Prozess ab nächster Woche in Wr. Neustadt. Am Landesgericht Wiener Neustadt muss sich ab dem kommenden Montag ein 38-Jähriger wegen Mordes verantworten. Der Rumäne soll eine 83-Jährige in Gloggnitz (Bezirk Neunkirchen) im August des Vorjahres auf offener Straße erstochen haben. Die Staatsanwaltschaft brachte neben der Mordanklage einen Antrag auf Unterbringung ein. Ein Urteil wird für den 16. März erwartet.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 05. März 2020 (06:02)
Landesgericht Wr. Neustadt
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Der Beschuldigte ist bereits 2005 in seiner rumänischen Heimat kriminell in Erscheinung getreten. Der Mann beging laut Anklageschrift einen Raubmord an seinem Vermieter, indem er diesen von hinten mit einem Messer erstach. Am 31. Jänner 2006 wurde der Angeklagte in Rumänien zu einer Freiheitsstrafe von 17 Jahren verurteilt. Am 19. Dezember 2017 wurde er auf Bewährung entlassen.

Nach Österreich kam der 38-Jährige am 11. August des Vorjahres. Noch am selben Tag wurde er auf einem Pferdegestüt im Bezirk Neunkirchen, auf dem er künftig tätig sein sollte, eingeschult. Schon am ersten Abend soll sich der Beschuldigte einem langjährigen Mitarbeiter des Gestüts gegenüber auffällig verhalten und unter anderem geschrien haben, dass er alle umbringen würde.

Da sich der Rumäne am folgenden Tag nicht gerade durch Arbeitseifer auszeichnete, beschloss der Besitzer des Pferdegestüts auf Anraten des langjährigen Mitarbeiters, den 38-Jährigen zu kündigen. Die Entscheidung verkündete der Chef dem Rumänen am Abend des 13. August. Der Angeklagte wurde daraufhin vom Gestütbesitzer und dessen Frau per Pkw zu einer Bushaltestelle nach Gloggnitz gebracht. Das öffentliche Verkehrsmittel mit Ziel Rumänien erschien jedoch wegen eines Motorschadens nicht, weshalb der 38-Jährige die Nacht in einer Pension verbrachte.

Den Tag darauf vertrieb sich der Mann die Zeit, indem er in Gloggnitz umherging und nach Essbarem suchte. Am Vormittag des 15. August beschloss der 38-Jährige laut Anklage, den langjährigen Mitarbeiter des Pferdegestüts zu töten. Aus diesem Grund ließ er in einem Geschäft ein Küchenmesser mit einer Klingenlänge von 16 Zentimetern mitgehen. Der mutmaßliche Mordplan scheiterte allerdings daran, dass der Beschuldigte den Weg zum Pferdegestüt nicht fand.

Ziellos irrte der Mann weiter umher, mitunter bettelte er auch um Geld. Gegen Mittag des 16. August sah er die 83-Jährige in Gloggnitz, ging ihr etwa fünf Minuten lang nach und attackierte sie schließlich aus dem Hinterhalt mit dem Küchenmesser. Der Beschuldigte fügte der Seniorin zwölf wuchtige Stiche und Schnitte in den Hals- und Nackenbereich sowie den Rücken zu. Unter anderem wurde das Halsmark der Frau durchtrennt, wodurch das Opfer rasch starb.

Der Rumäne war nach der Attacke geständig. Er gab aber an, die 83-Jährige mit der Frau des Pferdegestütbesitzers verwechselt zu haben. Erst als er das Opfer auf den Rücken gedreht habe, habe er den Irrtum bemerkt, betonte der Angeklagte.

Das psychiatrische Gutachten des Sachverständigen Manfred Walzl bescheinigt dem Beschuldigten eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen und dissozialen Anteilen - "letztere im Sinne einer Psychopathie". Der 38-Jährige war Walzl zufolge zum Tatzeitpunkt zurechnungsfähig. Vorliegen würden jedoch die Voraussetzungen für eine Unterbringung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher gemäß Paragraf 21 Absatz 2 Strafgesetzbuch. Es sei mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, "dass der Angeklagte zu neuerlichen Tathandlungen mit schweren Folgen, darunter auch Mord, neigen wird".