Bauernhof-Tiere als Internet-Stars in Bad Schönau. Viktoria Haidl und Manfred Wiesbauer bringen Details zur Landwirtschaft aufs Handy.

Von Katrin Schinewitz. Erstellt am 31. März 2021 (11:01)

Lange war für die ursprüngliche Wienerin Viktoria Haidl das „landwirtschaftliche Einmaleins“ so gar nicht selbstverständlich – bis heute bemerkt die Landwirtin, die gemeinsam mit Manfred Wiesbauer einen Hof in Maierhöfen betreibt, bei vielen Menschen aus dem städtischen Bereich eine „ganz andere Wahrnehmung von Landwirtschaft“, wie sie erklärt: „Da gibt es Kinder, für die sind Kühe genauso real wie ein Pokemon“, erzählt sie mit einem Augenzwinkern. Grund genug für sie und Manfred Wiesbauer, unter dem Titel „MaVi“ Einblicke aus dem Bauernhofalltag auf Facebook und Instagram zu teilen und so Aufklärungsarbeit zu leisten.

Ihren Hof in Maierhöfen haben Manfred Wiesbauer und Viktoria Haidl im Jahr 2018 von Manfreds Onkel und Tante übernommen. Davor lebten die beiden in Scheiblingkirchen (Bezirk Neunkirchen), wo sie ebenfalls einen Bauernhof führten. 2018 packten sie schließlich ihre Taschen und zogen nach Bad Schönau.

Mittlerweile betreuen sie auf ihrem „MaVi“-Hof eine 28-köpfige Herde in biologischer Kreislaufwirtschaft mit Mutterkuhhaltung, was bedeutet, dass die Tiere im Familienverband leben, am Ende ihres etwas kürzeren Lebens jedoch geschlachtet werden, um qualitativ hochwertiges Rindfleisch anbieten zu können. „Glück schmeckt man. Nur ein zufriedenes Tier kann ein Qualitätsprodukt liefern“, sind die beiden überzeugt. Nachhaltigkeit und artgerechte Haltung sind den beiden besonders wichtig.

Bis zum Sommer soll ihr eigens gebauter Schlachtraum fertig sein, um die Tiere zusätzlich vor dem Stress des Transports zu schützen. „Wir wollen wirklich vom Anfang bis zum Ende wissen, was mit unseren Tieren passiert“, so Viktoria Haidl. Das produzierte Rindfleisch wird per Direktvermarktung verkauft. Auch wenn Viktoria Haidl durch ihre enge Verbindung zu den Tieren dem Schlachten noch etwas zögerlich gegenübersteht, freut sie sich auf die neuen Aufgaben, die auf sie zukommen werden.

Dass Kinder aus der Stadt einen anderen Zugang zur Landwirtschaft haben, ist Haidl bereits beim Projekt „Schule am Bauernhof“ aufgefallen. Mit den „MaVi“-Hof-Geschichten will man zusätzlich virtuell aufklären. Ausgelöst durch den ersten Lockdown im März 2020 hat Haidl begonnen, Einblicke vom Bauernhofalltag auf Facebook und Instagram zu teilen. Aus einfachen Fotos wurden im Laufe der Zeit kurze und prägnante Videos, bei denen bestimmte Themen simpel erklärt werden. Haidl ist es vor allem wichtig, sich und den Hof authentisch zu zeigen.

Das Fazit nach einem Jahr auf Instagram und Facebook ist in erster Linie positiv. „Natürlich gibt es immer wieder Leute, die nicht begeistert sind, dass unsere Tiere geschlachtet werden. In solchen Fällen gilt es für uns erst recht aufzuklären. Zu einem Kreislauf gehört der Tod nun mal dazu und unsere Tiere führen ein kurzes, aber lebenswertes Leben“, so Haidl. Aber auch positive Rückmeldungen bleiben nicht aus. „Unsere Videos kommen größtenteils gut bei den Leuten an. Viele sind interessiert und wollen auch wirklich was dazulernen“, freut sich Haidl.

Zu finden sind Geschichten vom „MaVi“-Hof auf Facebook („MaVi-Hof“) oder auf Instagram („mavi_hof“). Sogar auf „TikTok“ ist man vertreten.