Geschichte zum Angreifen in Schwarzenbach. Besucher erfuhren dank Archäologen des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie, wie spannend Geschichte sein kann.

Von Franz Stangl. Erstellt am 01. August 2020 (05:11)
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An drei Freitagen lud das archäologische Freilichtmuseum Schwarzenbach-Burg zu den „Tagen der offenen Ausgrabung“. Viele Besucher erfuhren dank Archäologen des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie, wie spannend der Blick in die Vergangenheit sein kann.

Anfang Juli hatten die Arbeiten zur Freilegung von weiteren 250 Quadratmetern Fläche im unmittelbaren Bereich des Freilichtmuseums begonnen. Dabei setzten sie die Arbeiten an jener Stelle fort, an der sie letzten Herbst begonnen hatten. Das im Vorjahr zur Hälfte freigelegte, 15 Meter lange bronzezeitliche Langhaus konnte jetzt vollständig ergraben werden.

Funde deuten auf eine Nutzung als Wohngebäude hin, wobei vermutlich auch Haustiere darin gehalten wurden. Auf der Fläche dieses Gebäudes sowie weiteren freigelegten Wohnflächen, konnten wieder Funde gemacht werden, die das Wissen um die Besiedelung am Burgberg erweitern. Die Teile eines etwa 4.800 bis 5.000 Jahre altes Steinbeils weisen wieder einmal darauf hin, wie lange der Burgberg schon bewohnt war. Die eiserne Spitze eines Speers, die nach vorsichtigen, ersten Schätzungen aus dem 11. bis 13. Jahrhundert stammt, macht dagegen deutlich, dass der Burgberg auch nach Auflösung der Keltensiedlung zumindest sporadisch von durchreisenden Gruppen frequentiert und kurzzeitig bewohnt wurde.

Seit 1990 werden Ausgrabungen im Bereich der ehemaligen Keltensiedlung durchgeführt. Inzwischen wurden knapp vier Prozent des insgesamt 15 Hektar großen Areals erforscht. „Vier Prozent klingt nicht viel, ist aber sehr viel“, so der Leiter des experimentalarchäologischen Projekts in Schwarzenbach Wolfgang Lobisser zur NÖN.

Trotz negativer Begleitumstände – wie etwa die Bewirtschaftung samt Umackern des Geländes bis zum Beginn der Ausgrabungen vor 30 Jahren sowie Raubgänger mit Sonden – konnte dem Boden noch genug Wissen um die Vergangenheit Schwarzenbachs entrissen werden. Große Hoffnungen setzt man auf weitere Grabungen. „Es gibt noch viele Hoffnungsgebiete. Spannend wird es im Wald, wo eher Hoffnung auf unbeschädigte Funde besteht. Dabei treten die Kupfer- und Bronzezeit immer mehr in den Vordergrund“, meint Lobisser.