Nazi-Tattoo am Bauch: Freispruch. Wegen des Verstoßes gegen das Verbotsgesetz stand ein Mann aus dem Bezirk Neunkirchen heute, Dienstag, vor Gericht.

Von Brigitte Steinbock. Erstellt am 26. Mai 2020 (14:45)
Symbolbild
Shutterstock.com, Africa Studio

Ihm wurde von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, auf Facebook ein Foto mit nacktem Oberkörper als Profilbild verwendet zu haben, wo auf seinem Bauch ein verbotenes Tattoo zu sehen ist.
Diese Tätowierung zeige den Schriftzug „Blood 88 Honour“ und einen Totenkopf mit einem eisernen Kreuz, somit wurden nationalsozialistische Symbole und Begriffe verwendet.

Angeklagter: "Kenne mich nicht aus"

 Durch die Veröffentlichung des Fotos auf Facebook wurde aus der Tätowierung verbotene Propaganda. Außerdem seien auf einem Handy des Mannes Bilder von SS-Uniformierten, Plaketten und Fahnen gefunden worden.
Der Angeklagte, 37, bekannte sich nicht schuldig und erklärte, dass er keine Ahnung hatte, was die Symbole auf seiner Haut bedeuten. Englisch könne er auch nicht, also hätte er auch die Worte nicht übersetzen können. Das Tattoo stamme aus der Haftzeit in Hirtenberg, wo es ihm ein Mithäftling gestochen habe: „Er hatte Vorlagen und sagte, ich soll mir etwas aussuchen, und das hat mir gefallen.“ Der Richter: „Wissen Sie, was es bedeutet?“ Antwort: „Ja, das wurde mir aber erst durch die Einvernahme bei der Polizei klar.“ Als er sich das Tattoo aussuchte, habe er es nicht gewusst. Das Bild online gestellt habe seine Frau, es stamme von einem Urlaub von vor zwei Jahren. „Ich kenne mich technisch gar nicht so gut aus.“ Er habe keinerlei Bezug zum Nationalsozialismus und wer ihm die Fotos von Uniformen und Fahnen geschickt hat, wisse er nicht mehr.

Tattoo soll jetzt weg

 Im Jahr 2013 oder 2014 stand, laut dem 37jährigen, wegen dem Tattoo am Bauch schon der Verfassungsschutz vor seiner Tür in Wiener Neustadt: „Die beiden Beamten sagten, dass mich der, der die Tätowierung gemacht hat, angezeigt habe. Sie haben sich die Tätowierung angesehen und als nicht strafbar eingestuft.“
Mittlerweile habe er schon mit einer Hautärztin beraten, wie man zumindest die „88“ entfernen könnte, aber der nächste Behandlungstermin sei durch die Pandemie ausgefallen.
Der Mann wurde – nicht rechtskräftig – von den Geschworenen freigesprochen.