Trockenheit als Problem im Bezirk Wr. Neustadt. Klimawandel sorgt für Ernteeinbußen. Ab Hof wird aber gerne eingekauft.

Von Kristina Veraszto. Erstellt am 22. Oktober 2019 (04:55)
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Verkaufen im Bauernladen frisches Gemüse, Obst, Kräuter und Eier: Margarete und Johann Pauer mit Enkelin Anna (vorne).

Am 19. November wird im Hubertushof in Bad Fischau unter dem Titel „Warum ist die Kuh nicht lila?“ über die Veränderungen in der Landwirtschaft diskutiert.

Die NÖN hat vorab nachgefragt, mit welchen Problemen die Landwirte derzeit zu kämpfen haben, welchen Einfluss der Klimawandel auf die Bewirtschaftung hat und wie es mit der Nachfolge auf den Höfen aussieht.

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Miriam und Franz Müllner freuten sich über ihre Kürbisse.

Keine rosigen Aussichten gibt es derzeit im Holzsektor, wie Josef Fuchs, Obmann der Bezirksbauernkammer Wiener Neustadt, im NÖN-Gespräch erklärt: „Der Holzpreis ist eine Katastrophe.“

Der Borkenkäfer habe vor allem in den Wäldern bei der der Hohen Wand, aber auch in der Buckligen Welt einen enormen Schaden angerichtet. Dass die Dichte der Schädlinge steigt, sei laut Fuchs eine spürbare Konsequenz des Klimawandels.

"Weg von der Fichte, wir brauchen Tannen"

Bei der Aufforstung der Wälder müsse man deshalb darauf achten, eine gewisse Baumvielfalt herzustellen. „Weg von der Fichte, wir brauchen Tannen, Ahorn oder Buchen, die für die Temperaturen besser geeignet sind“, sagt Fuchs. Aber auch beim Gemüseanbau sorgt die gestiegene Anzahl von Schädlingen für Verluste. Der Drahtwurm habe vor allem im vergangenen Jahr der Kartoffelernte zugesetzt.

Heuer sei die Situation besser, allgemein führe aber die Trockenheit immer wieder zu „massiven Ertragseinbußen“, so Fuchs. Dies mache sich auch bei den geernteten Zuckerrüben bemerkbar, die zurzeit ein Drittel kleiner ausfallen als üblich. „Ich denke, das wird unsere größte Herausforderung sein“, sagt Fuchs. Landwirte hätten nur begrenzte Möglichkeiten, diesen Problemen entgegenzuwirken. Zum Beispiel sei der Anbau von trockenresistenten Sorten oder die dünnere Aussaat auf den Feldern hilfreich.

Junglandwirte verfolgen oft neue Zugänge

Generell gebe es in der Landwirtschaft auch einen Strukturwandel, so der BBK-Obmann. Derzeit würden 80 Prozent der Landwirte konventionell bewirtschaften. Der Trend zu Bio mache sich aber auch unter den Bauern bemerkbar. Die Anzahl an Betrieben im Bezirk sei dennoch gesunken: „In den letzten fünf Jahren sind es ca. um 20 Prozent weniger geworden.“ Dafür gebe es aber noch genug junge Landwirte, die die Höfe der Familie übernehmen. „Die Jungen haben ganz andere Zugänge und tun sich als Querdenker auch einfacher“, so Fuchs.

Ein Bauernhof, wo die ganze Familie miteingebunden ist, gibt es bei der Familie Pauer in Lichtenwörth. Diese betreibt auch seit mehr als 25 Jahren einen Bauernladen. Verschiedenstes Gemüse, Kräuter oder Eier werden direkt am Hof verkauft – und das unter dem Motto „Alles Tolle von der Knolle“. Werbung für den Bauernladen macht Junglandwirt Lukas Pauer, der bald einen mobilen Hühnerstall betreiben will.

Froh über das Engagement seines Enkels ist Großvater Johann: „Er probiert viel aus, baut neue Sorten an und, dass er jetzt den mobilen Hühnerstall umsetzen will, freut uns sehr.“ Dass aber der Klimawandel die Landwirtschaft beeinträchtigt, kann auch Pauer bestätigen: „Die Schädlinge werden mehr. Letztes Jahr war es besonders der Drahtwurm, der Schäden angerichtet hat. Wir hatten bei den Kartoffeln Ernteeinbußen von ca. 30 Prozent. Heuer ist es besser, die Kartoffeln sind aber kleiner. Es hat einfach Niederschlag gefehlt.“