Verdächtiger bestreitet eine Mord-Absicht. PROZESS / Magistratsbeamter aus Wiener Neustadt muss sich derzeit wegen Mordes vor Gericht verantworten.

Erstellt am 10. Juli 2012 (13:04)
NOEN, BilderBox.com (BilderBox - Erwin Wodicka)

VON MATHIAS SCHRANZ

WIENER NEUSTADT / Am Landesgericht läuft derzeit der Prozess gegen einen 51-jährigen Magistratsbediensteten. Er soll seine Lebensgefährtin im August des Vorjahres in einem Eisgeschäft in der Innenstadt getötet haben. Für Staatsanwaltschaft ist es Mord, der Angeklagte bekannte sich zu Prozessbeginn zu schwerer Körperverletzung mit tödlichem Ausgang. Im Mittelpunkt der Verhandlung stand vor allem die Beziehung des Mannes mit seinem späteren Opfer Ulrike Jeschke (47).

Das Verhältnis begann 2008, die Eisverkäuferin lebte trotzdem weiterhin gemeinsam mit dem Eisdielen-Besitzer in der Wohnung über dem Geschäft. Allerdings soll der Geschäftsmann von der Beziehung gewusst haben, man verbrachte oft Zeit zu dritt. Die Liebe zwischen der 47-Jährigen und dem Magistratsbediensteten stand unter keinem guten Stern. Ständig soll es laut dem Angeklagten zum Streit gekommen sein, rund 15 Mal wurde die Beziehung in den drei Jahren beendet jedoch fand man kurze Zeit später wieder zusammen. „Ich bin nicht von ihr weggekommen“, so der Angeklagte vor Gericht, ich habe sie gesehen und es war vorbei mit mir.“

„Ich wollte nur, dass  sie endlich ruhig ist“

In der Nacht des 21. August 2011 eskalierte die Situation. Nachdem man zu dritt gegessen hatte, legte sich der Eisgeschäftsbesitzer schlafen. Der Angeklagte und die Frau tranken einige Flaschen Prosecco, es kam zum Streit. „Warum, weiß ich heute nicht mehr“, so der 51-Jährige beim Prozess. Immer wieder sei er beschimpft („Magistratstrottel“) worden, dann habe er die Nerven verloren, sie geschlagen und gewürgt. „Ich wollte nur, dass sie endlich ruhig ist. Alles war voller Blut, ich habe geglaubt, sie ist tot.“ Weil er den Anblick nicht ertragen konnte, stülpte er einen schwarzen Müllsack über das Gesicht des Opfers – Ulrike Jeschke starb wenige Tage später im Spital an den folgen des Sauerstoffmangels. Dass er sie auch mit einem Messer gestochen hätte, daran konnte er sich vor Gericht nicht erinnern.

Zu einem Urteil sollte es heute nicht mehr kommen: Nach Richterangaben werde das Verfahren vertagt. Auch Gerichtsmediziner Wolfgang Denk wird sein Gutachten erst im August präsentieren.