Ein „süßes“ Neustadt. In einem Sammelband über die österreichische Zuckerindustrie schreibt Gerhard Geissl auch über Wiener Neustadt.

Erstellt am 23. Juli 2014 (07:01)
NOEN, Franz Baldauf
Gerhard Geissl vom Stadtarchiv befasst sich mit der Neustädter Zuckerindustrie. Foto: Baldauf

In diesem Frühjahr wurde in Wiener Neustadt von Werner Kohl und Susanna Steiger-Moser das Buch „Die österreichische Zuckerindustrie und ihre Geschichte“ herausgegeben. Zwei Beiträge darin stammen vom Neustädter Historiker Gerhard Geissl - in einem davon befasst er sich mit Zuckerrohr und Rohrzuckererzeugung im Allgemeinen, im zweiten mit der Zuckerfabrikation in Wiener Neustadt im Speziellen.

Nach gescheitertem Versuch in Wien nach Neustadt

Zucker galt im 18. Jahrhundert als äußerst hochpreisiges Luxuserzeugnis. In der Blütezeit um 1830 gab es 19 Raffinerien – eine der drei ältesten war jene von Wiener Neustadt. Die Gründung geht auf den Großhandelsunternehmer Kaspar Ferdinand Pöck zurück. Dieser unternahm 1789 einen vergeblichen Versuch, eine Befugnis für eine Raffinerie in Wien zu bekommen und versuchte schließlich sein Glück in Wiener Neustadt.

Nach einigen Schwierigkeiten und zahlreicher Weitergabe der Befugnis war es schließlich Friedrich Wilhelm Trenter, der im Dezember 1795 den Bau des nördlich des Fischauer Tores situierten Fabriksgebäudes abschließen und mit der Produktion beginnen konnte.

Ende nach Aufschwung des Rübenzuckers

Wie viele andere Betriebe kämpfte auch dieser zunächst ums Überleben, musste die Raffinerie sogar zwischenzeitlich stilllegen, schaffte letztendlich jedoch den Aufschwung. Während etwa Klosterneuburg und Wien geschlossen werden mussten, überstand die Neustädter Fabrik die stürmischen Zeiten und war schließlich eine von wenigen, die über die ersten Jahre ihres Bestandes hinausgekommen waren.

Mithilfe des Großhandelshauses Reyer und Schlick sowie dem späteren Obermeister und Werkführer Wilhelm Hinrich Rothermann wurde der Betrieb nach und nach ausgeweitet – die Erzeugung stieg im Laufe der Jahre auf 45.000 Zentner pro Jahr.

Der Aufschwung des Rübenzuckers, der den Verdrängungswettbewerb für sich entschied, bedeutete aber 1861 letztendlich das Ende der Zuckerraffinerie. 125 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz. Lange Zeit stand das Gebäude daraufhin leer und wurde nach und nach abgetragen. Heute befinden sich an seiner Stelle das BORG sowie die Feuerwehrzentrale.

Quelle: „Die österreichische Zuckerindustrie und ihre Geschichte 1750 bis 2013“, aus dem Beitrag „Zuckerfabrikation in Wiener Neustadt“ von Gerhard Geissl.