das bau‘ ich auch mal in die Ich-Form um und mach meine eigene Erfahrung daraus.

Sie sprechen im Programm Religions-Abmeldungen an: Was sind da Ihre Erfahrungen?

Haider: Dass man dagegen einfach nichts machen kann. Die Alternative ist eine Freistunde – und das ist eine extrem attraktive Alternative. Ich bin froh über jeden, der sich nicht abmeldet – und trotzdem schaffe ich nie 100 Prozent, in keiner Klasse, in keinem Jahr. Das ist immer eine gute Übung in Demut am Anfang des Schuljahres. Auf der anderen Seite find ich’s auch gut, dass man sich abmelden kann, weil man ja doch in so weltanschaulichen Fragen nicht gezwungen werden soll.

Können Sie sich vorstellen, nur als Kabarettist zu arbeiten?

Haider: Ich hab‘ das schon ausprobiert. Ich war vier Jahre lang nur Kabarettist. Da hat ganz was Wesentliches gefehlt. Auch gerade für das, was ich jetzt im Kabarett mache, die Figur, die ich als Kabarettist entwickelt habe, die braucht, um glaubwürdig zu sein, diese Tag-für-Tag-Erfahrung.

Was wollen Sie vermitteln?

Haider: Also in erster Linie will ich unterhalten – und wenn das einmal gelungen ist, und es dann noch möglich ist, die eine oder andere Inspiration zu geben. Dass man vielleicht über irgendetwas nachdenkt oder sich Gedanken macht.

Sie fragen am Beginn immer, wie viele Lehrer im Publikum sitzen...

Haider: Die verstehen das noch einmal ganz anders, weil sie es natürlich auch Tag für Tag erleben, auch die ganzen Fragen im Bildungssystem kennen und es oft einmal ganz entspannend oder entkrampfend sein kann, wenn man versucht, dem Ganzen auch die komische Seite abzugewinnen. Mir geht es darum, dass Bildung ein Wohlfühlthema ist.

Es kommen in Ihre Vorstellungen nicht nur Lehrer, sondern auch Geistliche...

Haider: Ja, mir haben Nonnen geschrieben, mir haben Priester geschrieben. Ein größerer Teil derjenigen, die sich melden, sagen positiv, gefällt ihnen, ein entspannter unverkrampfter Ansatz oder auch mit geistlichen Fragen so weltlich umzugehen, viele wissen das zu schätzen. Ab und zu kommt auch jemand kritisch. Also zum Beispiel mein vorvorletztes Programm hat „Sexy Jesus“ geheißen, da haben sich schon ein paar Leute aufgeregt, ob das jetzt sein muss.

Wenn Sie auf der Bühne stehen, sind Sie da dann noch nervös?

Haider: Ich bin immer nervös, ich hab‘ immer Lampenfieber. Ich fühl mich nie sicher, ich wart‘ immer, wann die Vorstellung kommt, wo alles schief geht.

Haben Sie alles erreicht, was Sie sich bisher vorgestellt haben?

Haider: Es ist viel, viel schwieriger gewesen, eine Kabarettisten-Karriere aufzubauen, als ich mir das jemals vorgestellt hätte. Es wartet niemand auf einen. Jetzt ist gerade eine tolle Phase – was ich irrsinnig zu schätzen weiß. Ich mach‘ das ja schon seit 22 Jahren und hab‘ es eben lang genug auch vor 11 bis 30 Leuten gemacht. Aber alles erreicht…also ich hab‘ schon noch genug vor. Ich kann mir schon vorstellen, dass sich das noch weiterentwickelt und dass die Säle noch ein bisserl größer werden.