Stadion: Bürger sollen jetzt entscheiden. Nach dem „Nein“ vom Bund will die SPÖ jetzt an der B54 die mehrfunktionale Sportanlage bauen und startet im Oktober eine Bürgerbefragung.

Von Josef Kleinrath und Fritz Hauke. Erstellt am 08. September 2014 (08:59)
SPÖ-Sportstadtrat Horst Karas, SC Wiener Neustadt-Vizepräsident Ralph Spritzendorfer, SPÖ-Bürgermeister Bernhard Müller und SPÖ-Stadtrat Martin Weber präsentierten die neuen Stadionpläne.
NOEN, Fritz Hauke
Samstag, kurz nach 9 Uhr in der Geschäftsstelle des SC Wiener Neustadt. Dort, wo sonst Heimo Pfeifenberger, Adi Hütter und Co. zu den Bundesligaspielen Stellung nehmen, sitzen dieses Mal SPÖ-Bürgermeister Bernhard Müller, die SPÖ-Stadträte Martin Weber (Finanzen) und Horst Karas (Sport) sowie SC-Vize-Präsident Ralph Spritzendorfer. Ihr Thema: Neue Entwicklungen in der Causa „Mehrfunktionale Sportanlage“.

Die neueste Entwicklung: Der Bund sagt „Nein“ zu einer Drittelfinanzierung mit Stadt und Land. „Ich glaube, der Minister ist in dieser Frage schlecht beraten“, meint Karas Richtung Gerald Klug. Zusätzlich zu der Absage vom Bund ergaben sich beim geplanten Standort Gleisschotterdeponie/Alter Schießstand Probleme. „Die alte Schießstätte liegt sehr tief und wir haben in Wiener Neustadt einfach ein Grundwasserproblem.

Das heißt, wir müssten dort aufschütten. Weiters sind die Wohnhäuser sehr, sehr nahe. Experten sehen es als schwierig, dort ein Stadion hinzubauen“, gibt Karas Einblick. Mit dieser Problematik ist dieser Standort vom Tisch. Aber die SPÖ hat einen Plan B im Talon. Es soll die B54 werden. Dort, wo schon Frank Stronach zu seiner Wiener Neustädter Zeit ein Stadion bauen wollte.

Neun Millionen als Kostenpunkt

Bürgermeister Bernhard Müller: „Wir hoffen auf Unterstützung des Landes Niederösterreich. Wir binden alle Player mit ein. Die B54 hat den großen Vorteil, dass wir dort keine teure Aufschüttung oder ähnliches machen müssen.“ Die Anlage soll auch ein Magnet für die Wirtschaft sein. „Wir wollen, dass das Stadion ein Motor für Betriebsansiedlungen ist. Das wäre ein Impuls, nicht nur für den Sport. Bei den Kosten kann man von neun Millionen Euro ausgehen“, so Müller.

Ob die Anlage kommt oder nicht, liegt auch in den Händen der Bürger: Von 27. bis 31. Oktober sollen die Wiener Neustädter entscheiden, ob sie ein Stadion wollen. Der Stadtchef: „Man kann in einer repräsentativen Demokratie nicht alles abfragen lassen. Aber es gibt Leuchtturmprojekte, wo ich es als Pflicht ansehe, die Meinung der Bürger zu hören. Und das ist bei diesem Thema der Fall.“ Müller würde sich über 20 Prozent Beteiligung wünschen.

Auch Video-Wall steht im Anforderungskatalog

Einer der Hintergründe für eine neue Anlage: Die Fußball-Bundesliga bläst zur Infrastruktur-Offensive. Das Flutlicht wurde diesen Sommer adaptiert, die Brocken werden in den kommenden Jahren größer. „Die Anforderungen an Bundesligastadien werden immer weiter erhöht. Überschaubar ist noch die Änderung, dass es ab der kommenden Saison 2.000 überdachte Plätze geben muss. Da fehlen uns circa 250.“ 2016 müssen Bundesligastadien mit einer Rasenheizung ausgestattet werden –  sonst muss der Verein von 15. November bis 15. März in einem Ausweichstadion spielen. Auch eine Video-Wall steht im Anforderungskatalog.

Spritzendorfer erklärt: „Der Investitionsbedarf, um hier bundesligatauglich zu bleiben, geht in die Millionenhöhe.“ Sollten sich die Bürger gegen ein Stadion aussprechen, wird in den jetzigen Standort investiert. Müller: „Aber nur das Notwendigste. Und damit hätten wir die Anrainer-Problematik und die verheerende Parkplatzsituation noch nicht gelöst. Nächstes Jahr würden wir dann 60 Jahre Stadion mit einem recht faden Beigeschmack feiern.“