Etwas sehen – etwas sagen. Philipp Hacker-Walton über den Mut, einzugreifen.

Von Philipp Hacker-Walton. Erstellt am 29. August 2017 (02:26)

Ein Pensionist steht im Verdacht, Kinder missbraucht zu haben (Seite 4); ein 21-Jähriger tötet im Rausch als Geisterfahrer einen Familienvater (S. 10).

Meldungen wie diese lösen im ersten Moment Entsetzen und Mitgefühl aus. Dann kommt schnell die unvermeidliche Frage: Hätte etwas getan werden können oder sogar müssen, um dieses Leid zu verhindern?

Im Falle des Missbrauchsverdachts im Piestingtal ist es zu früh, um diese Frage zu beantworten. In vielen anderen Fällen kann sie aber eindeutig bejaht werden. So wie bei jenem Alko-Lenker, der vergangene Woche vor Gericht stand.

Hier hätte es Gelegenheiten gegeben, einzugreifen: Nachdem er das erste Mal bei einer Alko-Fahrt erwischt worden war; als er betrunken nach Hause ging; oder sogar noch, als er nach wilden Schlangenlinien auf der Bundesstraße bei einer Tankstelle stoppte.

Es geht freilich nicht darum, den Nachbarn zu vernadern oder sich in das Leben anderer einzumischen. Doch oft kann das Motto „Wer etwas sieht, soll etwas sagen“ Leid verhindern – und Leben retten.