ÖVP holt Sieg in der Stadt Wr. Neustadt. Kurz-ÖVP gewinnt erstmals bei einer Bundeswahl in der Stadt Wiener Neustadt. Auch im Bezirk gab es einen Erdrutschsieg für Türkis.

Von Kristina Veraszto und Mathias Schranz. Erstellt am 29. September 2019 (22:07)
Franz Baldauf
Die ÖVP stieß auf den Wahlsieg an: Hans Machowetz, Franz Rennzofer, Franz Dinhobl, Klaus Schneeberger, Christian Stocker, Philipp Gruber, Christian Filipp und Robert Pfisterer.

Die Nationalratswahl brachte für die Stadt Wiener Neustadt ein historisches Ergebnis: Erstmals liegt bei einer Bundeswahl die ÖVP an der Spitze. Sebastian Kurz holte hier 31,25 Prozent der Stimmen (plus 4,3 Prozent), dahinter folgt die SPÖ mit 25,5 Prozent (minus 4,58 Prozent) sowie die FPÖ mit 21,36 Prozent (minus 7,13 Prozent). Die Grünen kommen auf 11,13 Prozent (plus 8,25 Prozent), die NEOS auf 7,23 Prozent (plus 2,73 Prozent).

Bei der ÖVP herrschte am Wahlsonntag im Bürgermeister-Büro Jubelstimmung. „Wir haben bei dieser Wahl alle Ziele erreicht. Wir sind mit einem deutlichen Zugewinn Erster geworden und haben damit alle Voraussetzungen geschaffen, dass es sowohl im Bund als auch in der Stadt gut weitergeht“, so Bürgermeister Klaus Schneeberger und Nationalrat Vizebürgermeister Christian Stocker. Schneeberger: „Wir können auf dieses Ergebnis stolz sein, besonders auch in der Stadt. Schon 2017 hat die Volkspartei Wiener Neustadt große Zugewinne gefeiert, war aber im Stadtergebnis trotzdem nur Dritter. Heute haben wir noch einmal zugelegt und sind zur stimmenstärksten Partei geworden.“

Katerstimmung herrschte hingegen im SPÖ-Büro. „Das Ergebnis ist erschreckend und ernüchternd. Ich habe gehofft, dass es nicht so kommt“, sagt Hundsmüller in einer ersten Reaktion gegenüber der NÖN. Dass die SPÖ vor der FPÖ liegt, sei nur „ein schwacher Trost“, so der Bezirkschef. Die SPÖ müsse von Grund auf neu positioniert werden. „Pamela Rendi-Wagner war die richtige Kandidatin, man hat ihr nur keine Zeit gelassen. Sie hätte die Zeit bis 2022 gebraucht, die hat Kurz ihr aber nicht gegeben“, betont Hundsmüller.

Kristina Veraszto
Die Bezirks-SPÖ mit Thomas Schaden, Sonja Pahr, Petra Vorderwinkler, Reinhard Hundsmüller und Josef Gradwohl musste Verluste hinnehmen.

Ein Minus von fünf Prozent sei „keine Koalitionsansage“. SPÖ-Spitzenkandidatin für den Wahlkreis NÖ Süd Petra Vorderwinkler zeigte sich ebenfalls enttäuscht: „Ich nehme das Ergebnis zur Kenntnis. Wir haben unsere Ziele leider nicht erreichen können.“ Wie es mit dem Wiener Neustädter SPÖ-Nationalratsmandat aussieht war am Sonntagabend noch offen.

Bei der FPÖ war trotz der Verluste Jubel angesagt. Wahlkreis-Spitzenkandidat Michael Schnedlitz, er wird in den Nationalrat einziehen, wurde im Gasthaus „Weißes Rössel“ von seinen Parteikollegen jubelnd empfangen. „Es hat sich gezeigt, dass man eine Wahl nicht mit High Life gewinnt, sondern mit harter Arbeit. Das soll uns eine Lehre sein.“ Die Verluste würden sich im Vergleich zum Bundesschnitt in Wiener Neustadt in Grenzen halten: „Wir haben Wien gezeigt, wie es geht“, zeigte er sich kampflustig. Stadtrat Philipp Gerstenmayer: „Wir sind in der Stadt über 20 Prozent, das haben wir uns erhofft. Bundesweit ist der Absturz nicht so schlimm gewesen, wie viele geglaubt haben.“

Franz Baldauf
FPÖ-Spitzenkandidat Michael Schnedlitz wurde trotz Verlusten jubelnd empfangen.

Ausgelassene Stimmung war bei den Grünen angesagt. Mit Fahnen zogen sie über den Hauptplatz. „Das Wahlergebnis ist überwältigend und wir freuen uns, Teil dieser Bewegung zu sein“, sagt Grüne-Gemeinderätin Tanja Windbüchler-Souschill. „Die Menschen haben erfasst, dass Klima- und Umweltschutz überlebenswichtig sind. Ganz wesentlich für den Erfolg waren auch die Kandidaten, allen voran Werner Kogler, der wahnsinnig authentisch ist“, freut sich Spitzenkandidat Michael Diller-Hnelozub. „Ich erwarte mir, dass die Grünen Regierungsverhandlungen führen und zwar mit den Punkten, die uns wichtig sind, und mit den Dingen, die wir in den vergangenen Jahren gelernt haben. Wir sind bereit für die Regierung“, so Windbüchler-Souschill.

Franz Baldauf
Die Grünen zogen nach der ersten Hochrechnung mit Fahnen über den Wiener Neustädter Hauptplatz.

Bei den NEOS ist man zufrieden: „Unser Ergebnis ist das beste Ergebnis, das wir je hatten. Wir haben all unsere Erwartungen erfüllen können, was mich sehr freut. Eine Koalition aus ÖVP und FPÖ erscheint unwahrscheinlich, was für Österreich sicher positiv ist“, reagiert NEOS-Wahlkreisspitzenkandidat Thomas Tauchner auf das Ergebnis. Auch wenn er noch nicht alle Gemeindeergebnisse im Detail kenne, allgemein ist Tauchner zufrieden: „Wir haben in eher schwierigem Terrain für uns durch die Bank sehr gute Ergebnisse erzielen können und konstant Gewinne einfahren können – und das, obwohl uns im Gegensatz zu den Großparteien die Strukturen fehlen!“

zVg
NEOS in Feierlaune: Niki Scherak, Thomas Tauchner,Indra Collini und Steffi Krisper

Im Bezirk Wiener Neustadt sind die Zahlen ähnlich wie in der Stadt: Hier steht die ÖVP bei 42,24 Prozent (plus 8,42), die SPÖ bei 20,77 Prozent (minus 3,9 Prozent), die FPÖ bei 20,53 Prozent (minus 9,43 Prozent), die Grünen bei 7,64 Prozent (plus 5,84 Prozent) und die NEOS bei 6,34 Prozent (2,24 Prozent).

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