Fischsterben in der Warmen Fischa. Hunderte Forellen am Wochenende verendet, bei der Kläranlage weist man jede Schuld von sich: „Keine Auffälligkeiten.“

Von Julia Binder und Mathias Schranz. Update am 22. Juli 2021 (16:22)
Tote Forellen am Ufer der Warmen Fischa. Anrainer schlugen Alarm, Polizei ermittelt.
zVg, zVg

Das sorgte für Aufregung: Am Samstagnachmittag bemerkten einige Anrainer in Eggendorf einen unangenehmen Geruch im Bereich der Fischa. „Ich musste mit Entsetzen feststellen, dass die Fischa stark verschmutzt ist und die dort lebenden Fische um ihr Überleben kämpften, um schlussendlich qualvoll zu sterben“, berichtet eine Anrainern der NÖN. Die Situation löste Unruhe in der Nachbarschaft aus, sogar die Polizei wurde verständigt.

Wie sich später zeigen sollte, kam es im Bereich Lichtenwörth, Ebenfurth und Eggendorf zu einem gewaltigen Fischsterben. Martin Bauer, Bewirtschafter der Fischa, bestellt von der Österreichischen Fischereigesellschaft schätzt, dass 90 Prozent der Fische in dem Bereich verendet sind. „Es handelt sich vor allem um Bach- und Regenbogenforellen sowie Äschen, also durchaus wertvolle Fische“. Doppelt bitter: Die Tiere wurden von ihm in den letzten Jahren dort in mühevoller Arbeit angesiedelt. Man habe die Ermittlungen aufgenommen, Wasserproben wurden genommen, die toten Fische werden untersucht. „Wir rechnen mit einem Ergebnis in den nächsten Tagen“, sagt Bauer.

In sozialen Netzwerken wie auf Facebook wird über einen Zwischenfall in der Kläranlage (sie leitet im Normalfall geklärtes Wasser in die Fischa ein) gemutmaßt. Aufgrund des Starkregens am Samstag könnte es dort zu Schwierigkeiten gekommen sein.

Ein Verdacht, dem Wolfgang Scherz, Geschäftsführer des Abwasserverbandes NÖ-Süd, entgegentritt. „Wir haben alle Daten vom Wochenende geprüft, es gab keine Auffälligkeiten. Weder im Bezug auf Wassermengen noch Reinigung.“ Deswegen glaube er auch nicht, dass das Fischsterben von der Kläranlage ausgeht, das habe man auch so der Polizei mitgeteilt, die ihre Ermittlungen aufgenommen hat. Was für das Fischsterben verantwortlich ist, könne laut Scherz viele Gründe haben. Es habe am Samstag 24 Liter Regen pro Quadratmeter gegeben, möglich sei, dass es hier zu Ausschwemmungen von den Feldern gekommen sei, so Scherz – genau könne er es aber auch nicht sagen.

Die Gemeinde Eggendorf ruft indessen auf, Kontakt mit dem Gewässer zu vermeiden. Auch Hunde sollten nicht in die Warme Fischa zum Baden gehen.

Nach dem Sterben zahlreicher Fische in der Fischa im Bezirk Wiener Neustadt waren die Ermittlungen der Exekutive gemeinsam mit der Bezirkshauptmannschaft am Donnerstag im Gange. Die toten Tiere werden untersucht, zudem wurden Wasserproben entnommen, bestätigte Polizeisprecher Raimund Schwaigerlehner am Donnerstag auf Anfrage. Zuerst hatten die "Niederösterreichischen Nachrichten" ("NÖN") darüber berichtet. Die Gemeinde Eggendorf riet, Kontakt mit dem Gewässer zu vermeiden.

Nach starken Regenfällen am Wochenende wurden nach Angaben auf der Gemeinde-Webseite "massive Verunreinigungen" der Warmen Fischa festgestellt. Anrainer schlugen Alarm. Der zustände Fischaufseher Martin Bauer sprach laut ORF NÖ von Tausenden betroffenen Tieren, das seien schätzungsweise bis zu 90 Prozent des gesamten Fischbestandes, darunter vorwiegend Bachforellen, aber auch Regenbogenforellen und Äschen. Der Schaden sei enorm. Das betroffene Revier ist etwa neun Kilometer lang, beginnt bei Wiener Neustadt und geht flussabwärts bis Ebenfurth. Eine Messung ergab dem Bericht zufolge, dass kaum noch Sauerstoff im Wasser vorhanden war. Die Fische erstickten.

Ermittelt wird, ob eine natürliche Ursache für den Tod der Tiere oder Fremdverschulden vorliegt, teilte die Exekutive der APA mit. Die Fischereigesellschaft hat laut ORF NÖ eine Belohnung von 1.000 Euro für den entscheidenden Hinweis zur Ausforschung des Verursachers ausgesetzt. Meldungen werden demnach unter 01/5865248 entgegengenommen.