Alte Kfz-Kennzeichen: Aus Liebe zum ersten Fahrzeug. Noch heute fährt Franz Wunderl mit seinem ersten Auto – seit 34 Jahren mit schwarzer Nummerntafel vom Vater.

Von Bettina Kreuter. Erstellt am 06. August 2019 (04:51)
Kreuzter
Franz Wunderl mit seinem Mercedes E 190, der ihn in 34 Jahren kein einziges Mal im Stich gelassen hat.

Schwarz gekleidet, blau-schwarzer Mercedes E 190 und schwaze Nummerntafel: So ist Franz Wunderl oft anzutreffen, wenn er mit seinem Auto unterwegs ist. Das Kennzeichen ist noch älter als das Auto (Zulassung 1985): „Die Nummerntafel habe ich von meinem Vater übernommen. Das war damals möglich“, erzählt der Sollenauer. Von seinem Vater übernahm er 1972 auch das Schuhhaus, das er weit über die Grenzen Sollenaus hinaus bekannt machte. Fußballer und Stars gaben sich bei ihm die Türklinke in die Hand.

Lange musste er auf sein erstes Auto sparen, denn es sollte ein Mercedes sein. Jenes Auto, das sich der Vater immer gewünscht hatte.

Und genauso wie das alte Kennzeichen mit dem Auto von einer tiefen Verbundenheit zum Vater zeugt, macht es auch die Uhr des ehemaligen Bürgermeisters von Sollenau: „Das Uhrband ist noch immer dasselbe wie bei meinem Vater, ich lasse es nicht wechseln“, zeigt Franz Wunderl seine selbstaufziehende Eterna Matik am Handgelenk.

Fast verwundert es ein bisschen, wenn jener Mann, der Jahrzehnte für die exquisiteste Schuhmode verantwortlich zeichnete, in Bezug auf das Auto sagt: „Die Optik ist mir immer egal gewesen, wichtig ist die Fahrsicherheit.“ Man vermag sich selbst davon zu überzeugen: Der Mercedes steht immer im Freien, die Schrauben der Nummerntafeln sind rostig und Hagel hinterließ kleine Dellen. Auch mit Vandalismus ist Wunderl mitten in Sollenau konfrontiert. Der Mercedes-Stern wurde bereits dreimal gestohlen. Einmal kaufte er einen neuen nach und ließ ihn sandstrahlen.

Geschätzter Kilometerstand von 760.000 Kilometern

Franz Wunderl weiß, dass es immer eine Möglichkeit gibt, ein „Pickerl“ für das fast 35 Jahre alte Auto zu bekommen. „Du brauchst gute Freunde, die dir helfen, das Auto fahrsicher zu machen“, so Wunderl. Wie viel Geld er dafür in die Hand nimmt, darüber spricht er nicht.

Den Fahrersitz musste der 75-Jährige bereits dreimal tauschen lassen. Die Federn haben sich durchgedrückt und ihm schon vier Hosen zerrissen. Als Beifahrer sitzt es sich erstaunlich bequem im Mercedes E 190, fast wie in einem Sofa daheim.

Heute fährt Franz Wunderl nur mehr lokale Strecken: Er bringt die Enkelkinder in die Schule nach Wiener Neustadt oder holt die Bauernmilch aus Bad Erlach. Früher, als das Fliegen noch teuer war, unternahm er viele Geschäftsreisen mit seinem Mercedes – nach Padua, Düsseldorf oder Mailand. Zum Schifahren am Arlberg ging es elf Jahre lang ebenfalls mit dem Mercedes: Schi am Dach, Koffer per Zug vorausgeschickt, Vater und Sohn vorne, Frau und die beiden Töchter hinten.

Wie viele Kilometer der Mercedes schon drauf hat, lässt sich nicht genau sagen: „Bei 500.000 Kilometern habe ich ein Foto mit dem Handy gemacht, das ist auch schon viele Jahre her“, so Wunderl. Dann wurde der Tacho getauscht. Dieser funktioniert nicht, wenn es heiß ist: Deshalb schätzt Franz Wunderl den Kilometerstand heute auf 760.000.