Gemeinden stellen Versorgung sicher. Die NÖN hat mit Bürgermeistern aus dem Piestingtal über die Auswirkungen der Corona-Krise gesprochen.

Von Sabrina Mayer. Erstellt am 24. März 2020 (04:01)
Symbolbild
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„Das Gemeindeleben ist massiv beeinträchtig. Alles Gesellschaftliche ist derzeit liegen geblieben. Auch im Gemeindebetrieb haben wir nur die halbe Besetzung, sprich auch halben Dienst. Es ist auf 20 Wochenstunden reduziert worden", schildert Gustav Glöckler, ÖVP-Bürgermeister von Wöllersdorf-Steinabrückl, im Gespräch mit der NÖN. Die Gemeinde organisiert Hilfe beim Einkaufen und bei Arztbesuchen, "aber die Nachfrage war bis jetzt gering", sagt Glöckler. Wer Hilfe benötigt, kann sich telefonisch bei der Gemeinde melden. Im Kindergarten seien derzeit nur eine Handvoll Kinder, sagt Glöckler: "Ich möchte auch ein großes Lob an alle Eltern erteilen, da zirka 95% der Kinder daheim sind und dass nur, wenn es sein muss, Kinder da sind." Seitens der lokalen Wirtschaft gab es laut Glöckler erste Ansuchen auf Stundungen, dem werde man nachkommen.

In Markt Piesting wurde das "Mobile Rathaus" (0664/88 231 688) ins Leben gerufen: "Hier machen wir Einkaufs- und Medikamentenfahrten. Auch der Jugendverein und die Nachbarschaftshilfe bieten ihre Hilfe an", sagt ÖVP-Vizebürgermeister Franz Wöhrer. Er sagt, man sei "wirklich dahinter gewesen" und habe sich vorige Woche zwei Mal - "natürlich mit Distanz zueinander" - zu Besprechungen getroffen: "Wir haben bislang keine negativen Rückmeldungen erhalten, alle halten das Ausgehverbot ein." In den Schulen seien nur ein bis zwei Volks- und Mittelschulkinder anwesend, in der Vorwoche waren zwei Kinder im Kindergarten Dreistetten und ein bis zwei Kinder im Kindergarten in Markt Piesting.

In Waldegg gibt es einen "Jung hilft Alt"-Marathon der Landjugend. Kontakt: Lisa Schönthaler Tel.: 0676/3781163 oder über die Gemeinde Tel.: 02633/42285. „Auf der einen Seite steht das Gemeindeleben als solches still und auf der anderen Seite gibt es vermehrt diesen Zusammenhalt von Nachbarn und älteren Leuten. Es wird wieder viel mehr aufeinander geschaut und das ist wichtig. Der Zusammenhalt funktioniert sehr gut", sagt Bürgermeister Michael Zehetner (ÖVP). Gemeindearzt Peter Deiser hat wie gewohnt seine Arztpraxis und Hausapotheke geöffnet. Ältere und kranke GemeindebürgerInnen können Medikamente in der Ordination telefonisch bestellen. Die Auslieferung erfolgt durch die Mitarbeiter der Gemeinde. "Andybäck" Andreas Hoffellner bietet unter 0676/4766691 oder 0676/7103822 einen Lieferservice an, die Bäckerei Josef Sommer bietet unter 0676/6663277 ebenfalls einen Lieferservice an. Seitens der Gemeinde gibt es "Essen auf Rädern" (0650/3555680) und ein Einkaufsservice für ältere und kranke Bürger (02633/42285).

„Es halten sich ziemlich alle an die Regeln und Vorgaben. Die Hilfsbereitschaft ist von allen Seiten vorhanden. Es haben sich aber auch viele Freiwillige gemeldet. Auch die Rundumversorgung ist gewährleistet. Aber in der Gemeinde ist alles soweit ruhig", sagt Wolfgang Stückler, ÖVP-Bürgermeister von Miesenbach. Wer Unterstützung beim Lebensmitteleinkauf oder Medikamentenbesorgungen benötigt, kann sich bei der Gemeinde melden. Kindergarten und Kinderhort haben noch wie vor offen, laut Stückler sind zwei bis drei Kinder teilweise da.

