Wiener Neustadt

Erstellt am 18. Januar 2017, 13:32

von Josef Kleinrath

Pröll-Rücktritt: Reaktionen aus Wiener Neustadt. In Wiener Neustadt wurde der angekündigte Rücktritt von Erwin Pröll sehr überraschend zur Kenntnis genommen.

Pröll und Schneeberger  |  Franz Baldauf

Mit SPÖ-Klubobmann Alfredo Rosenmaier kommt eine maßgebliche Kraft des politischen Gegners aus dem Bezirk. Der Ebenfurther Bürgermeister hat die Zusammenarbeit mit Pröll sehr geschätzt, das verhehlt er nicht. Der Rückzug jetzt sei aber für ihn sehr überraschend gekommen.

Wobei Rosenmaier überzeugt ist: „Das ist sicher nicht auf die Stiftung zurückzuführen. Wie ich Pröll kenne, hat er diese Entscheidung spätestens vor zwei Monaten getroffen. Er hatte immer eine klare Strategie und eine klare Vision. Für jeden Tag, jede Woche, jedes Monat, jedes Jahr und auch für die Zukunft.“

Alfredo Rosenmaier  |  Franz Baldauf

Da habe er diese Entscheidung keinesfalls von tagesaktuellen Entwicklungen abhängig gemacht, sondern seine klare Entscheidung durchgezogen. Für die Zukunft im Land setzt Rosenmaier weiter auf Zusammenarbeit: „Wir haben ein Arbeitsübereinkommen, das werden wird abarbeiten. Dann kommt die Wahl, da werden die unterschiedlichen Ideologien durchschlagen.“

Rosenmaier stellt übrigens auch in Aussicht, den Nachfolger oder, wohl eher, die Nachfolgerin von Pröll im Landtag auch die Stimme zu geben. Für sein persönliche Zukunft haben diese Entwicklungen keine Auswirkungen: „Ich habe schon entschieden, bei den Landtagswahlen 2018 nochmals zu kandidieren und in der Hälfte der Periode den Platz für meine Nachfolge zu räumen.“

Landbauer: "Pröll hat viele seiner Werte über Bord geworfen"

Mit Udo Landbauer sitzt ein Freiheitlicher im Landtag, der gleichzeitig mit der ÖVP in Wiener Neustadt regiert.

Udo Landbauer  |  Franz Baldauf

Was Pröll betrifft, „muss man anerkennen, dass er sehr viel Gutes für das Land getan hat.“ Allerdings sei der Rückzug nötig gewesen: „Zuletzt hat er viele Fehler gemacht und viele seiner Werte über Bord geworfen.“ Wobei er in die Zukunft blickend auch besorgt ist: „Bei allen Fehlern Prölls – ob jemand ähnliches zusammenbringt, wage ich zu bezweifeln.“

Ob der Rückzug von Pröll für Wiener Neustadt negative Folgen haben wird, schließlich war die Achse Pröll zu ÖVP-Bürgermeister Klaus Schneeberger höchst ertragreich, was Projekte in Wiener Neustadt und der Region betrifft, will Landbauer nicht abschätzen: „Das müssen Sie die ÖVP fragen. Ich hoffe, dass dem Nachfolger, oder besser der Nachfolgerin, Wiener Neustadt auch am Herzen liegt.“ Auf Wiener Neustadt müsse jeder Landeshauptmann Augenmerk legen.

Pröll hat NÖ "Landesbewusstsein gegeben"

Der Wiener Neustädter ÖVP-Bürgermeister Klaus Schneeberger gilt als einer der engsten Weggefährten des Landeshauptmannes. Seit 17 Jahren ist er als Klubobmann rechte Hand seines Chefs.

Pröll und Schneeberger  |  Franz Baldauf

Seine Bilanz: „Erwin Pröll wird als jener Landeshauptmann in die Geschichte eingehen, der die große Chance des Falls des Eisernen Vorhangs dazu genutzt hat, um Niederösterreich zu einer Zukunftsregion im Herzen Europas zu entwickeln. Dabei ist es ihm gelungen, unserem Heimatland ein Landesbewusstsein zu geben, welches die Basis für viele Erfolge in Niederösterreich sowie von Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern gelegt hat. Dies vor allem auch deswegen, weil er in alle den Jahren in seiner Funktion als Landeshauptmann Parteipolitik hintangestellt hat, wenn es um blau-gelbe Interessen gegangen ist."

Als größte Verdienste von Prölls Politik werden - so Schneeberger - die Ertüchtigung der Infrastruktur, die aktive Landes-Außenpolitik, sein Zugang zu den Kunst- und Kulturschaffenden bis hin zu den Meilensteinen im Bereich Wissenschaft und Forschung eingehen.

"Gerade die Region rund um Wiener Neustadt hat sich in seiner Amtszeit von einer Region der rauchenden Schlote zu einer Region der rauchenden Köpfe gewandelt und als Stadt Wiener Neustadt sind wir Erwin Pröll zu großem Dank verpflichtet. Die Entwicklung der Nova City mit RIZ, Arena Nova, FH, TFZ und vor allem dem Jahrhundertprojekt MedAustron wäre ohne Erwin Pröll niemals möglich gewesen und besonders in den vergangenen Monaten konnten wir dank seiner Unterstützung weitere Meilensteine für die Innenstadt einleiten. Der Zuschlag für die Landesausstellung ist dabei die Trägerrakete für eine positive Entwicklung. Der Marienmarkt, der FH-Citycampus, die Revitalisierung der Fußgängerzonen sowie die Landesausstellungsprojekte Kasematten, St. Peter an der Sperr und  Stadtmuseum stellen ganz neue Zukunftschancen für die Stadt dar.“

Im Vordergrund steht neben dieser politischen Einschätzung aber vor allem eine persönliche Freundschaft: „Ich danke Erwin Pröll dafür, dass ich seit dem Jahr 2000 als Klubobmann im Landtag die blau-gelbe Landespolitik an seiner Seite mitgestalten darf. Ich durfte all die schönen Erfolge mit ihm teilen und gleichzeitig haben wir die finstersten Stunden gemeinsam durchgestanden. Ohne seine Unterstützung hätte ich mein großes Ziel, Bürgermeister der Stadt Wiener Neustadt zu sein, niemals erreichen können. Ich verneige mich in Demut und Dankbarkeit vor dem erfolgreichsten Landespolitiker der Gegenwart und bedanke mich beim Menschen Erwin Pröll für seine Liebe zu unserem Heimatland Niederösterreich und seinen Menschen.“

 

Schneeberger selbst wird übrigens - wie sein SPÖ-Pendant Rosenmaier - im Landtag als Klubobmann bleiben, auch wird er bei den Landtagswahlen 2018 kandidieren.