Preis für Blick auf die „versunkene Welt“. Forschungsprojekt zur jüdischen Geschichte in der Region wurde mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet.

Von Philipp Hacker-Walton. Erstellt am 15. November 2020 (04:33)
Gert Dressel, Verleger Robert Ivancich, Werner Sulzgruber, Johann Hagenhofer, Chefkuratorin des Jüdischen Museums Wien Astrid Peterle und Friedrich Trimmel, Obmann Leader-Region Bucklige Welt-Wechselland.
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Große Anerkennung für ein wichtiges Forschungsprojekt der Region: Der Verein LAG Bucklige Welt-Wechselland als Projektträger ist beim Niederösterreichischen Kulturpreis 2020 mit dem Anerkennungspreis in der Kategorie „Sonderpreis Präsentation und Vermittlung von Zeitgeschichte in Niederösterreich“ ausgezeichnet worden.

Wie berichtet, haben die Historiker Johann Hagenhofer (organisatorischer Leiter), Werner Sulzgruber (wissenschaftlicher Leiter – jüdische Geschichte) und Gert Dressel (Oral History) in einem gemeinsamen Projekt ab 2016 die Geschichte und das Leben der jüdischen Bevölkerung in 26 Gemeinden der Region von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zur Verfolgung 1938 erforscht. 18 Personen waren daran beteiligt, in Archiven zu recherchieren und mit Zeitzeugen Interviews zu führen.

Auf Basis der Forschungen entstand das Buch „Eine versunkene Welt“ (Kral-Verlag), zudem konnte die Ausstellung „Mit ohne Juden“ im neuen Zeitgeschichtemuseum im Hacker-Haus in Bad Erlach Gestalt annehmen, für die die Zeitzeugen-Gespräche, tausende digitalisierte Dokumente und historische Fotografien zur Verfügung gestellt wurden.

„Einblick in Leben der jüdischen Bevölkerung“

„Die Ergebnisse des Projekts ermöglichen einen völlig neuen Einblick in das Leben der jüdischen Bevölkerung in der Buckligen Welt“, heißt es in der Preisträger-Broschüre des NÖ Kulturpreises über das Forschungsprojekt.

Das Projekt sei „bislang einzigartig in Österreich“, sagt Historiker Werner Sulzgruber, der die wissenschaftliche Leitung führte, zur NÖN: „Denn erstmals wurde die Geschichte der Juden für zwei Regionen flächendeckend und unter Heranziehung aller Quellen – einschließlich lokal greifbarer Dokumente aus einzelnen Gemeindearchiven und Privatsammlungen sowie einer Reihe von Zeitzeugen-Interviews – detailliert erforscht.“