Bürger-Protest gegen Müll-Anlage. In einer Schottergrube nahe der Grenze zu Wr. Neustadt soll eine Müllfirma entstehen. Die Bevölkerung ist dagegen.

Von Mathias Schranz und Doris Damböck. Erstellt am 08. Oktober 2019 (05:12)
Veraszto
In dieser Schottergrube nahe der Ortseinfahrt und nur wenige hundert Meter von Wiener Neustadt entfernt soll die Anlage entstehen.

In der Gemeinde brodelt es. Grund dafür sind Pläne für eine Mega-Abfallbehandlungsanlage in einer Schottergrube in der Grazer Straße 55 – nur wenige hundert Meter von der Wiener Neustädter Stadtgrenze entfernt.

In der Bevölkerung formiert sich derzeit großer Widerstand, man fürchtet Geruchsbelästigungen, erhöhten Lkw-Verkehr und sorgt sich auch um mögliche Auswirkungen auf das Grundwasser sowie eine erhöhte Feinstaubbelastung.

Den Projektplänen zufolge, sollen in der Schottergrube in Zukunft 500.000 Tonnen (!) Abfall pro Jahr behandelt werden. Laut Einreichung handelt es sich um nicht gefährliche Abfälle wie Holz, Holzabfälle, Baum- und Strauchschnitt, Bauschutt, Beton und Erdaushub und nicht gefährlichen Siedlungs- bzw. Gewerbeabfall. Der Müll soll zwischengelagert, teilweise behandelt und weitertransportiert werden. Eingereicht wurde das Projekt von Günter Knautz, einem fachkundigen gebürtigen Theresienfelder – für die NÖN war er nicht bis Redaktionsschluss erreichbar.

Unterschriften-Aktion gegen Projekt

Derzeit formiert sich eine Bürgerbewegung, einer von den Initiatoren ist Wolfgang Simecek: „Wir haben erst vor der Verhandlung vor wenigen Tagen davon erfahren und sofort eine Unterschriftenaktion gestartet.“ Die Initiative will auch in den Nachbargemeinden aktiv werden, schließlich sei unter anderem auch Wiener Neustadt betroffen – vor allem weil in nur einem Kilometer Entfernung auch das neue Krankenhaus gebaut werden soll. Simecek betont: „Das ist eine überparteiliche Initiative. Es ziehen alle an einem Strang, um das Vorhaben an diesem Standort zu verhindern.“ In den nächsten Tagen wolle man deswegen auch einen Anwalt einschalten.

Ob das Projekt verwirklich wird, ist in Schwebe. „Es ist ein offenes Verfahren“, betont Christoph Faimann von der BH Baden, Abteilung Anlagenrecht. Der Einreicher habe bereits sieben Gutachten erstellt, allerdings sei das zu wenig. Deswegen müssen weitere Gutachten eingebracht werden. Unter anderem in Hinblick auf Lärmschutz, Grundwasserschutz und Auswirkungen auf die Landwirtschaft.

Auch ein ärztliches Gutachten hinsichtlicher sonstiger möglicher Emissionen müsse erstellt werden. Dazu müsse der Planer noch weitere Unterlagen einreichen – mit einer baldigen Entscheidung kann daher nicht gerechnet werden, „das wird sich ziehen“, meint Christoph Faimann, „es wird aber auch auf alle Fälle noch eine mündliche Verhandlung vor Ort geben.“ Grundsätzlich sei der Standort aufgrund der 15 Meter hohen Böschung nicht schlecht, allerdings habe er auch Verständnis für die Einwände aus der Bevölkerung, so Faimann im Gespräch mit der NÖN.

Dass es mit Abfallanlagen immer wieder Probleme gibt, hat sich in der Vergangenheit gezeigt. In Theresienfeld wurde 2007 eine Anlage nach Bürger-Protesten verhindert. In Wiener Neustadt sorgt eine Anlage in der Breitenauer Siedlung immer wieder für Aufregung.

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