Mangel bei Personal für Pflege. In Zukunft werden Pflegeeinrichtungen, mobile Dienste und 24-Stunden-Betreuer mehr Menschen pflegen müssen, besagt der aktuelle NÖ Altersalmanach. Die NÖN recherchierte die Situation im Bezirk.

Von Sara Brandstätter. Erstellt am 09. Juli 2019 (04:41)
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Für das Jahr 2035 wird ein Anstieg von mehr als 70 Prozent der über 80-Jährigen im Bezirk sowie der Stadt Wiener Neustadt vorhergesagt. Die Pflegeeinrichtungen der Stadt bereiten sich schon jetzt auf die große Zunahme der pflegebedürftigen Menschen vor.

Das Traude Dierdorf Stadtheim wurde im Jänner 2017 vom Haus der Barmherzigkeit übernommen. Seitdem ist ein Aus- und Umbau geplant, der bereits neben dem Normalbetrieb läuft. Im Herbst des vergangenen Jahres startete man mit den Vorbereitungen, am 4. April fand die Grundsteinlegung statt. „Wir bereiten uns mit neuem Haus darauf vor, die Kapazitäten zu erhöhen“, erklärt Heimleiter Lukas Pohl, der auch auf den aktuellen NÖ Altersalmanach verweist.

Quelle: NÖ Altersalmanach; Illustration: Mascha Tace/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Gastegger

Zur Zeit gibt es 91 Plätze für Langzeitpflege, 99 Menschen sind im betreuten Wohnen untergebracht. Nach dem Umbau sollen den pflegebedürftigen Personen 162 Langzeitpflegeplätze zur Verfügung stehen. Im letzten Ausbauschritt soll ein sozialgeförderter Wohnbau errichtet werden. Außerdem sei man im regen Austausch mit den zuständigen Behörden und der Landesrätin, um den Anstieg der kommenden Jahre zu meistern.

Im NÖ Pflege- und Betreuungszentrum Wr. Neustadt zeigt man sich mit 164 Plätzen gut vorbereitet für die nächsten Jahre. Direktorin Eva Friessenbichler sagt im Gespräch mit der NÖN: „Ich glaube, wir sind gut aufgestellt und gerüstet für die nächsten Jahre.“ Die Landesregierung sei daran, dass dementsprechende Maßnahmen gesetzt werden.

Mobile Pflege muss auch aufstocken

Die Leiterin der Pflege der Caritas Wien Ilse Simma-Boyd ist sich des Problems des Personalmangels ebenfalls bewusst. Schon jetzt fehle es an Pflegepersonal, „ich finde keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr für die Langzeitpflege. Wir haben eine Personalnot“, erklärt Ilse Simma-Boyd.

Das sei vor allem ein Problem, weil es in Zukunft auch in der mobilen Pflege einen deutlichen Anstieg geben wird. „Ich wünsche mir von der Politik Lösungen im Großen, jeder Ausbildungszugang muss möglich sein“, fordert sie.

Andrang zur Ausbildung „stark rückläufig“

Ähnlich sieht es auch die Direktorin des Hilfswerks NÖ und ÖVP-Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer: „2050 werden wir 3,5-mal so viel Pflegepersonal brauchen wie jetzt.“

Auch bei der Volkshilfe zeigt man sich vorbereitet, an Personal mangelt es aber auch hier. Die Volkshilfe habe es sich zum Ziel gesetzt, die Rahmenbedingungen für Bewerber und Mitarbeiter so zu gestalten, dass die Volkshilfe als attraktive Arbeitgeberin wahrgenommen und wertgeschätzt werde, erklärt der Geschäftsführer der Volkshilfe NÖ Gregor Tomschizek.

Im Mater Salvatoris Genesungs-, Wohn- und Pflegeheim in Bad Erlach kämpft man ebenfalls mit denselben Problemen. In Zukunft werde es noch schwieriger, denn „die Anmeldungen zu den Ausbildungsplätzen sind stark rückläufig“, sagt Geschäftsführerin Claudia Hofmann.

In Stadt und Bezirk bereiten sich die verschiedensten Pflegedienste bereits auf die hohen Anstiegszahlen der kommenden Jahre und Jahrzehnte vor. Ob man durch den Ausbau der Plätze gut vorbereitet ist, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

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