Wr. Neustadt: Sensationsfund bei Kasematten-Sanierung. Archäologen konnten große Teile einer Zwingermauer, die vor der Stadtmauer als Schutz diente, freilegen. Ein Eckturm wird revitalisiert und begehbar.

Von Philipp Hacker-Walton. Erstellt am 18. Dezember 2018 (06:00)
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Die Zwingermauer (im Vordergrund) war als zusätzlicher Schutz der Stadtmauer vorgelagert. Der Eckturm wird ebenfalls revitalisiert und begehbar gemacht.
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„Wir waren uns bewusst, dass die Kasematten eine bauhistorisch sehr wertvolle Anlage sind. Die Dimension und die Einzigartigkeit unserer Stadtbefestigung haben aber erst die Archäologinnen und Archäologen während der letzten Monate im wahrsten Sinne des Wortes zu Tage gebracht“, sagen Bürgermeister Klaus Schneeberger und Baustadtrat Franz Dinhobl (ÖVP).

Die aus der Zeit der Stadtgründung im späten 12. Jahrhundert stammende Stadtmauer mit einem der vier Ecktürme ist im betreffenden Bereich sowohl in ihrer ursprünglichen Sub-stanz als auch mit den Aufzonungen aus dem frühen 13., 15. und 16. Jahrhundert erhalten. Damit zeigt die Stadtmauer auf engstem Raum ihre komplexe Entstehungsgeschichte.

Baustadtrat Franz Dinhobl, Bürgermeister Klaus Schneeberger, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Stadtbaudirektor Manfred Korzil (v.l.).
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Einzigartig ist, dass vor der südwestlichen Stadtmauer noch die Zwingermauer mit Zinnenabschluss aus dem frühen 13. Jahrhundert steht – ein bedeutendes Dokument einer der frühesten Zwingerbefestigungen im deutschsprachigen Raum. 1551 entstanden die heute noch vorhandenen Reste der vor die Stadtmauer gestellten Bastion, bestehend aus einem Geschützhof zum Bestreichen der Mauer, aus der geböschten Flankenmauer der Bastion und dem Ansatz der geböschten Front. In der Stadtmauer sind die vermauerten Portale auf die Bastei und in den Geschützhof erhalten.

Durch die Freistellung dieser Bauelemente kann das renaissancezeitliche Bastionärsystem, das in Neustadt nach dem Vorbild Wiens konzipiert wurde, von dem in Wien jedoch keine derartigen Bauteile mehr erhalten sind, österreichweit einzigartig erleb- und nachvollziehbar gemacht werden.

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In Kombination mit der dahinter befindlichen Strada Coperta und den drei Röhren der Kasematten kann für den Besucher die Funktionsweise einer Bastion vollständig veranschaulicht werden.

„Mein Dank gilt den Archäologen für ihre Arbeit und Minister Gernot Blümel für die Subvention sowie Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, die diese zusätzlichen Arbeiten vollinhaltlich mitträgt und unterstützt“, so Stadtchef Schneeberger.

NOEN

„Die Kasematten sind ein wahres Schmuckkästchen bei der Landesausstellung. Durch die nun abgeschlossene Restaurierung und Revitalisierung hat diese bedeutende historische Stätte wieder neuen Glanz erlangt“, sagt Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.