Im Kampf gegen das Wegwerfen in Wr. Neustadt. Sozialkaufhaus, Tafel und Foodsharing-Projekt retten Woche für Woche Lebensmittel vor der Mülltonne.

Von Vanessa Maurer und Tanja Barta. Erstellt am 16. Juni 2021 (05:45)
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Petra Kaindl, Sozialkaufhaus-Leiter Franz Lechner, Doris Mondl und Claudia Endl im Sozialen Greissler, der mehrmals wöchentlich geöffnet hat.
Feigl, Feigl

Bis zu einer Million Tonnen Lebensmittel sind es, die in Österreich jährlich im Müll landen. Zukünftig soll eine Koordinierungsstelle unter der Leitung des Umweltministeriums dieser Lebensmittelverschwendung entgegenwirken. Doch welche Initiativen gibt es bereits jetzt gegen die Verschwendung von Lebensmitteln in der Stadt und dem Bezirk Wiener Neustadt?

Die NÖN hörte sich um.

Lebensmittel, die zwar noch genießbar sind, aber nicht mehr im Handel verkauft werden dürfen, landen unter anderem bei der Team Österreich-Tafel in Wiener Neustadt. Die Lebensmittel werden dann an Menschen mit geringerem Einkommen kostenlos verteilt. Über die Jahre – die Tafel in Wiener Neustadt startete im Jahr 2013 – hat sich die Menge der Lebensmittel deutlich erhöht: „Wir holen von 134 Märkten aus der Stadt und Umgebung die Ware ab. Am Mittwoch sind wir mit einem Auto unterwegs und am Samstag mit drei“, so Tafelleiter Hans Schröttner, der dieses besondere Projekt seit dessen Geburtsstunde begleitet. Lebensmittel, die nach der Ausgabe noch übrig bleiben, gehen unter anderem an Bauern aus der Region.

Eine weitere Anlaufstelle für die Tafel ist das Foodsharing-Projekt Wiener Neustadt. Dieses wird von Georg Sengstschmid betreut. „Die Initiative Foodsharing hat mittlerweile in Wiener Neustadt gut Fuß gefasst und es gibt derzeit circa 50 sogenannte ‚Foodsaver‘, die bei momentan vier Kooperationsbetrieben regelmäßig überschüssige Lebensmittel vor der Mülltonne retten“, freut sich Sengstschmid. Innerhalb von eineinhalb Jahren konnten so mehr als fünf Tonnen Lebensmittel vorm Wegwerfen gerettet werden.

So gibt es beispielsweise im Pfarramt der Evangelischen Kirche – zu den Bürozeiten – einen öffentlich zugänglichen „Fairteiler-Kühlschrank“. Das Konzept dahinter: Jeder kann dort Lebensmittel, die er nicht mehr braucht, hineinlegen und so anderen, die Lebensmittel benötigen, leicht den Zugang ermöglichen. Momentan ist der „Fairteiler-Kühlschrank“ allerdings geschlossen. „Er kann erst wieder im September in Betrieb gehen“, so Sengstschmid. Das Konzept der „Fairteiler-Kühlschränke“ will man aber defintiv weiter ausbauen. „Wir sind derzeit in Gesprächen“, so der Foodsharing-Betreuer.

Wer selbst „Foodsaver“ sein möchte, kann das ganz einfach über www.foodsharing.at werden. „Dazu muss man sich nur auf der Homepage registrieren, ein Quiz bestehen und bei drei begleiteten Abholungen mitmachen. Dann ist man berechtigt, im Namen von Foodsharing Essen abzuholen und weiter zu verteilen“, rührt Georg Sengstschmid die Werbetrommel. Er hofft, mit dem Ende der Corona-Krise noch aktiver werden zu können. „Wir freuen uns über alle Betriebe, die an uns herantreten!“

„Es ist das Schlimmste, was es gibt!“

Das Sozialkaufhaus in der Wiener Straße 107 ist ein weiteres Puzzleteil im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung. „Es ist das Schlimmste, was es gibt“, so der Leiter Franz Lechner über die Verschwendung noch genießbarer Nahrung. Die Lebensmittelverschwendung enttäusche ihn „über die Maßen“ – er wirkt dem, so gut es geht, allerdings entgegen. Mithilfe von Lebensmittelspenden, die von Ehrenmitgliedern, Firmen und Privatpersonen getätigt werden, sammeln sein Team und er Lebensmittel und verteilen sie bei ihrer kostenlosen Lebensmittelausgabe, welche wöchentlich jeden Samstagvormittag stattfindet, oder dem Sozialen Greissler, der mehrmals pro Woche seine Türen öffnet. Der Unterschied? Einzig beim Greissler ist ein einmaliger Beitrag zu leisten.

„Wir merken einen starken Andrang seit dem allerersten Lockdown und auch jetzt wird es Woche für Woche mehr“, ist Lechner über die Situation bestürzt – und er rechnet weiterhin mit einem Anstieg. Die Qualität der Lebensmittel sei aufgrund von Großhändlern und großen Firmen mehr geworden, da diese durch Überproduktion nicht wüssten, wo sie die Lebensmittel unterbringen sollen. Das Sozialkaufhaus arbeitet zudem auch mit der Tafel Wiener Neustadt sowie der Lebensmittelrettung Österreich zusammen. Unterstützung bekommen zudem die Frauenhäuser und Männerwohnheime.

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