Förderung: Ja, aber richtig!. Nicht alle Fördermethoden, die in der Praxis zur Anwendung kommen, helfen Kindern wirklich bei der Überwindung ihrer Lese- und Rechtschreibprobleme. Zu diesem Schluss kam Prof. Dr. Matthias Grünke von der Universität Köln bei seinem informativen sowie packenden Vortrag am 7. November im BORG Wiener Neustadt.

Erstellt am 09. November 2017 (09:19)

Erhalten Kinder mit Problemen im Lesen und Schreiben immer die richtige Förderung? Prof. Dr. Matthias Grünke stellte in seinem provokanten Vortrag „Wirksame Methoden in der Lese- und Rechtschreibförderung“ die Ergebnisse seiner Untersuchungen zur Wirksamkeit von Fördermöglichkeiten bei Kindern und Jugendlichen mit Problemen im Lesen und Schreiben vor. Vor ca 100 interessierten Lehrern, Ärzten, Psychologen und Eltern erläuterte er seine überraschenden und beunruhigenden Erkenntnisse.

Fällt es Kindern schwer, richtig zu schreiben oder flüssig zu lesen, dann wirkt sich diese Leistungsschwäche fast immer auf die gesamte schulische Entwicklung negativ aus. Neben einer genauen Diagnose brauchen diese Kinder eine Förderung, die ihnen zu einer dauerhaften Verbesserung ihrer Lese- und Rechtschreibleistungen verhilft.

Allerdings sind die beliebtesten Fördermethoden meist die am wenigsten hilfreichen. Obwohl seit Langem wissenschaftlich gesichert ist, welche Methoden wirksam helfen, wenden selbst erfahrene Lehrkräfte in der Praxis tatsächlich oft solche an, die nur wenig oder gar nichts nützen. Gängige Meinungen – wie Kinder wissen selbst am besten, wie sie lernen müssen, einschleifendes Üben engt ein, vertieftes Verständnis von Lerninhalten behindert die Kreativität der Schüler – haben sich laut Studien als falsch herausgestellt.

Intensive Förderung muss langfristig angelegt sein

Wie aber können wir Kinder und Jugendliche erfolgreich fördern? In erster Linie muss eine intensive Förderung langfristig angelegt sein, mindestens 20 Wochen. Kinder einfach schreiben lassen, sei grundsätzlich falsch, denn wenn einmal etwas im Kopf abgespeichert ist, bekommt man das nicht mehr heraus. Eine genaue Analyse der vorliegenden Probleme, Vermittlung relevanter Fertigkeiten (z.B. Rechtschreibregeln), einschleifendes Üben, setzen von Zielen sowie das Dokumentieren der Fortschritte (z.B. das Protokollieren der Anzahl gelesener Wörter pro Minute), ausgiebiges Lob und eine umgehende Fehlerkorrektur sind wirksame Methoden, die LRS bei Kindern und Jugendlichen deutlich zu verbessern.

Das sieht auch Frau Mag.a Katharina Marth, die Leiterin des LOS Wiener Neustadt und Organisatorin der Veranstaltung, so. Die LOS (Lehrinstitute für Orthographie und Sprachkompetenz) arbeiten im Allgemeinen eng mit Fachpersonen wie Herrn Prof. Dr. Matthias Grünke zusammen und richten ihren Förderunterricht stark an Erkenntnissen der Lernforschung aus.

In ihren einführenden Worten stellte Frau Mag.a Marth die LOS-Methode kurz vor und verwies auf die Wichtigkeit einer detaillierten Diagnose sowie der individuellen Förderung von Kindern und Jugendlichen mit LRS, um die Schwierigkeiten nachhaltig in den Griff zu bekommen.

Neben der wissenschaftlichen Ausrichtung der pädagogischen Therapie legt Frau Marth großen Wert auf die Unterstützung betroffener Eltern sowie Lehrer. Gerne gewährt sie, in zahlreichen Fortbildungsveranstaltungen, Einblicke in die LOS-Methode und gibt wertvolle Tipps im Umgang mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche. Zusätzlich bietet Sie anlässlich des Symposiums Eltern, deren Kinder Probleme im Deutschunterricht haben, am Samstag, dem 25.11.2017, im LOS Wiener Neustadt die Lese-/Rechtschreibleistung ihres Kindes kostenlos mit einem wissenschaftlich fundierten Verfahren testen zu lassen.

Interessierte Personen können sich unter der Telefonnummer 02622 90500 oder per Mail (los-wiener-neustadt@losdirekt.at) zu den Workshops anmelden oder einen Testplatz reservieren.