Sicherheit für Radfahrer: Schulweg sicherer gestalten. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger, bei dem zwei Kinder gestorben sind, ist eine Debatte über das Radwegnetz in NÖ entbrannt.

Von Sara Brandstätter. Erstellt am 13. August 2019 (05:32)
Brandstätter
Radexperte Hannes Höller an der Ecke Heimkehrerstraße/Kollonitschgasse.

Er ist mit seinem Rad und einem Fahrradanhänger unterwegs, tritt in die Pedale und wartet bis die Ampel grün wird. Hannes Höller überquert die Kreuzung am Bahnhof an der Ecke Heimkehrerstraße/Kollonitschgasse und erklärt, warum die Stelle eine Gefahrenzone für Fahrradfahrer ist: „In der Kollonitschgasse gibt es keine Radinfrastruktur. Hier ist auf einmal Tempo 50.“ Eine Sofortmaßnahme, um die Gefahr für Radfahrer zu entschärfen, ist die Umsetzung von Tempo 30. „Es wäre ein Sicherheitsgewinn für alle“, meint Hannes Höller, der diese Maßnahme gemeinsam mit der Radlobby von der Stadtpolitik fordert.

Das größte Problem in Wiener Neustadt sei, dass es keine durchgehenden Radwege gibt. „Schon bei der Planung der Infrastruktur muss darauf geachtet werden, dass die Fahrradverbindungen ,eight to eighty‘ tauglich sind. Ein achtjähriges Kind muss sich genau so sicher fühlen wie eine 80-jährige Frau“, sagt Hannes Höller.

Eine weitere Gefahrenzone in der Stadt ist die Ungargasse. Stadteinwärts Richtung Hauptplatz ist kein Radweg vorhanden. Laut Radlobby würde auch hier eine Verringerung auf Tempo 30 helfen: „Es würde nicht einmal wirklich auffallen, die meisten stehen eh im Stau.“

Radanhänger sicherer als Transport im Auto

Bei der Verwendung von Fahrradanhängern hat Hannes Höller viele Jahre an Erfahrung mit seinen beiden Kindern: „Im städtischen Bereich sind Radanhänger kein Problem. Durch die Größe sorgt er für mehr Aufmerksamkeit und die Autofahrer wissen mittlerweile, dass da Kinder drinnen sitzen“, so die Erfahrungen des Radfahrexperten. Er verweist auch auf eine Studie des Automobilclubs ADAC, in der festgestellt wurde, dass die Unfallwahrscheinlichkeit für Kinder höher ist, wenn diese mit dem Auto anstatt zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Schule fahren oder gehen.

Sicherheit am Schulweg: Schulstraßen gefordert

Um den Schulweg für Kinder und Jugendliche sicherer zu gestalten, gibt es ein bereits erprobtes Konzept: Die Schulstraßen. Hier wird vor Schulen ein temporärer, autofreier Bereich eingeführt. Von 7.30 bis 8 Uhr und zu Schulendzeiten dürfen nur Anrainer in der Straße fahren.

„Ein Vorschlag dafür wäre die Burkhardgasse vor dem BRG Gröhrmühlgasse“, sagt Hannes Höller, „der ÖGB-Parkplatz ist eine Alternative zum Parken für die wartenden Eltern. Es wäre kein zeitlicher Mehraufwand sondern nur eine Änderung der Gewohnheiten“. Denn vor allem in Schulnähe seien viele mit dem Rad oder Fahrradanhänger unterwegs.

In Richtung Stadtpolitik hätte es von der Radlobby neben Forderungen der Umsetzung einer Schulstraße auch Einladungen für eine gemeinsame Fahrt nach Wien, um sich bereits erfolgreiche Schulstraßen anzusehen, gegeben. Eine Antwort sei aber nie gekommen. Hannes Höller zeigt sich trotzdem optimistisch: „Wir fordern nichts Illusorisches, nur etwas, dass in anderen Städten schon Praxis ist“.

Auf Anfrage der NÖN verweist ÖVP-Stadtrat Franz Dinhobl von der bunten Stadtregierung auf ein gemeinsames Treffen im Herbst: „Mit der Radlobby stehen wir in regelmäßigem Kontakt und Austausch. Auch im Herbst wird es wieder eine dieser Zusammenkünfte geben, wo wir uns über aktuelle und zukünftige Fragen zum Radverkehr unterhalten werden“.

Hannes Höller ist sich sicher: „Die Stadt kann in zwei Dingen für mehr Sicherheit beim Radfahren sorgen: Einerseits bei der Infrastruktur und andererseits mit Bewusstseinsbildung“.

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