Verkauf stockt trotz E-Trend. Interesse am E-Auto steigt. Lenker bevorzugen aber noch Benziner.

Von Kristina Veraszto. Erstellt am 21. Januar 2020 (03:22)
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Insgesamt 2.604 Kfz-Neuzulassungen gab es 2019 in der Stadt Wiener Neustadt. Im Bezirk starteten 2.010 neue Autos in den Verkehr. Im Vergleich zu 2018 hielt sich die Zahl der Neuzulassungen weitgehend konstant – und noch immer ist der Benziner die beliebteste Antriebsart sowohl in der Stadt als auch im Bezirk. Die NÖN hat bei Autohändlern nachgefragt, welche Entwicklungen sie am Automarkt beobachten und ob das E-Auto Benziner und Diesel bald überholt.

In einer Sache sind sich die Autohändler einig, die E-Mobilität stößt zwar auf großes Interesse, die Verkaufszahlen sprechen aber noch nicht dafür. „Der Trend zum E-Auto wird zwar spürbar stärker, im Vergleich zu den Verbrenner-Modellen ist aber der Elektroverkauf noch immer schwächer“, sagt Herbert Hönigmann, der sowohl in Wiener Neustadt als auch in Neunkirchen ein Autohaus betreibt. Fiat-Händler Franz Schönthaler aus Pernitz sieht vor allem fehlende Rahmenbedingungen als größtes Problem. Das akutelle Angebot sei noch ausbaufähig, es müssten mehr Lademöglichkeiten geschaffen werden und in Bezug auf die kommunizierte CO2-Bilanz des E-Autos und der Entsorgung sei mehr Transparenz notwendig.

* darunter fallen auch Lkw, Motorräder, Motorfahrräder, Busse ...
** Erdgas, Benzin/Flüssiggas, Benzin/Erdgas, Benzin/Elektro, Diesel/Elektro, Wasserstoff
Quelle: Statistik Austria; Foto: ParabolStudio/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

„Das Problem ist, dass möglicherweise viele Autofahrer zur endgültigen Klärung dieser Fragen mit ihrem alten Auto weiterfahren und die stark verbesserte Umweltfreundlichkeit der aktuellen Euro6d-Temp-Diesel und Benzinfahrzeuge zu wenig beachten“, so Schönthaler. Es sei jetzt sinnvoller, „auf ein neues Diesel- oder Benzinmodell umzusteigen, als noch mehrere Jahre auf einen möglichen leistbaren Nicht-Verbrenner zu warten.“

Geht es nach Andreas Leodolter, Geschäftsführender Gesellschafter beim Autohaus Ebner in Felixdorf, ist die Politik gefragt, die Situation zu verbessern: „Im Moment ist das E-Auto noch ein Nischenprodukt. Wenn sich das E-Auto durchsetzen soll, dann müssen von der Politik sehr viele Stromtankstellen organisiert und das E-Auto viel billiger werden. Auch muss man bedenken, dass der Strompreis gedeckelt werden muss.“ Nichtsdestotrotz könne man den Trend der E-Mobilität nicht ignorieren, das weiß auch Robert Bernhart, Geschäftsleiter vom Autohaus Beisteiner in Wiesmath: „Unsere Betriebe sind für die E-Mobilität gerüstet. Wir haben die Infrastruktur und auch die ausgebildeten Mechaniker.“

Dieselkrise: Aufklärung ist noch notwendig

Unsicherheit unter den Autofahrern gibt es nach wie vor beim Dieselkauf. Heiß diskutierte Fahrverbote sorgen dafür, dass es mehr Aufklärungsarbeit seitens der Autohändler geben muss, meint Bernhart: „Wir haben viele Kunden aus Wien, die sich gerade über solche Dinge Gedanken machen, wie zum Beispiel über die Fahrverbote.“ Mit Aufklärungsarbeit könne dem Kunden die Angst genommen werden, davon ist auch Hönigmann überzeugt: „Denn aktuell ist der Diesel aufgrund des niedrigen CO2-Ausstoßes sogar preislich sehr interessant.“

Für Schönthaler werden Autofahrer derzeit mehr denn je verunsichert als informiert: „Es fehlen Bekenntnisse von Politik und Medien zur stark verbesserten Umweltfreundlichkeit der aktuellen neuen Verbrennungsmotoren, die nach wie über 95 Prozent der Marktverfügbarkeit ausmachen.“

In Zukunft wird aber nicht nur das E-Auto auf dem Vormarsch sein. Auch Hybridmodelle, werden für die Autofahrer interessanter werden, sagt Hönigmann: „Ich persönlich glaube, dass es nach wie vor Verbrenner-Fahrzeuge geben wird. Der Anteil der Elektrofahrzeuge wird in den nächsten Jahren stetig bergauf gehen, den größten Sprung werden allerdings Plug-In-Fahrzeuge haben. Hier wird das Beste von zwei Welten vereint.“