Auch in Pernitz gibt es Hilfe seitens der Gemeinde, wie Bürgermeister Hubert Postiati (ÖVP) schildert: „Wir tätigen Einkäufe per Lieferschein beim Spar. Das bedeutet, dass die Gemeinde im Voraus zahlt und, wenn sich die Lage beruhigt hat, die Personen das Geld an die Gemeinde zurücküberweist. Für Einkäufe ist die Gemeinde ist telefonisch von Montag bis Freitag von 7 bis 19 Uhr erreichbar. Der Einkauf wird danach getätigt und von den Bauhofmitarbeitern ausgeliefert. Samstag und Sonntag übernehmen es Lukas Brodtrager oder Christian Herger." Kontakt von 9 bis 19 Uhr über die Hotline 0676/7537366, per Email an gemeinde@pernitz.co.at, außerhalb dieser Zeiten bei Lukas Brodtrager (0676/9475245) oder Christian Herger (0676/3387850). Christian Guthauer von "Miteinander" hat zudem die Facebook-Gruppe "Pernitzer Nachbarn helfen" ins Leben gerufen, hier bieten rund 50 Personen ihre Hilfe an.

"Es ist alles ruhig. Die Leute halten sich an Vorgaben", berichtet Andreas Knabel, SPÖ-Bürgermeister von Neusiedl-Waidmannsfeld: „Wir haben einen Medikamenten- und Essensbeschaffungsdienst eingerichtet. Auch melden sich viele junge Leute freiwillig für Einkaufsfahrten, jedoch machen die Gemeinderäte das hauptsächlich.“

In Muggendorf wurde ein Krisenstab gegründet, "seit voriger Woche gibt es einen Einkaufsservice und Medikamentenservice, den Matthias Pasquali organisiert", sagt WIR-Bürgermeister Uwe Mitter. Kontakt: 02632/74334. Wie hat das Coronavirus das Gemeindeleben beeinflusst? „Es ist generell alles entschleunigt und ruhig. Jedoch trotz der Aussagen der Bundesregierung agieren nicht ortsansässige nicht danach und fahren zu den Myrafällen, die derzeit geschlossen sind. Ich ersuche die getroffenen Maßnahmen der Bundesregierung ernst zu nehmen und Rücksicht auf die ansässige Bevölkerung zu nehmen", sagt Ortschef Mitter.

In Gutenstein würden die Menschen "halbwegs brav zuhause bleiben, es sind aber jetzt sehr viele Wiener in Gutenstein", sagt GfG-Bürgermeister Michael Kreuzer. Insgesamt "ist alles ruhig und es gibt keine Hektik." Die Gemeinde hat einen Hilfsdienst für Besorgungen eingerichtet, sagt Kreuzer: "Die Personen, die den Dienst in Anspruch nehmen bekommen dann zu dem Einkauf einen Erlagschein beigelegt für die Bezahlung. Den Service machen die Gemeinde und auch die Landwirte. Der Service bietet von Medikamentenzustellungen bis zum Einkaufszustellungen an. Das Gemeindetelefon (02634/7220) ist weitergeleitet worden auf Homeoffice, sprich sind wir rund um die Uhr erreichbar. Auch meine Telefonnummer (0676/5223667 oder 0676/840023202) ist ebenfalls angegeben.“ Die erste Lebensmittelzustellung hat vergangenen Dienstag Alt-Bürgermeister Ernst Hohenbichler, der stolze 92 Jahre als ist, erhalten.

„Das Gemeindeleben ist sehr beeinflusst. Die Leute sind entspannt und es herrscht keine Aufregung", sagt Christian Wagner, ÖVP-Bürgermeister von Rohr im Gebirge: "Viele Städter flüchten zu uns, weil sie bei uns Platz haben um sich zu bewegen zu können ohne, dass man wen anderen auf die Füße steigt. Es ist relativ viel Verkehr und sehr viele Motorradfahrer.“ Die Gemeinde bietet Hilfe bei Besorgungen und Arztbesuchen an, hauptsächlich würden sich Menschen jedoch an Angehörige richten. Der Kindergarten ist nicht geschlossen, es seien aber aktuell keine Kinder da, die betreut werden.