Initiative gegründet: Bürger steigen auf Barrikaden. Mögliche Fällung aller Birken in Straße stößt auf Widerstand. Kein Konsens mit Bürgermeister.

Von Stefan Zehetner. Erstellt am 25. Juli 2020 (05:55)
„BOKU“-Professor Franz Ottner, Marianne Soto-Terrazas, Tierärztin Maria Rennhofer und Initiatorin Eleonora Kremser, die die Birken nicht mehr hergeben möchte.
Stefan Zehetner

Nach Bekanntwerden eines möglichen Fällens aller Birken an der Birkfeldstraße durch einen Artikel in der Gemeindezeitung, stellte sich Anrainerin Eleonora Kremser gegen die Entscheidung des Bürgermeisters. Sie organisierte eine Bürgerinitiative und legte der Gemeinde – neben einer Unterschriftenliste – Stellungnahmen von Universitätsprofessor Franz Ottner und Landschaftsökologin Helene Vlasitz vor. „Wir sind der Meinung, dass wegen einiger kranker Bäume nicht der gesamte Bestand entfernt werden soll“, so Kremser, „und wenn, dann müsste es ein Konzept zu einer Neubepflanzung geben. Dies ist aber nicht der Fall und außerdem würde es sehr lange dauern, bis neuer Baumbestand wieder die gleiche Höhe hätte, wie die Birken. Die Sonneneinstrahlung im Sommer ist ohnehin schon sehr hoch“, erklärt sie gegenüber der NÖN.

Dass die Bäume Schmutz verursachen und für Allergiker eine Belastung darstellen, hält man für nicht gut durchdacht, vorgeschobene Gründe, um die Birken fällen zu können: „Pollen fliegen viel weiter“, bestätigt Tierärztin und Anrainerin Maria Rennhofer, „da müsste man viele Birken in der Gemeinde und im Umfeld fällen.“

Grundlegende Forderung der Bürgerinitiative ist daher die Gründung eines Baumkatasters für Walpersbach, in welchem der Baumbestand der Gemeinde aufgeführt und organisiert wird, und eine zuständige Stimme dafür im Gemeinderat. „Ein Baumkataster, wie Frau Vlasitz diesen in ihrer Stellungnahme nennt, ist in einer Gemeinde unumgänglich“, sagt Uni-Professor Franz Ottner, „Wien wäre ohne ein solches gar nicht denkbar.“ Auch andere Unterstützer pflichten dem bei.

Kein Konsens mit Bürgermeister

SPÖ-Landtags-Klubobmann Reinhard Hundsmüller unterstützt die Initiative.
SPÖ NÖ

Mit Bürgermeister Franz Breitsching (ÖVP) sei man jedoch zu keinem Konsens gekommen, weshalb man sich an die Opposition wandte. SPÖ-Landtagsklubobmann und Gemeindevorstandsmitglied Reinhard Hundsmüller unterstützt die Forderungen der Bürgerinitiative und die Gründung eines Baumkatasters. Diesbezüglich legte er dem Bürgermeister eine Stellungnahme vor, die er auch an die Bezirkshauptmannschaft weiterleiten möchte. „Wir unterstützen selbstverständlich auch unseren Bürgermeister, wenn er gewillt ist, ein derart wichtiges Umweltprojekt, wie einen Baumkataster, zu initiieren“, so Hundsmüller, „daher wird das Schreiben auch der Bezirkshauptmannschaft vorgelegt.“ Kritisch merkt der SPÖ-Politiker an, dass man als Fraktion von der „derart massiv in die Natur“ eingreifenden Maßnahme über die Gemeindezeitung erfahren habe, heißt es unter anderem in dem Schreiben.

Ortschef Breitsching (ÖVP) war zu einem ausführlichen Statement nicht bereit. „Es bleibt alles, wie es ist“, meint er zur NÖN, „schadhafte Bäume werden entfernt, dafür trage ich die Verantwortung und das muss geschehen. Die übrigen Birken aber werden bleiben.“ Mehr wolle er dazu nicht sagen, gab er sich recht wortkarg.