"Möchte eine Stimme für Soziales sein". Der neue SPÖ-Gemeinderat will sich für ein gutes Miteinander einsetzen und „die Stadt so sozial wie möglich machen.“

Von Philipp Hacker-Walton. Erstellt am 24. Februar 2020 (13:56)
SPÖ-Gemeinderat Kanber Demir
Philipp Hacker-Walton

Kanber Demir war bei der Wahl die große Überraschung bei den Vorzugsstimmen: 443 entfielen auf ihn, nur Spitzenkandidatin Margarete Sitz erhielt mehr (483), kein anderer auf der SPÖ-Liste hatte überhaupt mehr als 100. Wer ist der Mann, der als politisch unbeschriebenes Blatt bei der Wahl so viel persönlichen Zuspruch erfuhr und jetzt für die SPÖ in den Gemeinderat einzieht?

„Ich bin ein Mensch, der offen für alle ist – egal, welche Religion oder Nation, im Mittelpunkt steht für mich der Mensch, so wie er vor mir steht und mit mir redet“, sagt Kanber Demir. Der 35-Jährige ist verheiratet, hat drei Kinder und ist seit einem knappen Jahrzehnt als Vesicherungsberater selbstständig.

Die Idee, in die Politik zu gehen, sei ihm im Jahr 2015 im Zuge des Flüchtlingszuzugs gekommen, sagt Demir: „Da habe ich mir gedacht: Du musst etwas tun, du kannst nicht nur zuschauen.“ Zur SPÖ zu gehen, sei logisch gewesen: „Die SPÖ hat viel für die Menschen getan, das Land wieder aufgebaut. Sie hat auch den Gastarbeitern die Arme geöffnet, jetzt will ich etwas zurückgeben.“

Als Gemeinderat will er „einen gemeinsamen Nenner finden und die Stadt wieder so sozial wie möglich machen.“ Welche Rolle er spielen kann? „Ich möchte Sichtweisen und Erfahrungen aus der Migranten-Community einbringen. Diese Leute brauchen eine Stimme. Ich will diese Stimme sein – eine Stimme für Soziales, für Gerechtigkeit, für Leute, die benachteiligt sind. Ich verstehe die Leute, ich bin selbst in Ghetto-artigen Umständen aufgewachsen, hatte als Kind kein Fahrrad, kein Spielzeug.“

Demir hat kurdische Wurzeln, er wurde 1984 in der Türkei geboren, die Familie folgte dem Vater, der als Gastarbeiter kam, 1988 nach Österreich. „In unserer ersten Wohnung hatten wir zwei Zimmer für sechs Leute, keine Dusche, kein WC.“ Seine Kindheit und Jugend verbrachte Demir in Lichtenwörth, Pernitz – und schließlich in Wiener Neustadt. „Mein Wunsch war es, in die HTL zu gehen, doch ich musste arbeiten, um die Familie zu unterstützen.“ Auf ein Lehrjahr im Elektrohandel folgten fünf in einer Druckerei, ehe er in die Versicherungsbranche kam.

In der Stadtpolitik will sich Demir u.a. beim Thema Integration einbringen: „Ich möchte eine Vertrauensperson für Migranten und für gebürtige Österreicher sein. Ich glaube nicht, dass es in der Stadt eine Parallelgesellschaft gibt. Mit Reden kannst du alle Vorurteile wegschaffen.“ Wie sieht er die geplante Zusammenarbeit mit der FPÖ im Stadtsenat? „Ich möchte ein Gespräch führen, in dem wir uns gegenseitig alles sagen können – und nicht angefressen sind, wenn wir am Ende aufstehen.“